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Jodel: Die hyperlokale App macht Millionen-Verluste

Unter Studenten ist die App Jodel mittlerweile schon fast legendär. Allerdings konnten die Entwickler der App aus Berlin ihren Erfolg bisher noch nicht in Geld umsetzen. Und so hat die App bisher Millionen Verluste eingefahren.

Eine hyperlokale Social Media App für Studenten namens Jodel. Diese Beschreibung klingt mehr nach einer Ansammlung von modernen Schlagwörtern und nicht nach einem wirklich erfolgreichen App-Konzept. Allerdings haben die Entwickler aus Berlin in den letzten Jahren nicht nur gezeigt, dass eine solche App funktioniert und erfolgreich sein kann, sie haben nach vielen Jahren auch gezeigt, dass auch in Deutschland erfolgreiche Social Media Apps entwickelt werden können. Doch was genau ist eigentlich Jodel?

Das Konzept ist relativ simpel. Auf den ersten Blick ähnelt die App erst mal Twitter, mit dem Unterschied, dass man hier keinen Personen folgen kann und alles anonym ist. Dafür sieht man immer sämtlich Jodel-Posts, die um Umkreis von 10 Kilometern veröffentlicht wurden. Die Intention der Entwickler hinter Jodel war es, eine App zu schaffen, in der man Leute vor Ort um Hilfe und Rat fragen kann, ohne dass man diese teils unangenehmen Fragen unter seinem Klarnamen in den etablierten Social Media Portalen posten muss. Und dieses Konzept ging auf: In Deutschland nutzen mittlerweile über eine Million Nutzer diese App, wobei 95 Prozent der Nutzer zwischen 18 und 26 Jahre alt sind und 70 Prozent der Nutzer Studenten sind. Und auch im Ausland ist die App durchaus erfolgreich. So ist Jodel mittlerweile auch in der Schweiz, Österreich, Norwegen, Schweden und Dänemark verfügbar und hatte im August 2017 über 1,5 Millionen Nutzer. Diese Zahl dürfte seitdem noch kräftig weiter gestiegen sein.

Gepostet wird Alles. Von merkwürdigen Geschichten über die Liebschaft von letzter Nacht, bis hin zu Kätzchenbilder ist hier alles zu finden. Es ist auf jeden Fall sehr interessant zu sehen, was Leute posten, wenn sie wissen, dass sie anonym sind.

Im Prinzip läufts also ziemlich gut für Jodel. Es hapert nur noch an einer Stelle: Dem Geld. Denn das kommt nicht rein. Und hier muss man dazu sagen, dass die App-Entwickler sich bis Anfang des Jahres überhaupt keine Gedanken gemacht haben, wie sie mit ihrer App eigentlich Geld verdienen wollen. Und so haben die Entwickler mit ihrem Team aus 36 Leuten 5,2 Millionen Euro verbraten ohne Einnahmen zu generieren. Das Geld stammt hierbei von Investoren wie Global Founders Capital, die sich schon durch ihr Investment in Rocket Internet einen Namen gemacht haben. Insgesamt stehen Jodel 10 Millionen Euro an Investitionsgeldern zur Verfügung. D.h. dass der Konzern noch ein Jahr hat, um selbst Geld zu verdienen.

Insgesamt erinnert die Firmengeschichte ein wenig an die Geschichte von Twitter. Auch hier haben die Entwickler erst mal über Jahre Gelder ihrer Investoren ausgegeben, bevor ein eigenes Konzept für das eigene Geldverdienen entwickelt wurde. So kam es, dass Twitter erst Anfang des Jahres zum ersten Mal profitabel wurde. Und Twitter gibt es schon seit 2006. Hoffentlich gelingt es Jodel da schneller, profitabel zu werden. Es wäre auf jeden Fall wünschenswert, mal eine international erfolgreiche Social Media App aus Deutschland zu sehen.

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Autor: Cornelius Wolff, 26.11.2018 (Update: 26.11.2018)
Cornelius Wolff
Cornelius Wolff - News Editor
Nachdem ich mit 8 meinen ersten PC geschenkt bekommen habe (damals noch mit einem AMD Athlon Single-Kern-Prozessor) und ich dieses Gerät auch gleich munter auseinander gebaut habe, hat mich die Technik nie wieder losgelassen. So kam es, dass ich schon mit jungen Jahren immer weiter in die Welt der Computer-Technik eingetaucht bin. Als ich dann 2015 zum ersten Mal auf die Seite Notebookcheck gestoßen bin, war ich begeistert von dem Umfang den diese Seite bietet. Nun arbeite ich seit meiner erfolgreichen Bewerbung im Jahr 2016 als freier Mitarbeiter bei Notebookcheck als News- und Hardware-Redakteur.