Günstiger BYD Racco soll als erstes ausländisches Kei-Elektroauto den japanischen Markt erobern

BYD arbeitet seit Jahren daran, auf dem notorisch abgeschotteten japanischen Automarkt Fuß zu fassen, der von heimischen Marken und kleinen, kantigen Fahrzeugen dominiert wird. Mit seinem jüngsten Schritt könnte dem Unternehmen nun der Durchbruch im Kei-Car-Segment gelingen: BYD hat offiziell den Racco vorgestellt – sein erstes Elektroauto, das von Grund auf speziell für den japanischen Markt entwickelt wurde.
Mit dem Racco betritt erstmals ein chinesischer Autohersteller dieses streng geschützte Segment der japanischen Automobilindustrie. Kei-Cars sind in Japan keineswegs ein Nischenprodukt, sondern allgegenwärtig. Sie machen dank steuerlicher Vergünstigungen, die ihrer Eignung für enge Straßen und die kleinen Parkflächen in Japans dicht bebauten Städten Rechnung tragen, rund 40 Prozent aller Neuwagenverkäufe aus.
Jeder Hersteller, der den japanischen Markt ernst nimmt, kommt langfristig an einem solchen Fahrzeug nicht vorbei. BYD hat seine Hausaufgaben offenbar gemacht und nicht einfach eines seiner bestehenden Modelle verkleinert.
Preis und Reichweite des BYD Racco
Der Racco erfüllt die strengen japanischen Vorgaben für Kei-Cars. Er ist 3.395 Millimeter lang, 1.475 Millimeter breit und 1.800 Millimeter hoch. Das Ergebnis ist ein kantiges, aber hohes Fahrzeug, das auf möglichst kleiner Grundfläche ein Maximum an Innenraum bietet. Mit diesen Abmessungen gehört der Racco in Japan zur Kategorie der sogenannten „Super Height Wagons“ und tritt damit gegen beliebte Modelle wie den Honda N-BOX oder den Suzuki Spacia an.
BYD gibt eine Reichweite von rund 320 Kilometern nach dem WLTC-Zyklus an. Damit übertrifft der Racco den Nissan Sakura mit 180 Kilometern deutlich und liegt auch vor dem kommenden Honda N-ONE e. Nach Abzug der japanischen Kaufprämien für Elektroautos kostet der BYD Racco umgerechnet etwa 10.700 Euro. Damit ist er günstiger als die meisten direkten Konkurrenten. Angesichts dieses Preises fällt die Batterie naturgemäß nicht besonders groß aus.
An einer in Japan üblichen 100-Volt-Steckdose dauert eine vollständige Ladung rund sechs Stunden, zudem unterstützt der Racco auch Gleichstrom-Schnellladen. Für die Entwicklung des Racco war BYD im ganzen Land unterwegs. Das Modell wurde gezielt auf ausgewählte Regionen zugeschnitten, in denen Kei-Cars noch wichtiger sind als ohnehin schon. Wie bei seinen Markteintritten üblich setzt BYD außerdem stark auf lokale Prominenz.
Für die Werbekampagne zum Racco wurde die Schauspielerin Alice Hirose verpflichtet. Gleichzeitig stichelt das Unternehmen damit gegen Suzuki, dessen WagonR seit Jahren von ihrer Schwester Suzu Hirose beworben wird. Allerdings verfügt BYD in Japan bislang nur über rund 80 Autohäuser. Japanische Hersteller verkaufen ihre Fahrzeuge dagegen über mehrere Tausend Standorte.
Um den Racco erfolgreich zu etablieren, wird BYD deshalb erheblich in lokales Marketing investieren müssen. Reichweite, Platzangebot und der niedrige Preis bringen das Modell zwar in eine gute Ausgangsposition gegenüber der Konkurrenz, doch die Verfügbarkeit in den Autohäusern dürfte entscheidend für den Erfolg von BYDs erstem Kei-Car sein.










