Casio-Keyboards sterben einen stillen Tod

Casio hat die ersten Musikinstrumente vieler Menschen gebaut. Die günstigen, eigenwilligen Keyboards, die von Anfängern und in Musikräumen von Schulen auf der ganzen Welt genutzt worden sind, das war zu einem großen Teil Casio. Umso unangenehmer liest sich der aktuelle Geschäftsbericht des Unternehmens.
Die Sound-Sparte des Unternehmens, zu der Keyboards und Digitalpianos gehören, hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von umgerechnet rund 18 Millionen Euro eingefahren. Das lässt sich nicht einfach als Ausrutscher bezeichnen, vielmehr setzt sich damit eine Verlustserie fort, die Casio inzwischen offen als strukturelles Problem und nicht mehr als vorübergehende Schwäche behandelt. Der Umsatz der Sparte hat bei rund 114 Millionen Euro gelegen und ist im Jahresvergleich praktisch unverändert geblieben. Für den japanischen Großkonzern scheint es kurzfristig keinen realistischen Weg zurück in die Profitabilität zu geben.
Die von Casio angestrebte Lösung ist für sich genommen schon aufschlussreich. Das Unternehmen zieht sich aus unrentablen Märkten zurück und stellt einige Regionen auf reinen Online-Vertrieb um. Außerdem baut Casio in umsatzschwachen Bereichen Personal ab und senkt die Produktionskosten. Das sind klar Maßnahmen zur Sicherung des Fortbestands. Ziel ist es, bis zum Geschäftsjahr 2029 wieder die Gewinnschwelle zu erreichen. Selbst diese Prognose fällt äußerst zurückhaltend aus: eine operative Marge von 2,1 Prozent bei einem Umsatz von ungefähr 130 Millionen Euro. Nach Jahren mit Verlusten besteht Casios Ziel im Kern also darin, die Verluste zu stoppen.
Auf Produktseite setzt Casio einige Hoffnungen auf die Digitalpiano-Reihe Privia und neue appbasierte Spielerlebnisse. Ob das reicht, um in einem für Casio schrumpfenden Markt, einschließlich Japan, wieder echte Nachfrage zu erzeugen, ist ungewiss. Insgesamt wirkt es wie ein langsamer Niedergang einer Marke, die geprägt hat, wie eine Generation das Musizieren gelernt hat. Es ist kein wirklicher Zusammenbruch, aber auch noch kein Comeback. Zumindest bisher nicht.
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Bild: Chad Nathan auf Unsplash







