Noctua untersucht, ob sich Kühltechnik für Computersysteme mit hoher Leistungsdichte auch in Desktop-PCs und Workstations einsetzen lässt. Dazu arbeitet der österreichische Kühlspezialist mit Forced Physics DCT zusammen. Ziel ist es, dessen Mikrokanaltechnik JouleForce für Desktop-Hardware nutzbar zu machen, ohne dass ein PC dabei so laut wie eine Industriemaschine wird.
Auf den ersten Blick ähnelt JouleForce einem herkömmlichen Luftkühler. Die Luft strömt jedoch nicht an großen Metalllamellen vorbei, sondern durch Tausende eng angeordnete, winzige Kanäle. Dadurch kommt sie stärker mit den Kanalwänden in Kontakt und kann Wärme effizienter abführen. Laut Forced Physics verhindert die Konstruktion, dass sich die isolierende Schicht langsam strömender Luft an der Kühlfläche vollständig ausbildet. Nach Angaben des Unternehmens lassen sich so allein mit Luft mehr als 2.000 Watt Wärme abführen, ohne Flüssigkeitskühlung.
Die engen Kanäle haben allerdings einen Nachteil: Um Luft hindurchzubewegen, ist deutlich mehr Druck nötig, als ein gewöhnlicher PC-Lüfter erzeugen kann. Bisherige JouleForce-Systeme verwenden dafür Industriegebläse, schnell drehende Radiallüfter oder sogar Vakuumpumpen. Für einen PC am Schreibtisch wären sie zu laut.
Hier setzt Noctuas Arbeit an. Gemeinsam mit Forced Physics will das Unternehmen entweder den benötigten Druck senken oder ihn auf eine für Desktop-PCs praktikable und leise Weise erzeugen. Auch die Abdichtung ist eine Herausforderung: Bei hohem Druck können schon kleine Spalten dazu führen, dass Luft an den Kanälen vorbeiströmt.
Bislang handelt es sich um ein reines Forschungsprojekt. Noctua und Forced Physics haben weder ein Produkt noch einen Veröffentlichungstermin angekündigt und sprechen von einer langfristigen Zusammenarbeit. Falls sich die Druck- und Geräuschprobleme lösen lassen, könnte daraus ein Luftkühler entstehen, der Wärmelasten bewältigt, für die derzeit deutlich aufwendigere Kühlsysteme nötig sind.









