Translunar Injection geglückt: Artemis II auf Mondkurs

Nach über fünf Jahrzehnten ist die Menschheit wieder auf dem Weg zu ihrem silbernen Nachbarn. Mit einem gewaltigen Donnern hob die Artemis-II-Mission vom Kennedy Space Center in Florida ab und brachte vier Pioniere in die Unendlichkeit des Weltraums. An Bord der Orion-Kapsel befinden sich Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover sowie die Missionsspezialisten Christina Koch und Jeremy Hansen. Doch bevor es in den Himmel ging, erledigte die Crew noch ein kurioses Ritual. In einer langen Tradition spielten die Astronauten Karten, bis der Kommandant verliert. Damit für die eigentliche Mission nur noch Glück übrig bleibt, soll dieses Spiel das Unglück des Kommandeurs erschöpfen.


In Huston und im Orbit um die Erde hielten sicher so einige den Atem an, als die Besatzung der Artemis II kurz vor ihrem wichtigsten Manöver mit einer unerwarteten Warnmeldung konfrontiert wurde. Nur wenige Augenblicke bevor das Triebwerk für den Kurswechsel gezündet werden sollte, gab der Bordcomputer einen Alarm aus, der auf ein mögliches Leck in der Kabine hindeutete. In einem Raumschiff, das in der lebensfeindlichen Umgebung des Weltraums operiert, ist eine solche Meldung potenziell kritisch. Die Astronauten und das Kontrollzentrum in Houston reagierten jedoch mit professioneller Ruhe. Nach einer schnellen Überprüfung aller Systemwerte stellte sich heraus, dass sämtliche Drücke und Temperaturen in der Kabine nominal waren. Da keine tatsächliche Gefahr bestand, wurde die Entscheidung getroffen, den Mondflug unverändert fortzusetzen.
Kurz darauf erfolgte die erfolgreich abgeschlossene Translunar Injection. Bei diesem Manöver wird das Raumschiff aus seinem Erdorbit beschleunigt, um genügend Geschwindigkeit aufzunehmen, damit es die Anziehungskraft der Erde überwindet und auf eine Flugbahn zum Mond einschwenkt. Für den nötigen Schub sorgte dabei das Servicemodul der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Ganze 5 Minuten lang arbeitete das Triebwerk und lieferte 26,7 Kilonewton (kN) Schubkraft. Die würde ein SUV in 2,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Die vier Astronauten befinden sich nun in der Ruhephase ihrer Reise und steuern auf den Mond zu, wobei sie voraussichtlich neue Rekorde bezüglich der Entfernung zur Erde aufstellen werden. Die gesamte Mission ist auf zehn Tage angesetzt, wobei die Welt nun gespannt darauf wartet, dass die Besatzung ohne weitere technische Überraschungen ihr Ziel erreicht und sicher zur Erde zurückkehrt. Die NASA bietet einen Live-Stream der gesamten Reise via YouTube an. Hier meldet sich auch gelegentlich die CAPCOM der Mission Jenni Gibbons zu Wort. Sie ist die Verbindungssprecherin zwischen den Astronauten im All und der Bodenstation und war als Ersatz für den Kanadier Jeremy Hansen gesetzt. Im Falle eines Kommunikationsausfalles vertritt sie die Interessen der Crew auf der Erde.




