Der nächste Smart-Ring, der nichts taugt? Nova Ring startet auf Kickstarter

Auf Kickstarter gibt es immer wieder interessante Projekte, keine Frage. So berichteten wir in den letzten Wochen etwa über magnetische Mobile-Gaming-Controller oder besonders helle 4K-Beamer. Dass bei Crowdfunding-Projekten oftmals dennoch besondere Vorsicht angebracht ist, zeigt nun ein aktuelles Projekt in der Technologie-Sparte.
Unter dem Titel "Nova Ring" versucht der Projektgründer "Maksim Romanyuk Kulbaba", angeblich aus Madrid (Spanien), potenzielle Unterstützer von seinem smarten Ring zu überzeugen. Das würde ihm auch fast gelingen, sieht das Projekt auf den ersten Blick doch sehr vielversprechend aus. Je genauer man hinschaut, desto mehr unstimmige Details fallen jedoch auf.
Der Ring kann absolut alles
So hat man zum Beispiel bei den Spezifikationen und Funktionen, über die der Ring später verfügen soll, absolut nicht gespart. Das Gerät soll aus Titan gefertigt sein, unter 4 Gramm wiegen, bis zu 5 ATM wasserdicht sein, Sensoren zum Messen von u.a. Puls, Blutsauerstoff, Körpertemperatur, Schlafzyklen und dem Stresslevel mitbringen und dennoch fünf bis sieben Tage Akkulaufzeit bieten. Vermutlich würde man zudem noch Daten zum Blutdruck und Blutzuckerlevel erhalten, das könne man aber noch nicht versprechen, sehr wohl aber, dass man niemals ein Abo benötigen würde.
Das alles will man übrigens mit einem Mindestfundingvolumen von rund 10.000 Euro erreichen. Zum Vergleich: All diese Features in einem so kleinen Gerät zu vereinen schafften bisher auch millionenschwere Unternehmen wie Samsung oder Oura nicht.


"White-Label"-Rebranding zum Premium-Preis
Zudem stößt sauer auf, dass neben einem gerade einmal neun Sekunden langen Video, in dem kurz ein x-beliebiger Ring in die Kamera gehalten wird, ausschließlich KI-generiertes Marketingmaterial verwendet wird. Das ist nicht sonderlich kreativ, genauso wenig wie die Namensgebung. Schon in der Vergangenheit kursierten wiederholt "Nova"-Ringe, welche sich später als billige Importe entpuppten.
Ein ähnliches Schicksal dürfte den Unterstützern dieser Kampagne bevorstehen. Das Risiko, umgelabelte Standard-Hardware zu erhalten, ist bei diesem Projekt besonders hoch. Das liegt u.a. daran, dass "White-Label"-Smartringe heutzutage auf Plattformen wie Alibaba oder Aliexpress sehr günstig zu haben sind, hier werden oftmals 30 bis 50 Euro pro Stück aufgerufen. Die Gewinnaussicht, diese Ringe anschließend umzulabeln, mit einer nur mäßig funktionierenden, KI-generierten und -gestützten App zu verbinden und zu einem Preis von wie bei diesem Produkt etwa 140 Euro weiterzuverkaufen, erscheint für manche vermutlich sehr verlockend.
Alternativen
Wer tatsächlich einen smarten Ring sucht, kann alternativ auf die beliebten Ringe des Herstellers Oura zurückgreifen. Hier kostet die neueste Generation zwar mindestens rund 400 Euro (siehe Geizhals-Preisvergleich) und für erweiterte Funktionen wird ein Abo nötig, dafür erhält man aber auch die versprochenen Funktionen. Ohne Abo kommen die ebenfalls weit verbreiteten Modelle von Samsung (ab 200 Euro im Preisvergleich) oder RingConn aus, auch diese sind im Gegensatz zum Kickstarter-Projekt ein genaueres Studium wert.










