Angesichts der enormen Leistungssteigerungen bei Hardware in den vergangenen 20 Jahren könnte man erwarten, dass Windows XP auf moderner 64-Bit-Hardware das schlankste und schnellste Betriebssystem ist. YouTuber TrigrZolt hat alle Windows-Versionen ab XP miteinander verglichen – mit teils überraschenden Ergebnissen.
Alle Windows-Versionen wurden vollständig aktualisiert und auf derselben Hardware getestet: einem Lenovo ThinkPad X220 mit Intel Core i5-2520M, 8 GB RAM, Intel HD Graphics 3000 und einer 256-GB-Festplatte. Kein besonders schnelles oder modernes System, aber notwendig, um die Kompatibilität mit dem betagten Windows XP sicherzustellen.
Den Startzeit-Test gewann Windows 8.1 mit deutlichem Vorsprung. Ausschlaggebend dürfte hier die Einführung von „Fast Boot“ sein, bei dem der Inhalt des Arbeitsspeichers auf die Festplatte geschrieben und beim nächsten Start wieder geladen wird, um den Bootvorgang zu beschleunigen.
Der Vorsprung fiel deutlich aus, was auch daran liegen dürfte, dass Windows 8.1 im Vergleich zu anderen Betriebssystemen mit Fast Boot relativ wenige Ressourcen laden muss. Während Windows Vista und Windows 7 aufgrund des fehlenden Fast Boot deutlich länger benötigten, landete Windows 11 überraschenderweise auf dem letzten Platz. Trotz eines relativ schnellen Desktop-Ladevorgangs wurde die Taskleiste nicht korrekt geladen.
Beim Speicherplatzbedarf belegte Windows 7 den Spitzenplatz mit dem höchsten Verbrauch, während Windows XP wenig überraschend den geringsten Speicher beanspruchte. Auffällig: Windows 8.1 schnitt auch hier stark ab und benötigte sogar weniger Speicherplatz als das ältere Windows Vista.
Im RAM-Test nach dem Systemstart wurde Windows 8.1 nur von Windows XP unterboten, während Windows 11 den höchsten Arbeitsspeicherverbrauch aufwies.
Auch beim Öffnen von Tabs im Browser Supermium – gewählt wegen seiner Kompatibilität mit älteren Windows-Versionen – zeigten sich interessante Ergebnisse. Windows XP schaffte lediglich 50 Tabs, vermutlich aufgrund von Problemen mit der Verwaltung des virtuellen Speichers. Überraschend schwach schnitt jedoch Windows 11 ab, das bereits bei 49 Tabs scheiterte. Zum Vergleich: Alle anderen Windows-Versionen öffneten deutlich über 100 Tabs, mit Windows 8.1 als Spitzenreiter bei 252.
Windows 11 belegte zudem den letzten Platz im Akkutest, den vorletzten beim Audioexport, den letzten beim Videobearbeitungstest (unter den lauffähigen Systemen), beim Öffnen des Dateimanagers sowie – besonders peinlich – beim Start von MS Paint. Auch beim Abspielen von Videos und beim Laden von Webseiten, einschließlich Microsofts eigener Login-Seite, landete Windows 11 auf dem letzten Rang.
Die Multi-Core-Benchmarks lieferten erwartungsgemäß uneinheitliche Ergebnisse ohne klaren Sieger. Bei der Single-Core-Leistung hingegen belegte Windows 11 im CPU-Z-Test erneut den letzten Platz.
Der Ersteller selbst räumt ein, dass es sich keineswegs um einen perfekten Test handelt. Dennoch lassen sich einige klare Schlüsse ziehen.
Windows 11 ist äußerst speicherhungrig. Obwohl die Systemanforderungen mindestens 4 GB RAM vorsehen, sind selbst 8 GB in der Praxis kaum ausreichend. In Zeiten von RAM-Knappheit und Herstellern, die Mittelklasse-Geräte weiterhin mit nur 8 GB ausstatten, ist diese Menge schlicht zu gering, um Windows 11 sinnvoll zu betreiben.
Die Ergebnisse zeigen zudem, wie wenig optimiert neuere Windows-Versionen inzwischen sind. Mit stetig wachsender Rechenleistung wird Optimierung zunehmend vernachlässigt. Software funktioniert oft nur deshalb akzeptabel, weil rohe Hardware-Leistung das ausgleicht. Der Test macht deutlich, dass selbst Hardware, die offiziell innerhalb der Systemanforderungen von Windows 11 liegt, zu einer spürbar unterdurchschnittlichen Nutzererfahrung führen kann.
Abschließend lässt sich sagen: Unter allen Microsoft-Betriebssystemen war Windows 8 eines der am besten optimierten. Das wurde seinerzeit jedoch kaum wahrgenommen – zu sehr war die öffentliche Wahrnehmung vom Unmut über das überarbeitete Startmenü geprägt.







