Claude Opus 5.5: Im Pro-Abo ohne Aufpreis, Free bleibt außen vor

Anthropic hat am Dienstag Claude Opus 5.5 vorgestellt, das erste Modell der neuen 5.5-Reihe. Die Ankündigung dreht sich um Tempo und Kosten, doch für Abonnenten steckt die eigentliche Nachricht weiter unten. Anthropic hebt zusammen mit dem Modell die Fünf-Stunden-Limits an, und zwar für Pro, Max, Team und Enterprise mit Sitzplatzabrechnung. Obendrauf gibt es einen Reset des Limits, den man aufheben und zu einem selbst gewählten Zeitpunkt einlösen kann.
Wer das Modell sieht
Auf der Preisseite von Anthropic steht Opus inzwischen mit einem schlichten Ja bei Pro, Max und Team, während in der Spalte Free ein Nein steht. Ein Gratis-Konto bekommt nach dieser Tabelle weiterhin Sonnet und Haiku. Ganz so sauber ist die Grenze allerdings nicht. Mitte September tauchte Opus 5 ohne Ankündigung in Gratis-Konten auf, begrenzt auf drei Nachrichten und ohne den üblichen Fünf-Stunden-Reset. Beim letzten großen Sprung lief das anders. Bei Fable 5.1 sahen zwar alle zahlenden Kunden das Modell im Menü, im Pro-Abo lief es aber nur über Usage Credits und damit gegen Aufpreis, wie wir seinerzeit im Hilfebereich nachgelesen haben. Opus 5.5 ist im Pro-Abo dagegen regulär enthalten.
Auffällig ist noch etwas anderes auf derselben Seite. Opus 5 ist aus der Liste der aktuellen Modelle verschwunden und steht jetzt unter Legacy, gemeinsam mit Fable 5 und den älteren 4er-Versionen. Ein Abschaltdatum nennt Anthropic dafür nicht. Sonnet 5.5 und Haiku 4.5 sollen in den kommenden Wochen folgen.
Was billiger wird
Über die Programmierschnittstelle kostet eine Million Eingabe-Token jetzt 4 US-Dollar, eine Million Ausgabe-Token 20 US-Dollar. Gegenüber Opus 5 sind das jeweils 20 Prozent weniger. Deutlicher fällt der Schnitt beim Lesen aus dem Zwischenspeicher aus, der von 0,50 auf 0,20 US-Dollar je Million Token sinkt und bei Agenten- und Programmierarbeit den größten Kostenblock ausmacht. Anthropic rechnet in Summe mit rund 40 Prozent weniger Kosten bei typischer Last, weil das Modell zusätzlich weniger Token pro Aufgabe verbraucht. Wer es eilig hat, kann einen Schnellmodus dazuschalten, der bis zu 2,5-mal schneller läuft und das Doppelte kostet. Für Abonnenten ist das alles nur indirekt interessant, denn im Abo zahlst du keine Token, sondern stößt an Limits. Genau die steigen nun.
Zwei Einschränkungen, die in der Ankündigung untergehen
Erstens lässt sich der Denkmodus bei Opus 5.5 nicht mehr abschalten, das hält Anthropic in der Entwicklerdokumentation ausdrücklich fest. Zweitens greifen Schutzmechanismen ins laufende Gespräch ein. Weil das Modell in Biologie und IT-Sicherheit auf dem Niveau von Mythos 5.1 liegt, laufen die meisten Sicherheitsaufgaben nicht über Opus 5.5, sondern werden still an das ältere Opus 4.8 durchgereicht. Anthropic beschreibt das als transparenten Rückfall. In der Praxis heißt es, dass du für manche Fragen eine Antwort von einem schwächeren Modell bekommst, ohne dass es im Fenster steht.
Auf der Habenseite steht die Abwehr manipulierter Eingaben. Bei einem Test der Sicherheitsfirma Gray Swan liegt Opus 5.5 gleichauf mit Fable 5.1 und damit bei der niedrigsten Erfolgsquote für Prompt Injection unter allen geprüften Modellen. Das ist für dich relevant, sobald Claude über Konnektoren an Mail, Kalender oder Dateien darf, wie seit der Zusammenlegung von Cowork und Chat im Standardfall vorgesehen.
Was du jetzt tun kannst
Öffne in den Einstellungen den Punkt Nutzung. Dort siehst du, wo dein aktuelles Fünf-Stunden-Fenster steht und ob der gutgeschriebene Reset bereits bei dir liegt. Ein Detail dazu fehlt in der Ankündigung. In der App trägt der Reset ein Ablaufdatum, den 22. Oktober. Aufheben lohnt sich also für eine lange Sitzung in den nächsten vier Wochen, danach verfällt er. Wer bisher Opus 5 fest eingestellt hatte, sollte im Modellmenü nachsehen, weil die alte Auswahl bestehen bleibt und der Wechsel nicht von allein passiert. Und wer sich fragt, welches Abo sich überhaupt rechnet, findet die Rechnung in unserem Vergleich der KI-Abos.





