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AMD A8-3850 - Der schnellste Desktop Llano im Test

Klaus Hinum , 20.07.2011

Fusion for the People. Mit der Kombination einer schnellen HD 6000 Grafikkarte und einem Athlon II ähnlichen Quad-Core Prozessor möchte AMD das Einstiegssegment aufmischen. Wie sich die Kombination im Vergleich zu aktuellen Sandy Bridge Prozessoren schlägt, erfahren Sie in folgendem Testbericht.

AMD A8-3850 Desktop im Test
AMD A8-3850 Desktop im Test

Llano Architektur

Der A8-3850 ist die schnellste Variante der Llano genannten APUs (Accelerated Processing Unit) und kombiniert einen Quad-Core Prozessor, Grafikkarte, Speichercontroller und Northbridge auf einem Chip. Die Prozessorkerne sind mit den Desktop Athlon II Prozessoren verwandt und gehören daher auch noch zur alten K10 Generation. Im Vergleich zu den Desktop Athlon II kann jeder Kern jedoch auf 1 MB Level 2 Cache zugreifen. Einen Level 3 Cache wie die schnelleren Desktop Phenom II Prozessoren, bietet die A-Serie jedoch nicht. Daher darf man sich von dem Prozessorteil keine großen Wunder erwarten.

Im Vergleich zu den Intel Sandy Bridge Prozessoren, setzt AMD daher den Schwerpunkt eindeutig auf die Grafikkarte. Die integrierte Radeon Grafikkarte bietet 400 DirectX 11 Shaderkerne wie die Mobility Radeon HD 5650. Weiters ist bereits der neue UVD 3 Videodecoder integriert.

Der integrierte Speicherkontroller unterstützt bei den Desktop Modellen bis zu DDR3-1866. Da sich der Prozessor den Hauptspeicher mit der Prozessorgrafikkarte teilen muss (und kein gemeinsamer Level 3 Cache zur Verfügung steht), profitiert die Llano APU enorm von schnellem Hauptspeicher.

Beim AMD A8-3850 sind alle vier Prozessorkerne aktiviert und mit maximal 2.9 GHz getaktet. Die Turbo Core genannte automatische Übertaktung ist hier nicht aktiv. Die AMD Radeon HD 6550D genannte Prozessorgrafik ist mit 600 MHz getaktet und bietet ebenfalls alle Kerne des Chips (400). Mit einem TDP von 100 Watt eignet sich die APU hauptsächlich für ausgewachsene Desktop Systeme.

Llano Blockdiagramm mit Speicherkontroller, CPU-Kernen mit L2 Cache, Grafikkarte, PCI Express Kontroller
Llano Blockdiagramm mit Speicherkontroller, CPU-Kernen mit L2 Cache, Grafikkarte, PCI Express Kontroller
A75 Chipsatz Blockdiagramm
A75 Chipsatz Blockdiagramm

Unser Testsystem im Überblick:

  • AMD A8-3850 APU 2.9GHz Quad-Core
  • Radeon HD 6550D Prozessorgrafik
  • Gigabyte GA-A75M-UD2H Mainboard
  • Intel SSD 510 Series 250GB SSD

Prozessorleistung

Die “Stars” genannten Kerne des Prozessorteils werden maximal mit 2.9 GHz getaktet und wurden seit dem Desktop Athlon II bzw. Phenom II nur minimal überarbeitet. Dadurch ist die Performance pro MHz und Kern weiterhin vergleichbar mit Core 2 Quad Prozessoren. Aktuelle Sandy Bridge Quad-Core CPUs können bei gleichem Takt deutlich vorbeiziehen und dadurch liegt ein mit 2.5 GHz getakteter Core i3-2100T liegt in etwa auf dem Niveau des A8-3850.

Schwächen zeigt der A8-3850 in unseren Benchmarks vor allem bei den Einzelkernbenchmarks. Der Cinebench R10 Einzelkerntest ist z.B. nur auf dem Niveau eines Core i3-370M Dual-Core Mobilprozessors mit 2.4GHz. SuperPi ist bekannterweise kein AMD Steckenpferd und auch der A8-3850 zeigt sich hier nicht gerade von seiner Glanzseite. Sogar ein Core i5-520UM ULV Mobilprozessor mit 1.06-1.866GHz ist minimal schneller.

Wenn alle 4 Kerne ausgenutzt werden sieht die Performance schon deutlich besser aus. Bei den von uns durchgeführten Benchmarks ist der alte Core 2 Quad Q9550 mit 2.83 GHz oder ein Core i7-840QM mit 1.86-3.2GHz vergleichbar.

Dadurch ist die Prozessorleistung des Topmodells für die meisten Benutzer sicherlich ausreichend. Für alte Software die nur einen Kern belastet, sollte die Taktfrequenz von 2.9 GHz ausreichen. Falls mehr Kerne genutzt werden, kann der A8-3850 durchaus punkten (für das Einstiegssegment wohlgemerkt). Intels Topmodelle liegen zwar in weiter Ferne, werden jedoch nur von Spielern und anspruchsvollen Anwendern benötigt.

Detaillierte Benchmarks und das Ranking der CPU finden Sie in unserer Prozessorbenchmarkliste.

Grafikleistung

Die Grafikleistung der integrierten AMD Radeon HD 6550D erwies sich im Test als sehr gut. Sie kann mühelos die Intel HD Graphics 3000 abhängen und positioniert sich auf dem Niveau einer Nvidia GeForce GT 525M Mittelklasse Notebookgrafikkarte. Dadurch ist sie minimal langsamer als die dedizierte ATI Radeon HD 5570 welche ebenfalls 400 Shader, jedoch höhere Taktraten und einen dedizierten Grafikspeicher mitbringt.

Damit eignet sich die integrierte Grafikkarte bei aktuellen Spielen für die Auflösung 1366x768 und mittleren-hohen Details. Dirt3, Call of Duty: Black Ops und Mafia 2 liefen in unseren Benchmarks mit 37, 39 bzw 34 fps flüssig auf dem Bildschirm. Sehr anspruchsvolle Spiele wie Crysis 2 oder Metro 2033 verlangen jedoch verringerte Details oder Auflösung für die flüssige Wiedergabe

min. mittelhoch max.
Quake 3 Arena - Timedemo (1999) 470fps
Doom 3 (2004) 120fps
Half Life 2 - Lost Coast Benchmark (2005) 143.8fps
Crysis - GPU Benchmark (2007) 287.3fps
Supreme Commander - FA Bench (2007) 35.719fps
GTA IV - Grand Theft Auto (2008) 32fps
Sims 3 (2009) 32fps
Anno 1404 (2009) 24fps
Resident Evil 5 (2009) 41.822.4fps
Risen (2009) 332517fps
Battlefield: Bad Company 2 (2010) 542713fps
Metro 2033 (2010) 4827fps
StarCraft 2 (2010) 392514fps
Mafia 2 (2010) 3832.219.6fps
Fifa 11 (2010) 50fps
Call of Duty: Black Ops (2010) 3923fps
Crysis 2 (2011) 4229218fps
Dirt 3 (2011) 122.455.635.2713fps

Einen Vergleich zu anderen Grafikkarten finden Sie in unserer Benchmarkliste und Spieleliste (Achtung Desktop Grafikkarten müssen angewählt werden).

Da Prozessor und integrierte Grafikkarte ohne Level 3 Cache auskommen müssen, ist die Leistung sehr abhängig von den verwendeten Speichermodulen. Mit schnellen 8GB DDR3-1600 Speicherriegeln konnten wir im Schnitt eine deutlich Verbesserung von 13% in den Grafik- und Speiletests messen. Dadurch empfehlen wir ganz klar den Einsatz von etwas teureren DDR3-1600 Speicherriegeln an der Stelle der üblichen DDR3-1333.

min. mittelhoch max.
Battlefield: Bad Company 2 (2010) 2814fps
Metro 2033 (2010) 31fps
StarCraft 2 (2010) 150493620fps
Mafia 2 (2010) 36.122.1fps
Fifa 11 (2010) 62fps
Crysis 2 (2011) 5134249fps
Dirt 3 (2011) 38.913.2fps

Ein weiteres Feature der neuen Llano APUs ist der Dual-Graphics genannte CrossFire Modus mit der integrierten Grafikkarte und einer ähnlich schnellen dedizierten Grafikkarte. Dieser läuft derzeit nur im DirectX 10 und 11 Modus und zeigt noch sehr viel Potential für Treiberüberarbeitung. 

Rein von den Benchmarkergebnissen kann das Feature durchaus überzeugen. Die CrossFire Skalierung ist im 3DMark 11 aber auch in einigen Spielen wie Dirt 3 oder Battlefield BC 2 sehr gut. Unsere Radeon HD 6550D2 genannte Kombination aus Radeon HD 6550D und 6450 erreichte im im 3DMark 11 ein GPU Teilergebnis von 1121 Punkten (+18% zur integrierten 6620G alleine). Manche Spiele und Anwendungen wurden im Test jedoch sogar langsamer als beim Einsatz der APU alleine (z.B. Mafia 2 Benchmark).

Falls man zu APU Grafik eine stärkere Grafikkarte wie die Radeon HD 6670 steckt, kann Dual Graphics auch das 1:1 Verhältnis an berechneten Bildern zu Gunsten der stärkeren Grafikkarte abändern. Damit rechnet z.b. die dedizierte Grafikkarte 3 Bilder und die integrierte nur eines. Dadurch kann das Microruckler Phänomen von CrossFire Verbunden jedoch noch deutlich stärker zu Tage treten. Siehe hierzu auch den Llano Grafiktest unserer Kollegen von Computerbase.

Insgesamt hinterlässt Dual Graphics also einen gemischten Eindruck. Mit den jetztigen Treiber profitieren nicht alle Anwendungen, es kann zu Leistungseinbußen kommen und man fängt sich unter Umständen das Problem von Microrucklern ein.

Systemperformance

Dank schneller Intel 510er SSD ist die PCMark Vantage Performance des Lynx Testsystems sehr gut und reiht sich bei den schnellsten getesteten Notebooks ein. Vergleichbar ist das Ergebnis z.B. mit den SSD bestückten Alienware M17x R3 mit Core i7-2630QM oder Schenker XMG U700 Ultra mit Core i7-950 Desktop CPU. Im neuen PCMark 7 sind ebenfalls Notebooks mit Core i7-2630QM und SSD auf dem selben Leistungsniveau (z.B. das Alienware M14x). Dies zeigt, dass der schnellste Llano Prozessor die meisten Anwendungsszenarien (Consumer HD Videoschnitt, RAW Photobearbeitung, Videokodierung) gut bewältigen sollte.

Videoleistung

DXVAChecker - DXVA Videobeschleunigung des A8-3850
DXVAChecker - DXVA Videobeschleunigung des A8-3850

Mit der integrierten HD 6000 Grafikkarte haben die Llano APUs auch den UVD3 Video Dekodierer geerbt. Mit dieser dedizierten Einheit kann der Chip HD Videos in den Formaten MPEG2, H.264 (inkl. Flash und H.264 Part 2 für DivX und Xvid) und VC-1 dekodieren.

Im Test zeigte dieser auch die gewohnt gute Performance. Der freie Kurzfilm Big Buck Bunny in 1920x1080 im Format H.264 mit 9.7MBit konnte mit nur 1% CPU Auslastung und 9% GPU Auslastung (laut AMD System Monitor) flüssig abgespielt werden. Mit dem DXVAChecker Benchmark erreichte der Film 87fps und 9% CPU Auslastung. Bei dem VC-1 kodierten Film Magic of Flight erreichte die A8-3860 mit 118fps und 6% Auslastung sogar noch bessere Werte.

Auch Flash Videos kann der UVD3 übernehmen und dies gelang im Test mit einem 1080p Video auf Youtube mit 6 MBit bei etwa 17% CPU und 6% GPU Auslastung flüssig. Selbst 3 Flash Videos (2x 1080p und 1x720p) konnten flüssig mit 43% CPU Auslastung und 32% GPU Auslastung wiedergegeben werden.

Die Bildqualität bei den Videos war im Test ohne Beanstandungen. Auf Anandtech hat man sich jedoch noch näher mit dem UVD3 in den Llano APUs auseinandergesetzt und einige kleinere Treiberprobleme festgestellt die vorallem HTPC Besitzer abschrecken könnten.

Energiebedarf

AMD bewirbt die 32nm Llano Chips mit den deutlich verbesserten Stromsparfunktionen.  Wir haben das Lynx Testsystem deshalb gegen ein Intel Sandy Bridge Testsystem mit i5-2400 Quad-Core und Intel HM65 Chipsatz mit selben Netzteil und SSD antreten lassen. Im Vergleich gewinnt das Intel System bei allen Tests deutlich. Nur im Idle Betrieb kann das Llano System mit 34.5 versus 32.3 Watt gut mithalten. Besonders wenn man eine dedizierte Grafikkarte im Intel System betreibt, kann der A8-3850 überzeugen. Ein Core i7-2600k mit Radeon HD 6450 (GDDR5) benötigt ohne Last ungefähr 52 Watt.

Enttäuschend ist der hohe Stromverbrauch im CPU Test Prime95 wo der A8-3850 nicht nur mehr Strom braucht sondern auch noch deutlich langsamer rechnet. 

Bei den Grafiktests braucht die APU zwar mehr Strom, bietet aber auch deutlich mehr Leistung als die integrierte Intel HD Graphics 2000 im Core i5-2400. Wenn man eine dedizierte HD 6450 dazusteckt um auf die selbe Grafikleistung zu gelangen, bleibt das Intel System nur noch knapp hinter dem A8-3850.

Bei extremer Last von Grafik und Prozessor ist ebenfalls Intel durch den effizienteren Prozessorteil im Vorteil.

Fazit

Das Highlight bei den neuen Llano APUs ist klar die integrierte HD 6000 Grafikkarte. Diese setzt neue Maßstäbe bei Prozessor- und Chipsatz GPUs und ermöglicht dank guter Treiberunterstützung auch das ein oder andere aktuelle Spielchen. Die meisten aktuellen Spiele können in 1366x768 und mittlerer Detailstufe flüssig gespielt werden. Intel’s Sandy Bridge Grafik sieht hier im Vergleich alt aus.

Auch der Quad-Core Prozessor sollte für die meisten Anwendungen genug Leistung zur Verfügung stellen. Bei Effizienz und Leistung im Vergleich zur aktuellen Intel Konkurrenz kann der CPU Teil aber nicht wirklich überzeugen.

Der integrierte UVD 3 Videoprozessor ist dem Intel Pendant in Punkto Leistungsumfang deutlich überlegen. Intel’s Quick Sync zur schnellen Umwandlung von Videos wird von AMD mit OpenCL gekonntert, aber noch nicht erreicht.

Das Gesamtpaket kann also im Einsteigersegment durchaus überzeugen. Wichtig ist jedoch das es sich preislich von den stärkeren Kombinationen absetzen kann. Eine Kombination aus günstigem Prozessor (Core i3 oder Phenom II) und Mittelklassegrafikkarte kann die Llano APU in jedem Benchmark abhängen und ist derzeit nicht viel teurer. Für High-End Gaming Rechner mit starker Grafikkarte eignet sich der A8-3850 ebenfalls nicht sehr gut, da der CPU Teil hier schon limitieren kann. Hier möchte aber AMD demnächst mit Bulldozer mitspielen. Es bleibt spannend …

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Autor: Klaus Hinum (Update:  6.06.2013)