Huawei löst sich von US-Technik: Ascend-KI-Chips überholen Nvidia in China

Nach Huaweis eigenen Schätzungen werden die Ascend-KI-Chips in China inzwischen häufiger verkauft als die von Nvidia. Das Unternehmen hat das Protokoll eines Gesprächs mit Reportern veröffentlicht, das im Umfeld der zuvor abgehaltenen Huawei-Connect-Konferenz stattgefunden hat. Die Aussage stammt vom turnusmäßig amtierenden Vorsitzenden Eric Xu.
Xu geht davon aus, dass Ascend inzwischen den größeren Marktanteil hat. Die geringere Rechenleistung soll durch eine höhere Zahl an Chips ausgeglichen werden. Auf der Messe hat Huawei den Atlas 950 SuperPoD vorgestellt, der auf der neuen Peerium-Architektur basiert. Peerium verzichtet auf die herkömmliche Master-Slave-Struktur und verbindet CPUs, NPUs, Arbeitsspeicher, SSDs, Netzwerkkarten und Switches gleichberechtigt miteinander.
Dadurch sollen Tausende oder sogar Zehntausende Prozessoren wie ein einziger Computer arbeiten. Das größere Problem ist derzeit allerdings die Versorgung mit Chips. Laut Xu kann Huawei nicht einmal die Nachfrage in China decken. Einen internationalen Export der Ascend-KI-Chips plant das Unternehmen deshalb nicht, auch wenn einige Länder mit hoher Nachfrage begrenzte Mengen erhalten.
Analysten hatten Bloomberg zuvor erklärt, dass Huawei technologisch weiterhin hinter Nvidia liege. Selbst die neuesten Ascend-Chips erreichen demnach nur einen Bruchteil der Leistung von Nvidias Produkten. Huawei setzt darauf, den Rückstand mit großen Chip-Clustern und schnelleren Verbindungen zwischen den Prozessoren auszugleichen.
Huaweis Chips mögen zwar nicht die erhoffte Leistung erreichen, stehen aber in großen Stückzahlen zur Verfügung. Xu hat deshalb vollständige Unabhängigkeit entlang der gesamten Halbleiter-Lieferkette als einzig möglichen Weg gefordert. Auch Huaweis Chef der Verbrauchersparte Richard Yu hat sich deutlich zur Fertigung geäußert. EUV-Anlagen seien entscheidend für fortschrittliche Chips und würden in China entwickelt. Noch sei das Land jedoch auf DUV angewiesen. Huawei setzt als Alternative auf LogicFolding, das zum Tau-Law-Ansatz gehört und bei den Kirin 9050 Chipsätzen im Mate 90 Pro Max zum Einsatz kommt. Das Unternehmen erwartet, dass Chips auf Basis dieses Ansatzes bis 2031 die Transistordichte eines 1,4nm-Fertigungsprozesses erreichen. Angesichts des aktuellen Stands seiner fortschrittlichen Chipfertigung ist das eine ambitionierte Aussage.
Die Software bildet die zweite Säule der angestrebten Unabhängigkeit von US-Technologie. HarmonyOS läuft inzwischen auf Smartphones, Tablets, Wearables, PCs und in Autos. Huawei nennt mehr als 90 Millionen Geräte, 450.000 Apps und Dienste sowie elf Millionen Entwickler.
Yu hat bestätigt, dass Huawei eine stärkere Verbreitung seiner Android-Alternative erwägt. HarmonyOS soll allerdings schrittweise auf den Weltmarkt gebracht werden. Er hat darauf verwiesen, dass Windows Phone, Samsungs bada und Nokias Symbian gescheitert seien, während Huawei trotz des deutlich späteren Einstiegs Erfolg habe. Das Unternehmen sieht HarmonyOS damit offenbar als drittes mobiles Software-Ökosystem neben iOS und Android.
Quelle(n)
Huawei (X)



