Google muss Android für ChatGPT und andere KI-Assistenten öffnen

Auf Android-Handys hat bisher nur ein KI-Assistent vollen Zugriff auf das System: Googles Gemini. Nur er lässt sich jederzeit per Sprachbefehl wecken, nur er darf in anderen Apps Aufgaben erledigen. Damit soll Schluss sein. Die EU-Kommission hat am 16. Juli zwei bindende Beschlüsse unter dem Digital Markets Act erlassen. Google muss elf zentrale Android-Funktionen für konkurrierende KI-Dienste öffnen, kostenlos und im gesamten Android-Ökosystem, also auch auf Geräten von Samsung und anderen Herstellern. Nach der bestätigten Milliardenstrafe wegen Android ist das bereits der zweite schwere Schlag für Google in Europa binnen weniger Wochen.
Was sich für dich ändert
Künftig sollst du deinen bevorzugten Assistenten, etwa ChatGPT, Claude oder Perplexity, genauso bequem nutzen können wie heute Gemini. Dazu gehört die Aktivierung per Weckwort nach dem Muster "Hey Google", auch bei ausgeschaltetem Display. Der Assistent darf auf deinen Wunsch Aufgaben in Apps übernehmen, zum Beispiel eine Mail entwerfen, einen Termin anlegen oder Essen bestellen. Auch proaktive Vorschläge, Live-Übersetzung und der Zugriff auf lokale KI-Modelle wie Gemini Nano stehen auf der Liste. Ohne deine ausdrückliche Zustimmung bekommt dabei kein Dienst Zugriff. Die EU hat zuletzt schon Meta zu mehr Offenheit gezwungen, seither ist ChatGPT zurück auf WhatsApp.
Das dauert allerdings noch
Nutzen kannst du davon heute noch nichts. Google muss die Öffnung mit Android 18 umsetzen, spätestens zum 1. August 2027. Nur die parallele Weckwort-Erkennung mehrerer Assistenten darf bis Android 19 warten, also bis August 2028. Der zweite Beschluss betrifft die Suche: Google muss anonymisierte Suchdaten an konkurrierende Suchmaschinen abgeben, ausdrücklich auch an KI-Chatbots mit Suchfunktion. Der Datensatz muss bis November 2026 stehen, das Preismodell bis Januar 2027.
Google warnt vor Datenschutzrisiken
Google-Chefjurist Kent Walker kritisierte die Beschlüsse scharf. Sie riskierten, wichtige Schutzmechanismen für Privatsphäre und Sicherheit von Millionen Europäern auszuhöhlen, sagte er laut CNBC. Die Kommission hält dagegen: Direkte Kennungen wie Nutzernamen und IP-Adressen fliegen aus den Suchdaten raus, seltene Suchbegriffe werden unterdrückt, und jeder Nutzer verschwindet in einer Gruppe von mindestens 1.000 Menschen mit gleicher Sprache, Region und Geräteklasse. Unabhängige Prüfungen sollen das jährlich kontrollieren. Eine Klage von Google gilt als wahrscheinlich, an der Pflicht zur Umsetzung ändert sie zunächst nichts.





