Oura: Sammelklage stellt 95% Genauigkeit beim Schlaftracking infrage

Der Smart-Ring-Hersteller Oura steckt in Schwierigkeiten. Eine geplante Sammelklage wirft dem Unternehmen vor, Käufer über die Genauigkeit getäuscht zu haben, mit der seine Geräte den Schlaf erfassen. Die Klage wurde am 20. August von der Clarkson Law Firm beim US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien eingereicht. In der Klage widerspricht der Kläger den Werbeaussagen, wonach Oura-Ringe (derzeit auch bei Amazon zu haben) Phasen des Wachseins sowie leichten, tiefen und REM-Schlafs präzise bestimmen können.
Konkret geht es um die Behauptung des Unternehmens, eine Genauigkeit von 95 Prozent bei der Bestimmung der Schlafphasen zu erreichen. Das Argument beruht im Kern auf physiologischen Grundlagen: Schlafphasen werden anhand der elektrischen Aktivität des Gehirns, der Augenbewegungen und des Muskeltonus definiert – nichts davon kann ein am Finger getragener Sensor direkt erfassen.
Stattdessen leitet der Algorithmus von Oura die Schlafphasen aus indirekten Signalen wie Herzfrequenz, Temperatur und Bewegung ab. Die Klage verweist auf eine Studie aus dem Jahr 2025, die zu dem Ergebnis kam, dass die Genauigkeit des Rings eher bei rund 53 Prozent liegt und damit deutlich unter dem beworbenen Wert. Die KI-gestützten Schätzungen werden in der Klage als kaum besser als bloßes Raten dargestellt.
Oura hat sich gegen die Vorwürfe gewehrt und gegenüber MobiHealthNews erklärt, man stehe „hinter seiner Wissenschaft“. Das Unternehmen verweist dabei auf von Fachleuten begutachtete Validierungen durch unabhängige Dritte, bei denen die Ergebnisse mit der Polysomnografie verglichen wurden, die als klinischer Goldstandard für die Schlafmessung gilt.
Oura betont außerdem, dass der Ring nicht als Medizinprodukt vermarktet werde. Dennoch fordert die Klage Schadenersatz, Rückerstattungen und Änderungen an den Marketingpraktiken von Oura. Damit wirft der Fall auch grundsätzlichere Fragen darüber auf, wie Hersteller von Wearables die Genauigkeitsangaben ihrer Produkte belegen. Solche Angaben können schließlich reale gesundheitliche Entscheidungen beeinflussen – sowohl positiv als auch negativ.










