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Hideo Kojima: KI macht Spieleentwicklung langweilig

Nahaufnahme von Ludens, dem Maskottchen von Kojima Productions
ⓘ Kojima Productions
Nahaufnahme von Ludens, dem Maskottchen von Kojima Productions
Laut Hideo Kojima kann KI die Spieleentwicklung effizienter machen. Dabei könnte jedoch das Experimentieren verloren gehen, das kreative Arbeit so erfüllend macht. Im Interview mit Game*Spark hat Kojima zwischen KI als Produktionswerkzeug und der eigentlichen kreativen Arbeit unterschieden. Ohne klare Grenzen könne KI irgendwann auch kreative Aufgaben übernehmen. Für die kommenden fünf bis zehn Jahre rechnet er allerdings noch nicht mit größeren Problemen.

Hideo Kojima, der Schöpfer der Metal-Gear-Reihe und von Death Stranding, zieht eine klare Grenze zwischen KI als Produktionswerkzeug und KI als kreativem Partner. Im Interview mit dem japanischen Magazin Game*Spark hat er erklärt, dass er die Effizienzgewinne durch KI begrüßt. Wer dem Computer jedoch nur vorgibt, was er erstellen soll, und ihn anschließend um Korrekturen bittet, überspringt für Kojima genau den Teil der kreativen Arbeit, der ihm Spaß macht.

Das Interview hat am 30. Oktober bei einer Pressevorschau auf "Beyond the Strand" stattgefunden. Die Ausstellung zum zehnten Jubiläum von Kojima Productions läuft vom 31. Oktober bis zum 20. Dezember in der Azabudai Hills Gallery in Tokio. Kojima hat seine persönliche Sicht auf kreative Arbeit geschildert. Ob sein Studio bei der Entwicklung der beiden kommenden Spiele KI einsetzt, hat er offengelassen. Sowohl das Horrorspiel OD als auch das Spionage-Actionspiel PHYSINT werden inzwischen von Xbox veröffentlicht.

Von 16 Farben zur KI

Anlass für Kojimas Aussagen war die Frage, ob die heutige Technik für die Geschichten ausreicht, die er erzählen möchte. In seiner Antwort blickte er auf den Beginn seiner Karriere vor 40 Jahren zurück, als Spiele noch zweidimensional waren und Figuren nicht sprechen konnten. Seitdem hat die Technik den Entwicklern immer mehr Möglichkeiten eröffnet. Aus Grafiken mit 16 Farben wurden 3D-Welten, Schauspieler konnten in die Produktion eingebunden und Musikaufnahmen in einzelne Bestandteile zerlegt werden, statt sie lediglich abzuspielen. Trotz der größeren Möglichkeiten setzen begrenzte Kapazitäten und Zeitpläne der Entwicklung weiterhin Grenzen, so Kojima.

Kojima sieht KI als Fortsetzung einer Entwicklung, zu der auch Photoshop und Textverarbeitungsprogramme gehören. Solche Werkzeuge haben ihm zufolge die Arbeit erheblich erleichtert und effizienter gemacht. Dass KI die Produktion beschleunigt und Entwicklungszeiten verkürzt, begrüßt er.

"Der Weg dorthin macht Spaß"

Kojimas Vorbehalt betrifft die Arbeitsschritte, die durch diese Effizienz entfallen. Beim Zeichnen etwa liege der Reiz im Entstehungsprozess. "Ein Bild fertigzustellen ist nicht das, was Spaß macht. Der Weg dorthin macht Spaß", sagte er. Manchmal stecke das eigentliche Handwerk darin, wie etwas entsteht. Einem Computer erst dies und dann jenes in Auftrag zu geben und ein unpassendes Ergebnis neu erstellen zu lassen, hält Kojima für legitim. Als Arbeitsweise findet er es jedoch wenig reizvoll.

Als weitere Beispiele nannte er Plastikmodellbausätze, Puzzles und LEGO-Steine. Ein Modell aus einem Bausatz sieht am Ende immer gleich aus, unabhängig davon, wer es zusammensetzt. Der Spaß liegt für Kojima im Zusammenbau.

Auf die Nachfrage von Game*Spark, was angesichts der wachsenden Möglichkeiten durch KI weiterhin von Kreativen verlangt werde, unterschied Kojima zwischen kreativer Arbeit und kommerziellen Produkten. Aufgaben, die er früher angeleitet habe und die andere Kreative von ihren Teams hätten umsetzen lassen, wanderten zunehmend zum Computer. Das steigere die Effizienz und sei aus seiner Sicht in Ordnung, wenn es darum gehe, ein Produkt herzustellen. Kreative zeichne für ihn aus, dass sie Freude an der Arbeit haben, während etwas entsteht. "Kreativität und ein Produkt sind für mich zwei verschiedene Dinge", sagte er.

Am Beispiel der Musik erklärte Kojima, dass der Reiz für ihn weder darin liege, einen Song in Auftrag zu geben, noch darin, das fertige Ergebnis abzunehmen. Das Ausprobieren und Verwerfen dazwischen sei es, was den Adrenalinspiegel steigen lasse. Eine Zukunft, in der das verloren geht, wünsche er sich nicht. Zugleich erleichtere KI die Produktion, steigere die Effizienz erheblich und könne je nach Einsatz zu einer guten Zukunft beitragen.

Fünf bis zehn Jahre, dann ist die nächste Generation am Zug

Der 63-Jährige macht sich Sorgen darüber, was aus der Freude am kreativen Arbeiten wird. Für die nächsten fünf bis zehn Jahre rechnet er noch nicht mit größeren Problemen. Entwickle sich KI jedoch ohne klare Grenzen weiter, könne sie sich irgendwann auch in kreativen Bereichen durchsetzen. "Bis dahin bin ich nicht mehr auf dieser Welt", sagte er lachend. Die Jüngeren würden entscheiden, wie es weitergeht. Ihnen wolle er den Staffelstab übergeben.

Ähnlich hatte sich Kojima im Juni gegenüber der Washington Post bei einer Kunstveranstaltung von Prada im New Yorker Hotel Chelsea geäußert. Wenige Wochen zuvor war er in einem KI-generierten Werbefilm von Prada aufgetreten, den Fans kritisiert hatten. Vielleicht könne KI in 50 oder 100 Jahren Kunst schaffen, sagte er damals. Er rechne weder damit, das noch zu erleben, noch interessiere es ihn. Einen sinnvollen Umgang mit der Technik zu finden, sei wohl Aufgabe der jüngeren Generationen.

An einem Punkt hält Kojima fest. KI soll die Arbeit effizienter machen, während Menschen die kreative Leitung übernehmen. Im Oktober 2025 hat er KI im Interview mit Wired Japan als "Freund" bezeichnet, der lästige Aufgaben übernehmen, Kosten senken und die Entwicklung beschleunigen könne. Ein Jahr später setzt er zum Teil deutlich andere Akzente. Stärker als die möglichen Einsparungen beschäftigt ihn inzwischen, was Entwicklern durch die Automatisierung verloren gehen könnte.

Wie geht es bei Kojima Productions weiter?

Im weiteren Verlauf des Interviews beschrieb Kojima OD, das inzwischen den Untertitel "Knock" trägt, als Horrorspiel mit Spielsystemen, wie es sie bisher noch nicht gegeben habe. Mit dem Spionage-Actionspiel PHYSINT will er die Grenze zwischen Film und Videospiel auflösen. PHYSINT ist im Januar 2024 als PlayStation-Projekt angekündigt worden. Nach Sonys Rückzug hat Xbox im September die Rolle des Publishers übernommen. Laut Kojima hatte PlayStation das Studio bereits Mitte Juni über die Absage informiert. Kojima verwies außerdem auf die Zusammenarbeit mit Niantic Spatial an Augmented Reality. Sie gehört zur sogenannten "dritten Phase" des Studios, in der sich Unterhaltung nach Kojimas Einschätzung von Bildschirmen lösen und stärker in den Alltag verlagern wird.

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Autor: Rahim Amir Noorali,  6.11.2026 (Update:  6.11.2026)