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ChatGPT: Marketing abgelehnt, das Cookie läuft trotzdem

Hände tippen auf einem Laptop, auf dem Bildschirm ein Online-Shop.
ⓘ Shoper .pl / Pexels
Auf Seiten von OpenAI-Werbekunden meldet das Cookie __obi den Besuch zurück an OpenAI.
Ein Cookie namens __obi hängt an deinem ChatGPT-Konto und läuft ein Jahr. Besuchst du eine Seite, die Werbung bei ChatGPT bucht, schickt dein Browser die Kennung an OpenAI zurück, mitsamt Angaben zu dem, was du dort ansiehst. OpenAI führt das Cookie selbst als Analyse-Cookie. Was dabei abfließt, wo der Mechanismus nicht greift und welcher Schalter wirklich hilft.

Auf deinem Gerät liegt ein Cookie von OpenAI, das ein Jahr hält und an deinem ChatGPT-Konto hängt. Es heißt __obi. Rufst du danach eine Seite auf, die Werbung bei ChatGPT bucht, schickt dein Browser diese Kennung an OpenAI zurück, zusammen mit Angaben darüber, was du dort gerade ansiehst. Eine Analyse des Sicherheitsblogs Buchodi's Threat Intel hat den Ablauf am 20. September offengelegt und auf einem Telefon nachgestellt.

Warum das Cookie überall mitfährt

OpenAI führt __obi in der eigenen Cookie-Richtlinie vom 10. September als Analyse-Cookie mit einem Jahr Laufzeit, und es ist dort der einzige Eintrag dieser Kategorie. Technisch ist es das einzige OpenAI-Cookie mit der Einstellung SameSite=None. Genau die erlaubt dem Browser, es an fremde Seiten mitzuschicken. Alle übrigen OpenAI-Cookies blockte der Browser im Test.

Auf der Werbekundenseite liegt ein kleines Skript, das OpenAI als Measurement Pixel dokumentiert. Es lädt von bzrcdn.openai.com und meldet Ereignisse an bzr.openai.com. Wer auf einer solchen Seite die Entwicklerkonsole öffnet und window.oaiq eintippt, bekommt function zurück, am 21. September etwa auf wayfair.com. Werbung läuft in Deutschland seit dem 24. August, sichtbar für die Tarife Free und Go, und abstellen lässt sie sich nur mit einem Bezahlabo.

Welche Daten mit der Kennung abfließen

Das Pixel liest Kundendaten selbsttätig von der Seite ab, auf der es sitzt. OpenAI nennt das automatisches erweitertes Abgleichen und beschreibt es in der eigenen Entwicklerdokumentation. E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Name werden vorher im Browser gehasht, Land, Region, Stadt und Postleitzahl stehen in derselben Feldtabelle ohne Hash. In der ausgewerteten Datenmenge war die Postleitzahl das am häufigsten abgegriffene Formularfeld, 100 Ereignisse auf 28 Seiten. Selbst gelesene Angaben überwogen die, welche die Händler bewusst mitgaben, 685 zu 255.

Adressen kamen nur als Herkunft und Pfad an, ohne den Teil hinter dem Fragezeichen. Unter diesen Pfaden fanden sich eine Krankheit, ein Trichter zur Schuldnerberatung und ein Formular zur Klageaufnahme. Ein paar Felder bleiben ausgespart, denn OpenAI führt eine Sperrliste, die Passwörter, Einmalcodes, Kartennummern, Geburtsdaten, Diagnosen und Gerichtsangaben ausschließt. Das Muster kennst du vom Trainings-Schalter, der ebenfalls weniger stoppt, als sein Name verspricht.

Was OpenAI sagt und was offen bleibt

Im Blogeintrag zum Werbestart in Europa schreibt OpenAI, man schütze Gespräche vor Werbetreibenden und verkaufe niemals Kundendaten. Beide Zusagen bleiben unberührt, weil hier die andere Richtung läuft. Die Werbekunden bekommen __obi gar nicht zu sehen, es gehört einer Domain, an die ihre Skripte nicht herankommen. Der Autor der Analyse hat OpenAI am 14. September zwei Fragen geschickt, darunter die, warum ein Werbe-Cookie unter Analyse einsortiert ist. Die Antwort kam vom Support und ließ beide Fragen offen.

Die Analyse benennt ihre Grenzen selbst, was sie glaubwürdig macht. Beobachtet wurde auf Chrome für Android. Auf iPhone und iPad läuft jeder Browser auf WebKit, dort sperrt der Tracking-Schutz Drittanbieter-Cookies und der Mechanismus greift nicht. Nur etwa jede fünfte ChatGPT-Sitzung erzeugte überhaupt eine Kennung. Dass OpenAI die eingehenden Ereignisse auf dem Server tatsächlich deinem Konto zuordnet, folgt aus dem Aufbau, beobachtet hat es niemand.

Was du daran ändern kannst

Der wirksamste Schalter sitzt im Browser. Wer Drittanbieter-Cookies blockiert, nimmt __obi den Weg über fremde Seiten. Im Fuß jeder OpenAI-Seite liegt außerdem der Knopf Cookies verwalten, dort steht __obi als einziger Eintrag unter Analyse. Das Marketing abzulehnen reicht nicht, denn jedes ausgewertete Token trug die Freigabe für Analyse. Cookies für openai.com zu löschen setzt die Kennung zurück, vergeben wird sie beim nächsten Mal neu. Sich abzumelden hilft ebenfalls nicht, rund ein Fünftel der Kennungen gehörte zu anonymen Sitzungen und blieb dabei mindestens 27 Tage stabil.

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Autor: Steffen Zahn, 21.09.2026 (Update: 21.09.2026)