MS-DOS lebt weiter: DR DOS bringt neues Update

In den 1970er-Jahren war der Markt für Betriebssysteme deutlich weniger vielfältig als heute. Es gab weder Android noch Windows oder Linux. CP/M erschien 1974 und verkaufte sich bis Ende 1981 über 250.000 Mal. Im selben Jahr betrat Microsoft mit MS-DOS den Markt, das zunächst parallel zu IBMs Lizenzversion PC-DOS entwickelt wurde. 1988 kam DR-DOS auf den Markt und wird bis heute weiterentwickelt, obwohl die Technologielandschaft inzwischen von KI, Kryptografie, modernen Grafikschnittstellen und vielem mehr geprägt ist.
Die erste DR-DOS-Version trug die Bezeichnung 3.31, angelehnt an die damals aktuelle MS-DOS-Version. 1990 wurde DR-DOS mit Version 5.0 erstmals im Einzelhandel angeboten und entwickelte sich schnell zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten von MS-DOS. Nach mehreren Eigentümerwechseln gelangte das System 2022 in den Besitz der Whitehorn Ltd. Co. und wird seither regelmäßig aktualisiert.
Die neueste Version, 9.0 Revision 648, erschien letzten Samstag. Die erste Version 9.0 von DR DOS wurde vollständig neu entwickelt und bietet mehrere einzigartige Funktionen, die sie besonders für Entwickler, Hacker und Fans von Retro-Computing interessant machen. Das System verzichtet vollständig auf Legacy-Code und wurde komplett in Assemblersprache neu implementiert.
Neben den bekannten Befehlen wie DIR, CD, COPY und MOVE enthält DR DOS 9.0 einen vollwertigen Editor mit Farbanzeige, Tastenkombinationen und Zwischenablageunterstützung, sowie HEXDUMP zum Debuggen. Hinzu kommen die Befehle PEEK, POKE und JMP, die direkte Speicherzugriffe und Codeausführung ermöglichen. Die DOS-Implementierung von Microsoft bot in dieser Form keine vergleichbaren Funktionen.
DR DOS ist zwar kostenlos, jedoch nicht Open Source. Es benötigt einen Intel-386-Prozessor oder höher, mindestens 2 MB Arbeitsspeicher, eine VGA-kompatible Grafikkarte, ein FAT12/16-Dateisystem sowie ein BIOS mit LBA-/CHS-Adressierung. Selbstverständlich läuft es auch in virtuellen Maschinen wie QEMU, VirtualBox oder VMware.
Wer hingegen einen günstigen Rechner sucht, der Windows 11 ausführen und DR DOS in einer virtuellen Umgebung testen kann, findet den generalüberholten Lenovo ThinkCentre M910q auf Amazon für 165 Euro. Der Mini-PC verfügt über 8 GB Arbeitsspeicher und eine 256-GB-SSD und wird von einem Intel Core i5-6500T Prozessor angetrieben.











