Ring vernichtet Cloud-Schlüssel: Amazon-Tochter kassiert 4 Euro extra für neue Kamera-KI

Ring rüstet bei seiner Kamera-Überwachung gleich doppelt mächtig auf: Mehr Datenschutz durch radikale Schlüsselvernichtung und weniger Benachrichtigungs-Spam durch neue KI. Beides hat allerdings einen Haken: Die smarten KI-Funktionen gibt es bei Ring nicht gratis, sondern nur gegen Aufpreis. Der Smart-Home-Anbieter rollt ab heute weltweit schrittweise den neuen Verschlüsselungsstandard Take sowie die neuen Funktionen aus.
TAKE (Throw Away the Key Encryption) verschlüsselt Cloud-Videos mit einzigartigen, rotierenden Schlüsseln. Eine Kopie liegt nur temporär in einer isolierten Cloud-Enklave. Ring darf sie ausschließlich für die KI-Funktionen nutzen, die auf dem Konto aktiv sind, und löscht den Schlüssel danach. Ab dann liegen die Schlüssel laut Ring nur noch auf den Geräten der Kontoinhaber und autorisierter Nutzer. Einen "völlig neuen Branchenstandard" nennt das bisher nur das Unternehmen selbst.
Bisher steckten Nutzer in einem Dilemma: volle Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) ohne smarte Cloud-Funktionen oder weitreichender Cloud-Zugriff auf das Videomaterial. TAKE soll dazwischenliegen. Amazon spricht von einem "hochsicheren Mittelweg": Das Video liegt verschlüsselt in der Cloud, Algorithmen wie Video Descriptions oder Smart Alerts bekommen den Schlüssel nur kurz über die Enklave. Ring vergleicht das mit einem Schlüsseldienst, der das Schloss tauscht, den Hauptschlüssel übergibt und selbst keinen Ersatz behält. E2EE bleibt optional, schließt Cloud-Analysen dann aber weiter aus.
Parallel zum Sicherheits-Update rüstet Ring seine App mit neuen KI-Funktionen auf. Das Feature Video Descriptions generiert kurze, präzise Textbeschreibungen direkt in der Push-Nachricht. Der Nutzer liest auf dem Sperrbildschirm sofort Sätze wie "Ein Hund zerreißt Papiertücher", ohne die App öffnen zu müssen. Gegen den Spam durch Dauerwarnungen führt Ring den Single Event Alert ein. Mäht der Gärtner eine halbe Stunde lang den Rasen, bündelt die KI diese zusammenhängende Aktion in einer einzigen Warnung, statt dutzende Einzelmeldungen abzufeuern. Ring löst damit genau das Problem, das smarte Kameras in den letzten Jahren selbst erschaffen haben: eine massive Alarmflut mit zu wenig relevanter Information.
Der große Haken für die Nutzer versteckt sich im neuen Bezahlmodell. Ring baut seine Ring-Protect-Abos um und bittet für die smarten Features ab sofort kräftig zur Kasse. Die Basis-Abos bleiben bestehen: Ring Solo kostet 3,99 Euro pro Monat, Ring Multi 9,99 Euro und Ring Pro 19,99 Euro. Wer jedoch die neuen KI-Features wie Video Descriptions oder den Single Event Alert nutzen will, muss zwingend die neue Zusatzoption Pro Intelligence buchen. Diese kostet 4 Euro im Monat - und zwar separat pro Kamera. Wer zusätzlich eine 24/7-Daueraufzeichnung wünscht, zahlt weitere 3 Euro pro Gerät.
Mit diesem modularen Modell versucht die Amazon-Tochter, zwei gegensätzliche Welten zu vereinen: Die Kameras sollen durch Cloud-KI immer intelligenter werden, während die privaten Aufnahmen durch Take stärker unter der Kontrolle der Nutzer bleiben. Gleichzeitig wird aus einer einzelnen smarten Kamera durch die neue KI-Paywall schnell ein deutlich teureres Abo-Grab. Der weltweite Rollout von Take, den neuen KI-Funktionen und der aktualisierten Abo-Struktur startet ab sofort schrittweise.












