Notebookcheck Logo

Anthropic: KI-Würmer könnten bald deine TV-Box kapern

Hand hält eine Fernbedienung, im Hintergrund ein unscharfer Fernseher
ⓘ Towfiqu barbhuiya / Pexels
Billige Android-TV-Boxen ohne Marke gelten als leichtes Ziel. Anthropic hält sie für mögliche Wirte künftiger KI-Würmer.
Anthropic hat ein KI-Modell auf 15 billigen Android-TV-Boxen laufen lassen und warnt, dass sich kleine Modelle schon Ende 2026 wie ein Wurm über schlecht gesicherte Geräte verbreiten könnten. Was der Test zeigt und was nicht, warum No-Name-Boxen das erste Ziel wären und wie du deine Box mit Play Protect und den Entwickleroptionen prüfst.

Bisher brauchte eine leistungsfähige KI ein Rechenzentrum. Anthropic hat jetzt gezeigt, dass es auch mit Geräten geht, die in vielen Wohnzimmern stehen. Das Frontier Red Team des Claude-Entwicklers verband 15 günstige Android-TV-Boxen ohne bekannte Marke, je rund 55 US-Dollar teuer, und ließ darauf gemeinsam das offene Sprachmodell Gemma 4 in der Variante mit 26 Milliarden Parametern laufen. Schnell war das nicht, die Boxen schafften zusammen etwa 0,4 Token pro Sekunde. Darum ging es den Forschern auch nicht. Sie wollten wissen, wie nah kleine KI-Modelle daran sind, sich wie ein Computerwurm selbst von Gerät zu Gerät zu kopieren. Laut dem Bericht vom 12. Oktober könnten es nur noch wenige Monate sein.

Was der Versuch wirklich zeigt

Eine Unterscheidung geht in vielen Meldungen unter. Auf den TV-Boxen lief nur das Sprachmodell, die Geräte haben sich gegenseitig nicht infiziert. Das Verbreiten testete Anthropic getrennt davon in einem abgeschotteten Netz aus acht virtuellen Android-15-Rechnern in der Google-Cloud. Ein erster befallener Knoten sollte sich über die Android Debug Bridge, kurz ADB, auf die übrigen kopieren, dort ein KI-Modell zum Laufen bringen und von dort aus weitermachen. ADB ist eigentlich eine Schnittstelle für Entwickler, im Test war sie ohne jede Anmeldung erreichbar.

Ganz geschafft hat das nur ein Modell. GLM-5.2 aus China, der Vorgänger des Modells, das zuletzt veraltetes Chrome für 18 Euro knackte, erreichte in vier von fünf Durchläufen alle acht Rechner und im fünften immerhin sieben, während andere offene Modelle zuverlässig scheiterten. Kleinere Modelle mit höchstens 30 Milliarden Parametern beherrschen viele Einzelschritte bereits, verheddern sich aber, sobald sie die Schritte aneinanderreihen müssen. Sie lernen allerdings dazu. Gab jede Generation ihre Notizen an die nächste weiter, stieg die Erfolgsquote von Qwen3.5 mit neun Milliarden Parametern beim Einrichten des Modells von 45 auf 61 bis 84 Prozent.

Anthropic selbst ordnet die Ergebnisse vorsichtig ein. Weil der Einbruch über das offene ADB bewusst trivial gehalten wurde, seien die Werte eine Obergrenze für den Erfolg in der echten Welt. Die Prognose, dass kleine Modelle diese Fähigkeit bis Ende 2026 erreichen, beruht auf dem bisherigen Tempo, mit dem offene Modelle besser werden, und gilt laut den Autoren nur als grobe Schätzung. Ein solcher Wurm wäre zudem langsam. Für eine Kopie samt laufendem Modell rechnen die Forscher mit ein bis zwei Tagen.

TV-Box-Demo, Verbreitungstest und Prognose aus dem Bericht des Frontier Red Teams vom 12. Oktober 2026 im Überblick. Die Werte gelten laut Anthropic als Obergrenze.

Warum ausgerechnet billige TV-Boxen

Geräte aus dem Smart Home hält Anthropic für das wahrscheinlich erste Ziel, weil sie ständig online und selten gut geschützt sind. Bei No-Name-TV-Boxen kommt hinzu, dass sie meist auf abgewandelten Versionen des Android Open Source Project laufen, denen die Hersteller keine eigenen Schutzfunktionen hinzufügen. Wie groß dieses Reservoir ist, zeigt das Botnetz Kimwolf. Laut Anthropic hat es über zwei Millionen Geräte infiziert, überwiegend Android-TV-Boxen ohne Marke. Die Sicherheitsforscher von XLab zählten im Dezember 2025 rund 1,8 Millionen befallene Geräte, Synthient kam im Januar auf über zwei Millionen. Auch dort führte der Weg hinein über ADB, und manche Boxen hatten die fremde Software laut den Analysen schon ab Werk an Bord.

Auch in Deutschland stehen solche Geräte, das BSI kappte im Dezember 2024 bei rund 30.000 Geräten die Verbindung zur Schadsoftware BadBox, die auf Mediaplayern, digitalen Bilderrahmen und TV-Boxen vorinstalliert war, und ging selbst von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Auch das Botnetz Vo1d hat sich auf TV-Boxen eingenistet. Ein KI-Wurm würde genau auf solchen Geräten leben. Abschalten ließe er sich schwer, schreibt Anthropic, weil es keinen zentralen Server gibt, den Behörden vom Netz nehmen könnten. Viele schlecht gesicherte Geräte würden sich nach einem Neustart zudem einfach wieder anstecken.

So prüfst du deine TV-Box

Ob deine Box zu den gefährdeten Geräten gehört, zeigt am schnellsten der Play Store. Öffne ihn, tippe auf dein Profilbild und dann auf Einstellungen und Info, auf Fernsehern liegt der Punkt je nach Oberfläche leicht anders. Steht unter Play-Protect-Zertifizierung, dass das Gerät nicht zertifiziert ist, hat es laut Google nie die Kompatibilitätsprüfung durchlaufen. Solche Geräte bekommen unter Umständen keine System-Updates und sind weniger sicher. Boxen ohne Play Store oder mit dem Versprechen von Gratis-Streaming aus fremden App-Stores zählt das FBI ebenfalls zu den Warnzeichen.

Fünf Schritte, um eine Android-TV-Box zu prüfen und abzusichern, von der Play-Protect-Zertifizierung bis zum Gästenetz.

Danach lohnt ein Blick in die Entwickleroptionen. Sie stecken je nach Oberfläche unter System oder Geräteeinstellungen. Fehlt der Menüpunkt, sind sie nicht freigeschaltet. Ist er da, schaltest du oben den Hauptschalter aus, womit auch USB- und WLAN-Debugging deaktiviert sind. Ganz sicher ist das bei No-Name-Boxen trotzdem nicht, weil manche ab Werk mit offenem ADB oder bereits mit Schadsoftware ausgeliefert werden. Häng solche Geräte deshalb ins Gästenetz deines Routers, damit sie Laptop und Handy nicht erreichen. Wirkt eine Box verdächtig, rät das BSI, sie vom Internet zu trennen und nicht weiter zu nutzen.

Beim nächsten Kauf hilft der Rat des BSI. Achte auf einen bekannten Hersteller mit offiziellem Support und eine aktuelle Android-Version, und spiel Sicherheitsupdates zeitnah ein. Panik ist trotzdem fehl am Platz. Noch hat niemand einen solchen KI-Wurm in freier Wildbahn beobachtet, Anthropic beschreibt eine Prognose und keinen laufenden Angriff. Wer schon eine KI offline auf dem eigenen Laptop betreibt, sieht allerdings, wie schnell kleine Modelle gerade aufholen. Die günstige Box unter dem Fernseher verdient deshalb einen zweiten Blick.

Google LogoAls bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Mail Logo

Keine Kommentare zum Artikel

Fragen, Anregungen, zusätzliche Informationen zu diesem Artikel? - Uns interessiert Deine Meinung (auch ohne Anmeldung möglich)!
Keine Kommentare zum Artikel / Antworten

static version load dynamic
> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-10 > Anthropic: KI-Würmer könnten bald deine TV-Box kapern
Autor: Steffen Zahn, 21.10.2026 (Update: 17.10.2026)