Studie: Balkonkraftwerk lohnt sich fast immer – bei Speichern ist es komplizierter

Anker hat eigene Nutzungsdaten aus Deutschland ausgewertet und kommt zu einem klaren Ergebnis: Balkonkraftwerke und Mini-PV-Systeme können Haushalte im Hinblick auf die Stromkosten deutlich entlasten. Während der Nutzen der Solaranlagen selbst recht eindeutig ausfällt, sieht es bei zusätzlichen Batteriespeichern anders aus. Grundlage der Auswertung ist laut Anker eine zufällige Stichprobe von rund 230.000 Haushalten in Deutschland aus dem Jahr 2025. Die Daten stammen aus Systemen von Nutzern, die der Verarbeitung zugestimmt hatten. Das vollständige Whitepaper mit dem Titel „Vom Balkonkraftwerk zum Energiesystem“ ist allerdings nicht frei verfügbar, sondern nur auf Anfrage erhältlich.
Die Kernaussage fällt beim reinen Balkonkraftwerk eindeutig aus: Es bietet fast immer einen wirtschaftlichen Nutzen. Golem berichtet auf Basis des Whitepapers, dass eine auf 800 Watt Wechselrichterleistung begrenzte Anlage im Durchschnitt fast 900 kWh pro Jahr erzeugen kann. Eine häufige Konfiguration mit bis zu 2.000 Watt Modulleistung über vier Panels soll sogar mehr als 1.200 kWh liefern. Im Durchschnitt werden davon rund 40 Prozent direkt im Haushalt verbraucht.
Bei einem Strompreis von 30 Cent würde sich ein 500-Euro-Balkonkraftwerk (etwa die Stecker-PV-Anlage von Solarway mit 2.000 Watt Modulleistung für rund 550 Euro bei Amazon) in etwa drei Jahren amortisieren und danach theoretisch um die 150 Euro Gewinn pro Jahr einbringen, was je nach Haushalt durchaus zwei Stromrechnungen entsprechen könnte. In der Praxis hängen Ertrag und Ersparnis natürlich stark vom tatsächlichen Strompreis, Ausrichtung, Verschattung und Grundlast ab. Zu berücksichtigen ist auch: Ein Balkonkraftwerk ist keine völlig risikofreie Anschaffung. Schäden durch Sturm, Vandalismus oder Montagefehler sind zwar kein Alltagsszenario, liegen aber durchaus im Bereich des Möglichen. Daher lohnt es sich, vor der Anschaffung zu prüfen, ob die eigene Hausrat- oder Wohngebäudeversicherungen solche Fälle bereits abdeckt oder das Balkonkraftwerk ausdrücklich in den Vertrag aufgenommen werden muss, was entsprechend in die Rechnung einzukalkulieren wäre.
Bei Balkonkraftwerkspeichern ist es komplizierter
Auch Balkonkraftwerkspeicher stellt Anker positiv dar. Laut Pressemitteilung erzeugten die ausgewerteten Systeme 2025 insgesamt 206 Millionen kWh Solarstrom, von denen 83 Prozent direkt im Haushalt genutzt worden seien. Die gesamte Stromkostenersparnis beziffert das Unternehmen auf 65 Millionen Euro, pro Haushalt sollen im Schnitt 270 bis 360 Euro im Jahr drin sein. Anker legt allerdings nicht offen, wie groß ein Speicher sein muss, um diese Ergebnisse zu erzielen.
Große Systeme wie die Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro, die mit Zusatzbatterie auf 5.376 Wh Speicherkapazität kommt, kosten mit 2.000 Watt Modulleistung um die 2.000 Euro. Dieser Kostenanstieg führt zu einer deutlich längeren Amortisationszeit. Anker spricht hier zwar von 5 Jahren, kalkuliert aber mit einem Strompreis von 40 Cent pro kWh. Bei geringeren Preisen könnte es auch deutlich länger dauern, bis das Balkonkraftwerk seine Kosten wieder eingespielt hat. Dazu kommt ein weiterer Punkt: Solarpanels haben meist rund 25 Jahre Garantie, Akkus oft nur etwa 10 Jahre. Dadurch wird ein Balkonkraftwerk mit Speicherlösung zu einer deutlich spekulativen Investition, die sich erst auf lange Sicht und nur unter guten Bedingungen bezahlt macht.







