US-Politiker will echten digitalen Spielbesitz ermöglichen – geht das überhaupt?

Ob man digitale Spiele nach dem Kauf nur besitzt oder vielmehr so lange ausleiht, bis der Publisher die Server abdreht, ist spätestens seit Sonys Ankündigung zum Ende der physischen Spiele eines der am meisten diskutierten Themen unter Gamern. Der demokratische US-Kongressabgeordnete Ritchie Torres stellt sich mit dem sogenannten „Power To The Players Act“ auf die Seite der Spieler. Wie aus einer offiziellen Pressemitteilung vom 15. Oktober hervorgeht, will der Politiker Gamern mit diesem Gesetzesentwurf dazu verhelfen, digitale Spiele wirklich zu besitzen.
Anlass für den Gesetzesentwurf gab Torres offenbar EAs Basketballspiel NBA 2K25. Der Titel soll am 30. Oktober 2026 aus den digitalen Stores verschwinden. Einen Tag später sollen dann die Online-Server abgeschaltet werden, wodurch wesentliche Funktionen des Spiels nicht mehr verfügbar sein werden. Angesichts des ursprünglichen Preises von rund 70 Euro für die digitale Standard-Edition hält Torres das für nicht hinnehmbar.

Der „Power To The Players Act“ soll gesetzlich sicherstellen, dass Käufer digitaler Spiele nicht nur eine jederzeit widerrufbare Nutzungslizenz erhalten, sondern dauerhafte Nutzungsrechte an ihren Spielen bekommen. Der wichtigste Punkt ist eine Offline-Pflicht. Publisher sollen sicherstellen müssen, dass ihre Spiele auch nach der Abschaltung der Online-Server weiterhin spielbar bleiben. Dazu gehört auch die Möglichkeit, digital erworbene Titel weiterzuverkaufen oder an andere Personen zu übertragen. Die Federal Trade Commission (FTC) soll mit der Ausarbeitung entsprechender Verbraucherschutzvorschriften beauftragt werden.
Doch es gibt einige Hürden
Wenngleich der Vorschlag für Gamer interessant klingen dürfte, könnte sich die Umsetzung auf mehreren Ebenen schwierig gestalten. Auf der technischen Seite wäre da vor allem die geplante Offline-Pflicht zu nennen. Das mag bei Singleplayer-Titeln vergleichsweise einfach sein, könnte bei reinen Multiplayer-Spielen aber deutlich schwieriger werden. Schließlich sind diese darauf ausgelegt, dass mehrere Spieler über einen Server miteinander verbunden sind. Ohne diesen funktionieren viele Spielmechaniken nicht mehr. Entwickler müssten ihre Spiele vermutlich grundlegend umbauen oder Möglichkeiten schaffen, eigene Server zu betreiben.
Auch der geplante Weiterverkauf digitaler Spiele wirft Fragen auf. Plattformen wie Steam oder Epic Games könnten dafür eine Funktion einführen, mit der sich gekaufte Spiele an andere Nutzer übertragen lassen. Dabei müsste die Lizenz beim ursprünglichen Besitzer deaktiviert und dem neuen Eigentümer zugewiesen werden. Schwieriger wäre das bei DRM-freien Spielen, wie sie etwa GOG anbietet. Hier ließe sich die Lizenz zwar ebenfalls übertragen, allerdings kaum kontrollieren, ob der Verkäufer seine bereits heruntergeladenen Spieldateien tatsächlich löscht.
Zudem dürften Publisher wenig Interesse an einem digitalen Gebrauchtmarkt haben. Es ist davon auszugehen, dass große Unternehmen wie Electronic Arts oder Ubisoft, die in hohem Maße von dem Verkauf digitaler Spiele profitieren, sich das nicht so einfach gefallen lassen würden. Denkbar wäre etwa, dass sich der Fokus schnell auf Abo-Modelle verlagert, wodurch sich das Problem mit den Eigentumsrechten theoretisch leicht umgehen ließe.
Gamer würden ein solches Gesetz begrüßen, glauben aber nicht an die Umsetzung
Wenig überraschend stehen Gamer auf Reddit der Verabschiedung eines solchen Gesetzes wohlwollend gegenüber. So richtig vorstellen können es sich aber die wenigsten. Viele rechnen mit erheblichem Widerstand aus der Spieleindustrie. Einige werfen Torres zudem vor, mit der Initiative vor allem politische Aufmerksamkeit gewinnen zu wollen. Ob der „Power To The Players Act“ jemals veröffentlicht wird? Wer seine eigene Prognose abgeben möchte, ist in der Kommentarsektion unten herzlich willkommen.















