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WWDC 2019 | Kontroverse um den 1.000 Dollar-Monitorstand: Geht Apple jetzt zu weit?

Sorgt für heftige Diskussionen: Der Pro Stand für das Apple Pro Display XDR kostet 1.000 US-Dollar.
Sorgt für heftige Diskussionen: Der Pro Stand für das Apple Pro Display XDR kostet 1.000 US-Dollar.
Ein an sich unwichtiges Detail der WWDC-Keynote aus 2019 sorgt für ein ungutes Nachspiel bei Presse und Publikum. Der Monitor-Ständer zum sündteuren 6K Apple Pro Display XDR kostet extra und das mit knapp 1.000 US-Dollar nicht zu knapp. Auffällig: Viele Youtube-Videos, die das Raunen und Lachen im Publikum zeigen, wurden gelöscht.

Apple-Fans sind einiges gewohnt - Smartphones bis zu 1.650 Euro oder MacBooks bis 5.000 Euro etwa - auch die jüngste Keynote im Rahmen der Worldwide Developers Conference vergangenen Montag lieferte jede Menge sündteurer Hardware, die sich allerdings explizit an Profis wendet - Animationsstudios etwa, die sich einen Mac Pro in den USA ab etwa 6.000 US-Dollar zulegen können - die Basiskonfiguration wohlgemerkt - im Vollausbau dürfte er weit über 20.000 US-Dollar wert sein. 

Das dazugehörige Display bietet Apple künftig ebenfalls an, einen 32 Zoll 6K Monitor namens Pro Display XDR um 5.000 oder 6.000 US-Dollar, je nach Ausführung - der allerdings ohne Befestigungsmöglichkeit ausgeliefert wird. Hierfür bietet Apple zwei Varianten, jeweils mit saftigem Aufpreis - einen VESA-Mount um 200 US-Dollar und den Stein des Anstoßes - einen "Pro Stand" um 1.000 US-Dollar. Während der Präsentation gab sich das ansonsten klatschende und jubelnde Saalpublikum plötzlich auffällig ruhig - wer beim Livestream aufmerksam zuhörte, konnte auch ein deutliches Raunen und Lachen vernehmen.

Selbst den eingefleischtesten Apple-Fans war ein derartiger Aufpreis wohl nicht mehr ganz geheuer, obwohl sich Apple große Mühe gegeben hatte, diese Preise zu rechtfertigen, indem vorab Vergleiche zu Reference-Monitoren um die 43.000 US-Dollar eingeblendet wurden. Im Nachhinein wird nun insbesondere über das Luxus-Zubehörprodukt Monitor-Ständer diskutiert. Jede Menge Youtube-Videos finden sich etwa unter dem Suchbegriff  "Apple stand reaction" - auffällig ist allerdings, dass die meisten davon wieder gelöscht wurden. Dieses hier (aktuell noch) nicht:

Kritik in Presse und sozialen Medien

Falls sie doch mal offline geht: Im offiziellen Replay der Keynote findet sich die Stelle bei Minute 1:42:00, sofern Apple hier künftig nicht noch nachbearbeitet. Eine Kritik von den Engadget-Redakteuren merkt zurecht an, dass Apple diesen Faux Pas durchaus hätte vermeiden können, wenn sie das Display gleich um 1.000 US-Dollar höher und mit VESA-Mount oder Ständer zusammen eingepreist hätten. So wird Apple nun aber, einmal mehr, auch von Kritikern in sozialen Medien verrissen, wie zwei von vielen ähnlichen Tweets zeigen:

Upselling - eine Konstante im Apple-Universum

Engagdet zieht durchaus auch Vergleiche mit anderen Produktentscheidungen aus Cupertino, etwa der Touch Bar in den teureren MacBook Pro-Varianten, die in der Praxis zumindest beim Engadget-Redakteur auf wenig Gegenliebe stößt. Eine passendere Analogie wäre allerdings die Tatsache, dass die neuen MacBooks nur mehr mit USB-C-Ports ausgeliefert werden und alle anderen Anschlüsse folglich mit mehr oder weniger teuren Adaptern nachgerüstet werden müssen - auch hier bei einem nicht gerade günstigen Einstiegspreis. 

Letzteres haben Apple-Fans allerdings geschluckt, ebenso die teuren iPhones, die leider auch zum Vorbild für die gesamte Smartphone-Industrie wurden. Und so geht es in der aktuellen Kontroverse wohl weniger um die gar nicht so neue Produktphilosophie von Apple sondern eher um die Symbolik. Deutlicher als beim Monitorständer um 1.000 US-Dollar kann man das "Upselling" als Konstante im Apple-Universum eben kaum mehr darstellen - da hilft es wenig, dass sich dieses Produkt praktisch gar nicht an den Durchschnitts-Apple-Nutzer wendet. Dennoch sehr wahrscheinlich, dass sich die schicke und teure Apple-Welt wie gewohnt weiter drehen wird.

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Autor: Alexander Fagot,  5.06.2019 (Update:  5.06.2019)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Editor
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.