Flock-CEO weist Verantwortung für Kameramissbrauch zurück: „Ich glaube nicht, dass dies meine Aufgabe ist“

Die Kamerasysteme von Flock geraten zunehmend in die Kritik, da immer mehr Menschen aufgrund von Verwechslungen ins Visier der Strafverfolgung geraten und sich für Straftaten verantworten müssen, die sie nicht begangen haben. Mithilfe einer Kombination aus Indizien, fragwürdigen Kameraaufnahmen und einem hohen Anteil an KI verlassen sich Polizeibehörden in den gesamten USA zunehmend auf das sieben Jahre alte Privatunternehmen – selbst dann, wenn das System möglicherweise falsche Ergebnisse liefert.
Dabei ist nicht allein Flock für diese Fehlverfolgungen verantwortlich. Wie der YouTuber Mental Outlaw in einem aktuellen Video erläutert, werden KI-gestützte Gesichtserkennung, automatische Kennzeichenerkennung, Mikrofone zur Schusserkennung und ähnliche Systeme zunehmend eingesetzt, ohne dass ausreichende Schulungen oder Sicherheitsmaßnahmen sicherstellen, dass die erhobenen Daten verantwortungsvoll oder überhaupt rechtmäßig verwaltet und genutzt werden.
Mehrere aktuelle Fälle hätten diese Probleme bereits offengelegt. Einer der schwerwiegendsten Fälle betrifft Michael Williams aus Chicago, der wegen eines Mordvorwurfs fast ein Jahr lang inhaftiert war. Auslöser waren Daten eines Schusserkennungssystems namens ShotSpotter. Das System hatte das Geräusch zunächst sogar als Feuerwerk eingestuft und den Vorfall nicht einmal in der Nähe von Williams lokalisiert.
Dennoch reichten die Daten den Behörden aus, um ihn festzunehmen – obwohl bei der Durchsuchung keinerlei physische Beweise gegen ihn gefunden wurden. So alarmierend dieser Fall auch ist, derartige Abhängigkeiten von KI-gestützten Beweismitteln werden laut Mental Outlaw zunehmend zum Standard. Systeme wie Flock würden diese Entwicklung zusätzlich vorantreiben – sei es durch ihre weit verbreitete Nutzung bei der Kennzeichenerkennung und Verkehrsüberwachung oder dadurch, dass Flock externe PR-Agenturen beauftrage, um seine Produkte gezielt bei Polizeibehörden in den USA zu vermarkten.
Am Beispiel automatischer Kennzeichenerkennung argumentiert Mental Outlaw zudem, dass sich die Beweislast zunehmend von den Behörden auf die Fahrzeughalter verlagere. Fotografische Aufnahmen dieser Systeme würden häufig behandelt, als seien sie unfehlbar. Dass dies nicht der Fall ist, zeige ein weiterer Fall aus Florida: Jacob Rockwell machte kürzlich mit seinem Auftritt bei einer Stadtratssitzung auf sich aufmerksam. Dort schilderte er die Schwierigkeiten, gegen einen Rotlichtverstoß Einspruch einzulegen, den er nach eigenen Angaben gar nicht begangen haben konnte, da er sich zum fraglichen Zeitpunkt nicht einmal im Bundesstaat befand.
Während das Bezahlen des Bußgelds über ein Online-Portal unkompliziert möglich gewesen sei, habe sich die Anfechtung deutlich schwieriger gestaltet. Ob bei der Überwachung von Einwanderern, der Nachverfolgung von Schwangerschaftsabbrüchen, Datenschutzproblemen über Bundesstaatsgrenzen hinweg, Sicherheitsbedenken durch mögliche Hackerangriffe oder dem Missbrauch von Daten durch Polizeibeamte – laut Mental Outlaw habe sich Flock weitgehend aus der Verantwortung gezogen und konzentriere sich stattdessen darauf, weitere Daten zu sammeln und neue Kunden zu gewinnen.
In einem Interview mit 9News (Video oben) sagte Flock-CEO Garrett Langley auf die Frage nach seiner Verantwortung für den Umgang der Polizei mit den Daten seines Unternehmens: „Ich glaube nicht, dass das meine Aufgabe ist.“ Er erklärte weiter, dass er sich bei bekannt werdendem Datenmissbrauch an die zuständigen Behörden wenden würde – was ironischerweise häufig genau jene Polizeibehörden wären, denen der Missbrauch vorgeworfen wird.
Unterdessen reagieren einzelne Bundesstaaten bereits und kündigen Verträge mit Flock und ähnlichen Anbietern. Gleichzeitig haben Bürger begonnen, den Einsatz der Kameras mithilfe von Projekten wie DeFlock und OpenMaps zu dokumentieren. Langley bezeichnete DeFlock als eine „terroristische Organisation“. Weitere Informationen finden interessierte Nutzer in den vom Originalartikel verlinkten Quellen.
Quelle(n)
Flock PR Listing, Flock Data Misuse [1][2][3], Flock Camera bootloader vulnerabilities, 9NEWS interview, Hex Studio interview, Mental Outlaw on Youtube






