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Overwatch-Schöpfer Jeff Kaplan erklärt seinen Blizzard-Ausstieg: „Wir werden 1.000 Leute entlassen – und das wird auf dich zurückfallen“

Jeff Kaplan im Lex Fridman Podcast.
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Jeff Kaplan im Lex Fridman Podcast.
Der Overwatch-Schöpfer Jeff Kaplan hat in einem aktuellen Podcast mit Lex Fridman einige der Gründe genannt, die vor rund fünf Jahren zu seinem Weggang von Blizzard führten.

Jeff Kaplan, der seit dem Start von Overwatch im März 2016 als das Gesicht des Spiels galt, hat sich nun offen zu den Gründen für seinen Abschied von Activision Blizzard im Jahr 2021 geäußert. Auslöser war laut Kaplan ein direktes Treffen mit dem damaligen CFO des Unternehmens, das letztlich zu seinem vollständigen Ausstieg bei Blizzard führte.

Wer Overwatch in seiner Hochphase gespielt hat, erinnert sich vermutlich an Jeff Kaplan als das öffentliche Gesicht des Spiels. Er informierte regelmäßig über neue Entwicklungen, kommende Helden und Updates. In einem aktuellen Interview im Podcast von Lex Fridman sprach Kaplan nun darüber, wie der wachsende Hype um die Overwatch League seiner Ansicht nach die ursprüngliche Identität des Spiels zunehmend aus dem Gleichgewicht gebracht habe.

Kaplan erklärte, dass die Probleme aus seiner Sicht mit dem Start der Overwatch League im Jahr 2017 begannen. Der Hype sei damals riesig gewesen. Er sagte dazu: „Der Punkt, an dem es uns entglitten ist, war die enorme Begeisterung für die Overwatch League. Eigentlich sogar zu viel. Gegenüber den Käufern der Teams wurde sie massiv vermarktet. Man ging mit einer Präsentation auf Roadshow – und in so eine Präsentation kann man alles hineinpacken und praktisch alles verkaufen – und am Ende wurde ihnen die Vorstellung verkauft, dass die Overwatch League eines Tages populärer sein würde als die NFL.“

Diese weitreichenden Versprechen gegenüber Investoren begannen laut Kaplan schon bald, die eigentliche Entwicklung von Overwatch zu beeinträchtigen. Das Team musste sich zunehmend mit Spectator-Tools, Twitch-Integration und Team-Skins befassen, anstatt wie zuvor an neuen Helden, Karten oder Events zu arbeiten.

Kaplan erklärte weiter: „Und damit wurden im Grunde alle Pläne für neue Overwatch-Inhalte über den Haufen geworfen. Man arbeitete nicht mehr an neuen Events für die Spielwelt, konzentrierte sich nicht auf Overwatch 2 – im Grunde trat man nur noch auf der Stelle.“

Wie zu erwarten war, erreichten Live-Events und Pay-per-View-Tickets der Overwatch League nie Verkaufszahlen, die sich mit Ligen wie der NBA oder NFL hätten messen können. Das setzte die Entwickler zusätzlich unter Druck. Zwar half der Verkauf von Merchandise dabei, einen Teil der Einnahmen zu sichern, doch letztlich reichte das nicht aus, um die Erwartungen der Investoren und die zuvor gemachten Versprechen zu erfüllen.

Jeff Kaplan sagte weiter: „Ursprünglich basierte das Geschäftsmodell darauf, Live-Events zu veranstalten – mit hohen Ticketeinnahmen, Merchandise-Verkäufen und allem, was dazugehört. Ich glaube, ziemlich schnell wurde allen klar, dass reine Vor-Ort-Events nicht funktionieren, wenn man ein Team aus London und eines aus Shanghai hat … wie soll das überhaupt klappen? Das ist dann sehr schnell auseinandergebrochen.“

Der endgültige Wendepunkt war laut Kaplan ein Treffen, das ihn bis heute beschäftigt. Er wurde ins Büro des CFO gerufen und dort mit einem Ultimatum konfrontiert: Die Umsatzziele für 2020 – später auf 2021 verschoben – müssten erreicht werden. Andernfalls würden 1.000 Mitarbeiter entlassen und die Verantwortung dafür würde bei ihm liegen.

Jeff Kaplan schilderte die Situation ausführlich und sagte dazu:

„Was mich und meine Karriere bei Blizzard letztlich gebrochen hat, war ein Treffen im Büro des CFO. Er bat mich, mich zu setzen, und nannte mir ein Datum – damals war es 2020, später wurde es auf 2021 verschoben, aber zu diesem Zeitpunkt war es noch 2020. Er sagte: ‚Overwatch muss im Jahr 2020 [geschwärzt] einbringen, und danach jedes Jahr wiederkehrende Einnahmen von [geschwärzt] erzielen.‘ Dann sagte er zu mir: ‚Wenn das nicht erreicht wird, werden wir 1.000 Leute entlassen – und das wird auf dich zurückfallen.‘ Das war der größte ‚F*ck-you‘-Moment meiner Karriere. Es fühlte sich surreal an, überhaupt in so einer Situation zu sein.“

Kaplan hatte eigentlich gehofft, seine Karriere vollständig bei Blizzard zu verbringen und dort später in den Ruhestand zu gehen. Doch dazu kam es nicht: Am 20. April 2021 verließ er das Unternehmen, kurz vor dem Release von Overwatch 2.

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-03 > Overwatch-Schöpfer Jeff Kaplan erklärt seinen Blizzard-Ausstieg: „Wir werden 1.000 Leute entlassen – und das wird auf dich zurückfallen“
Autor: Rahim Amir Noorali, 14.03.2026 (Update: 14.03.2026)