Heiliger Gral für Retro-Fans: National Video Game Museum sichert sich Sonys Nintendo-PlayStation-Prototyp

Ein seltenes Konsolenrelikt, das lange als verschollen galt, ist nun wieder aufgetaucht und wurde vom National Video Game Museum (NVM) im texanischen Frisco erworben. Damit erhalten Retro-Fans einen genaueren Blick auf eines der größten „Was wäre wenn?“-Szenarien der Videospielgeschichte.
Vor wenigen Tagen gab das NVM bekannt, dass es die früheste bekannte Version des seltenen Nintendo-PlayStation-Projekts erhalten hat: die Sony MSF-1.
Das NVM teilte die Neuigkeit auf X und erklärte stolz:
„BREAKING NEWS: Das NVM hat die mythische Nintendo PlayStation erworben! Diese Sony MSF-1 ist das ÄLTESTE bekannte erhaltene Hardware-Artefakt der Nintendo PlayStation und das originale Entwicklungssystem für Sonys geplanten Super-Nintendo-CD-Aufsatz. Es ist die EINZIGE bekannte Einheit. Eines der größten ‚Was wäre wenn?‘ aller Zeiten befindet sich nun hier im NVM!“
Die Sony MSF-1 befand sich ursprünglich im Besitz von Sonys ImageSoft-Team in Santa Monica. Der Aufsatz wird direkt in den Cartridge-Slot des SNES gesteckt. Zusätzlich ermöglichte ein Modulschacht auf der Oberseite des Aufsatzes den Entwicklern, reguläre SNES-Module zu verwenden und gleichzeitig CD-basierte Spiele zu testen.
Als Prototyp ist die Sony MSF-1 ein klobiges weißes Entwicklungsgerät – das einzige seiner Art – und zeigt die ersten Schritte, die Sony auf dem Weg zu einem CD-Aufsatz für das Super Nintendo unternahm. Anders als spätere verbrauchernahe Prototypen, die bei früheren Auktionen verkauft wurden, scheint die MSF-1 vollständig für funktionale Zwecke und die Entwicklungsarbeit konzipiert worden zu sein.
Zum Hintergrund: Sony arbeitete mit Nintendo an einem CD-ROM-Aufsatz für das SNES. Letztlich kam die Zusammenarbeit jedoch nie zustande – und Sony wurde später zu Nintendos größtem Rivalen.
Sony kündigte die Partnerschaft am 1. Juni 1991 auf der CES an. Nintendo hinterging Sony jedoch und gab bereits am nächsten Morgen bekannt, stattdessen mit Philips beim SNES-CD-ROM-Projekt zusammenzuarbeiten.
Der damalige Sony-Präsident Norio Ohga zog zwar eine Klage gegen Nintendo in Betracht, entschied sich am Ende jedoch dafür, eine eigene Konsole zu entwickeln. An diesem Punkt trat Sony-Ingenieur Ken Kutaragi auf den Plan und überzeugte die Sony-Führung davon, den Schritt hin zu 3D-Grafik statt zu 2D-Heimkonsolen zu wagen.
Das führte schließlich zur Veröffentlichung der Sony PlayStation am 3. Dezember 1994, die Nintendos N64 als ihren direkten Konkurrenten später bei den Verkaufszahlen übertreffen sollte.
Dass die Sony MSF-1 ausgerechnet rund um den 26. Jahrestag der Sony PlayStation 2 wieder aufgetaucht ist, wirkt fast schon unheimlich passend. Es zeigt, wie weit Sony seit dem Zerwürfnis mit Nintendo gekommen ist.
Im Jahr 2020 wurde ein späterer Nintendo-PlayStation-Prototyp bei Heritage Auctions für 360.000 US-Dollar verkauft. Berichten zufolge handelte es sich um einen der letzten verbliebenen Nintendo-PlayStation-Prototypen – von den angeblich 200 Geräten, die nach dem Bruch zwischen Sony und Nintendo zerstört wurden.










