iPhone Duo: Apple übernimmt sich mit Launch in zu vielen Märkten

Apple hat schon mehrere Produkteinführungen verpatzt. Die Probleme bei den Vorbestellungen des iPhone Duo dürften aber stärker denn je hausgemacht sein. Die Apple-Store-App hat erst einige Minuten nach dem vorgesehenen Start um 14 Uhr deutscher Zeit Bestellungen angenommen.
Gegen 14:02 Uhr wurde für fast alle Konfigurationen bereits eine Lieferung Anfang November angezeigt, mehr als eine Woche nach dem Verkaufsstart am 23. Oktober. Anschließend sind die Liefertermine auf Mitte November, Ende November, Dezember und schließlich Ende Januar gerutscht.
Apples Planung für den Launch des iPhone Duo
Laut Mark Gurman von Bloomberg hat Apple gewusst, dass die verfügbaren Stückzahlen äußerst knapp ausfallen würden. Trotzdem hat das Unternehmen sein erstes faltbares Smartphone auf den Markt gebracht, offenbar um möglichst früh im ersten Geschäftsquartal mit dem Verkauf zu beginnen. Apple hat zudem nicht mitgeteilt, ob und wie viele Geräte am ersten Verkaufstag ohne Vorbestellung in den Geschäften erhältlich sein werden.
Ursprünglich hat Apple laut Gurman einen Verkaufsstart ausschließlich in den USA und China geplant. Letztlich ist das iPhone Duo jedoch in mehr als 70 Ländern gleichzeitig gestartet. Das hat die Lage erheblich verschärft, weil die geringen Stückzahlen aus den ersten Produktionschargen auf zahlreiche Märkte verteilt worden sind. Bei einer Beschränkung auf die beiden größten und öffentlichkeitswirksamsten Märkte hätten Käufer dort zumindest eine realistische Chance auf ein Gerät gehabt. Dass Apples neuer CEO Ternus die Lage damit erheblich falsch eingeschätzt hat, lässt sich kaum bestreiten.
In einem kürzlich geführten Interview hat Ternus berichtet, wie er dem Entwicklungsteam geraten habe, sich Zeit zu nehmen, statt ein lediglich ausreichendes Produkt zu veröffentlichen. Daraus ist das Nanotextur-Material für das Display entstanden, das sich wie eine Schutzfolie austauschen lässt, wenn sich die Falte mit der Zeit stärker verformt und deutlicher sichtbar wird. "Ihr werdet merken, wann es richtig ist", hat er dem Team gesagt. Beim tatsächlichen Verkaufsstart ist offenbar weniger sorgfältig geplant worden.
Lieferzeiten des iPhone Duo
Wer die ersten Minuten nach Beginn der Vorbestellungen verpasst hat, muss nun mehr als drei Monate auf ein derart teures Smartphone warten. Auch der Zeitpunkt ist ungünstig. Bei einer Lieferung Ende Januar ist bereits rund ein Viertel der Zeit bis zum erwarteten iPhone Duo 2 verstrichen. Für ein Gerät mit einem Einstiegspreis von 2.299 Euro ist das eine lange Wartezeit, zumal bereits ein besserer Nachfolger in Aussicht steht.
Vergleichbare Probleme hat es bei Apple schon früher gegeben. Das iPhone X, das erste Modell mit Notch, ist wegen Schwierigkeiten bei der Produktion der OLED-Displays und der Face-ID-Technik mit wochenlangen Verzögerungen ausgeliefert worden und im November 2017 ausverkauft gewesen. Die auf der Bühne angekündigte AirPower-Ladematte ist aufgrund technischer Schwierigkeiten beim versprochenen kabellosen Laden nie erschienen. Auch der HomePod hat sein ursprüngliches Veröffentlichungsfenster verpasst. Beim iPhone 4 hat Apple auf das als Antennagate bekannte Empfangsproblem mit einer kostenlosen Bumper-Hülle reagiert.
Dabei hat es sich allerdings um Produktprobleme oder Schwierigkeiten gehandelt, die sich erst nach und nach bemerkbar gemacht haben. Eine dreimonatige Wartezeit auf ein neues iPhone, dessen Fertigungsprobleme bereits gelöst sind, ist dagegen praktisch beispiellos. Das gilt umso mehr für ein Unternehmen, das seine hervorragende Kontrolle über die Lieferkette unter CEO Tim Cook als eine seiner zentralen Stärken dargestellt hat.
Laut Gurman könnte Apple nun darauf setzen, dass die fehlende Verfügbarkeit des Duo einige Interessenten zum iPhone 18 Pro oder Pro Max greifen lässt. Im Vergleich zum Duo wirken diese etwa halb so teuer, und inzwischen treffen auch bei Amazon nach und nach Geräte ein. Wer sich wegen des faltbaren iPhones für einen Kauf interessiert, entscheidet sich womöglich am Ende für ein reguläres Pro-Modell. Das könnte die Verkaufszahlen im ersten Geschäftsquartal stützen, während zugleich ein großer Teil der noch unbefriedigten Nachfrage nach Apples erstem faltbaren Smartphone ins nächste Jahr übergeht.








