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AnkerMake M5 3D-Drucker im Test: Drucken mit dem wachsamen Auge einer KI

Anker steigt mit dem AnkerMake M5 in das Geschäft mit 3D-Druckern ein und liefert in vielen Bereichen eine beeindruckende Qualität. Trotz leichtem Aufbau, verständlichem Slicer und einer hohen Druckqualität sowie Geschwindigkeit, sind wir leider nicht ganz zufrieden mit dem Schnelldrucker.

Anker, einst bekannt für gute und günstige Ersatzakkus, ist mittlerweile zu einem Konzern angewachsen, der PC- und Smartphone-Zubehör in sämtlichen Variationen anbietet. Aber auch Akkus, nun als Powerstation, gibt es weiterhin von Anker. Anfang des Jahres startete der AnkerMake M5 äußerst erfolgreich auf Kickstarter. Insgesamt 11.313 Unterstützer hatte die Kampagne und brachte mehr als 8 Millionen US-Dollar ein. Mittlerweile werden die versprochenen M5 an die Kickstarter-Unterstützer versandt. 

In der Kampagne versprach AnkerMake einen der schnellsten 3D-Drucker mit hoher Druckqualität und leichter Bedienung. Hier hat der Newcomer voll geliefert und seine Versprechen erfüllt. Eine KI-Überwachung soll es dem Drucker außerdem ermöglichen, Fehldrucke zu erkennen, und bei Bedarf einen Druck anzuhalten, bis der Anwender das Problem gelöst hat. So druckt der AnkerMake M5 nahezu durchgehend bei einem Vortrieb von 250 mm/s. Hohe Beschleunigungswerte und ein starker Direct-Drive-Extruder ermöglichen dies in der Verbindung mit einer sehr hohen Steifigkeit der Konstruktion. 

Technische Daten

Schaut man sich den AnkerMake M5 genau an, erkennt man viele bekannte Bauteile und Baugruppen. Die Konstruktion ist ähnlich zum bekannten Creality-Ender-3-Aufbau. Aber an vielen Stellen glänzt der M5 mit cleveren Konstruktionsmethoden, die für mehr Stabilität und weniger bewegte Masse sorgen.

AnkerMake M5 3D-Drucker
Eingesetzte Technologie FDM, FFF
Maximales Druckvolumen 235 × 235 × 250 mm
Aufstellgröße ohne Kabel und Filamentrolle 50,2 × 43,8 × 47 cm
Bewegungssystem X,Y,Z-Einzelantrieb nach Prusa/Mendel
Extruder Direct-Drive-Extruder (Ultra Direct Extruder)
Druckbett magnetisches Federstahl-Druckbett mit PIE-Beschichtung
beheizt mit 24 V Spannungsversorgung
Mesh-Bed-Leveling per Wägezelle
Temperaturen Hotend maximal 260 °C
Druckbett maximal 100 °C
Steuerplatine
Microcontroller
CPU
AnkeMake M5 Board V8111
STM32F4
Dual XBurst(1.2GHz) + XBurst 0(240MHz)
Firmware des Testgerätes AnkerMake V2.0.46_2.0.40 (Linux basiert)
Anschlüsse USB-Typ-C
unterstützte Slicer AnkerMake-Software (Windows/macOS), Ultimaker Cura, PrusaSlicer und weitere
die AI-Überwachung lässt sich nur per AnkerMake-slicer nutzen
Steuerung Touchbildschirm, online Interface über Browser oder AnkerMake-Anwendung (Internetverbindung und Anmeldung erforderlich), Sprachassistenten wie Apple-Home-Kit und Alexa
Besondere Fähigkeiten AI-Drucküberwachung per Kamera
Spannungsversorgung internes 110 V - 240 V zu 24 V Netzteil
Herstellerseite AnkerMake

Konstruktion und Kabelmanagement

Die Basis des 3D-Druckers besteht aus einer Gussplatte. Hier wurden Führungen und Gewinde eingefräst, an denen alle anderen Baugruppen montiert werden. Damit ist der AnkerMake M5 recht schwer. Mehr als 10 kg bringt der 3D-Drucker auf die Waage. Aber die Bauweise sorgt auch für eine hohe Stabilität. Nur so können hohe Geschwindigkeiten und Beschleunigungen ermöglicht werden. 

Ein Blick unter die große Abdeckung der Basis zeigt ein hervorragendes Kabelmanagement. Hier hat jedes Bauteil und jedes Kabel einen festen Platz. Teile des Mainboards im AnkerMake M5, werden von einem kleinen Lüfter gekühlt. 

Für die Verbindungen zum Mainboard hat Anker unter anderem USB-C Buchsen und Kabel zweckentfremdet. Da der Anschluss als langlebig gilt, könnte dies eine gute Wahl sein. Sonst befinden sich hier die haltbaren JST-Steckverbinder auf dem Board.

Die Säulen des Torbogens sind durch ihre mehreckige Formgebung stabil. In ihnen laufen die Kabel zum Druckkopf und zur Steuereinheit mit dem verbauten Touchscreen. Auf der rechten Seite des Druckers dient die RGB-Lichtleiste als Statusanzeige. Verschiedene Lichtfarben können hier anzeigen, ob der Drucker im Moment aufheizt, druckt, oder ob ein Fehler vorliegt.

Die Traverse, auf welcher der Druckkopf läuft wird beim AnkerMake M5 von zwei T8-Gewindespindeln angetrieben. Diese laufen unabhängig voneinander und werden beim Homing-Vorgang einzeln in Position gebracht. 

Mainboard und Steuereinheit

Beim Mainboard handelt es sich um eine Eigenkonstruktion von AnkerMake. Hier findet sich ein nicht beschrifteter Mikrocontroller. Eine weitere Steuerungseinheit befindet sich in dem Modul mit dem Touchscreen und der Kamera. In diesem läuft nach Angaben von AnkerMake eine nicht näher bezeichnete Linux-Distribution. 

Leider lassen sich aus dem AnkerMake M5 kaum Information zu Firmware und Einstellungen gewinnen. Per USB-Kabel lässt sich der 3D-Drucker nicht mit dem PC verbinden. So müssen wir auf die Angaben vom Hersteller vertrauen und auf die Informationen im GitHub von AnkerMake zurückgreifen. Mit einem angepassten Marlin 2.0 läuft auf dem Mainboard die wohl verbreitetste Firmware für 3D-Drucker. Diese wurde von Anker entsprechend der Hardware angepasst. So finden wir in der Configuration.h Datei Informationen über die Konfigurierten Schrittmotortreiber und den Mikrocontroller. Ein STM32F4 kontrolliert die Hardware und fünf TMC2209-Schrittmotortreiber.

Der 3D-Drucker akzeptiert G-Codes im Marlin-Flavour von allen möglichen Slicern. Interessanter sind jedoch die A-Codes von Anker. Diese beruhen zwar teils auf G-Code, haben aber auch einen großen Anteil an Informationen für die AI-Überwachung. Diese A-Codes können derzeit nur vom AnkerMake-Program erzeugt werden. Die A- und G-Codes können per WLAN an den Drucker übertragen werden oder per USB-C-Speichermedium. 

AnkeMake M5 Board V8111
AnkeMake M5 Board V8111
USB-C Stecker am Mainboard
USB-C Stecker am Mainboard

Aufbau und Einrichtung - Die Verpackung dient als Montagehilfe

Wir haben den AnkerMake M5 in der Version bekommen, wie ihn die Unterstützer der Kickstarter-Kampagne erhalten. Somit lagen dem 3D-Drucker neben einem hochwertigen Werkzeug-Set ein weiteres Hotend und eine weitere PEI-Beschichtete Druckplatte bei. Auch eine Auswahl an Düsen befand sich im Paket. Aber hier haben wir gleich den ersten kleinen Kritikpunkt. Anker versprach ein All-Metal-Hotend in unserem Fall lag eines mit PTFE-Inliner bei und ein weiteres gleiches Hotend war im Drucker verbaut. Somit ist die angegebene Maximaltemperatur des Hotends bei 260 °C recht hoch.

Mit dem beigelegtem Werkzeug lässt sich der Aufbau des 3D-Druckers gut bewältigen. Die Schaumstoffteile der Verpackung sollte man dabei unbedingt bereithalten. Anker hat sich hier ein cleveres Verfahren ausgedacht, um die schweren Teile des Druckers leicht zu handhaben. Dazu kann man den Torbogen, wie im Bild unten, einfach in den Schaumstoff einlegen. So lassen sich die wenigen Schrauben leicht eindrehen. Anschließend werden nur vier Kabel eingesteckt, davon werden zwei mit Schrauben gesichert, und der Filamenthalter an der ausgewählten Position verschraubt. 

AnkerMake M5 Verpackung
AnkerMake M5 Verpackung
Verpackung als Montagehilfe
Verpackung als Montagehilfe
Lieferumfang AnkerMake M5
Lieferumfang AnkerMake M5
AnkerMake M5 Werkzeugset
AnkerMake M5 Werkzeugset

Aufwändig ist die Inbetriebnahme des 3D-Druckers so nicht. Aber um alle Funktionen des AnkerMake M5 zu nutzen, benötigt man eine Internetverbindung, die AnkerMake-App auf dem Smartphone, den AnkerMake-Slicer auf dem Computer und eine Registrierung mit E-Mail-Adresse. Eine Verbindung mit dem heimischen WLAN lässt sich nur per App einrichten. Anschließend wurde vom AnkerMake M5 gleich das erste Firmware-Update heruntergeladen. Im Verlauf des Testzeitraumes folgten mindestens drei weitere Updates auf die Firmware Version V2.0.46, so wurden die Tests in unterschiedlichen Firmware-Versionen ausgeführt. Denn es besteht ein Upgrade-Zwang, sobald der 3D-Drucker beim Einschalten ein neues Update findet.

Nach der Einrichtung führt der AnkerMake M5 ein automatisches Mesh-Bed-Leveling durch. Als Sensor kommt hier eine Wägezelle zum Einsatz. Mit 49 Messpunkten ist der 3D-Drucker dabei beinahe übergenau. Dieser Vorgang dauert somit rund 10 Minuten. Intelligenter weise werden dazu Druckbett und Düse auf Betriebstemperatur gebracht. Sonst könnten Filamentreste an der Düse und die thermische Ausdehnung des Druckbetts die Ergebnisse verfälschen.

Steuerung - AnkerMake App, Slicer und Touchscreen

Für den Betrieb des 3D-Druckers benötigt man sowohl die AnkerMake-App als auch den entsprechenden Slicer von AnkerMake. Die App ist verfügbar für Android und iOS, das Slicing-Programm für Windows und macOS.

App

Die AnkerMake App benötigt man anfänglich zum Einrichten der WLAN-Verbindung. Sie ist in diverse Sprachen übersetzt und größtenteils leicht verständlich. Ist der M5 über WLAN verbunden und mit dem AnkerMake Konto verknüpft, lässt sich der 3D-Drucker über die App steuern. So kann man Aufgaben setzen und einen 3D-Druck über die eingebaute Kamera des Druckers überwachen. Auch Zeitraffervideos von 3D-Drucken lassen sich mithilfe der App erstellen. Im Fall, dass der AnkerMake M5 mithilfe der KI einen Fehler beim Drucken erkennt, wird eine Push-Benachrichtigung an die App geschickt. Interessant ist auch das Log des 3D-Druckers, welches sich jederzeit über die App abrufen lässt. Mitunter ist das Geräte-Log aber bisher recht unsortiert. Alle Ereignisse werden chronologisch aufgereiht. Bei der Betrachtung des Logs stellen wir zudem ein paar Lücken fest. Hier darf man aber noch Verbesserungen erwarten. Anker verfeinert die Funktionen von der Software in regelmäßigen Abständen. So sind auch weiteren Funktionen der App zum Testzeitpunkt noch nicht freigeschaltet. In Zukunft werden hier wohl auch Druckvorlagen und Ähnliches folgen.

AnkerMake App Geräteübersicht
AnkerMake App Geräteübersicht
AnkerMake App Druckvorgang
AnkerMake App Druckvorgang
AnkerMake App Einstellungen im Druckvorgang
AnkerMake App Einstellungen im Druckvorgang
AnkerMake App Live-Feed
AnkerMake App Live-Feed
AnkerMake App Reiter Entdecken
AnkerMake App Reiter Entdecken

Slicer

Um 3D-Dateien in druckbaren G-Code oder A-Code umzuwandeln, benötigt man einen Slicer. Diese Programme schneiden (englisch: slicen) eine 3D-Vorlage in Schichten und wandeln diese in Handlungsanweisungen für 3D-Drucker um. G-Code ist dabei auch für Menschen lesbar, wenn man sich etwas mit den verschiedenen Kommandos auseinandersetzt. Die Anweisungen werden vom 3D-Drucker Zeilenweise abgearbeitet.

Um die KI-Überwachung des AnkerMake M5 zu nutzen ist es aber zwingend erforderlich, dass man den 3D-Drucker mit A-Code aus dem AnkerMake Slicer versorgt. Dieser A-Code beinhaltet den von Menschen lesbaren G-Code, und eine Sektion, welche Informationen für die KI liefert. Das AnkerMake-Programm wirkt dabei von Anfang an vertraut. Wer bereits Ultimaker-Cura verwendet hat, sollte mit der Bedienoberfläche des Programms zurechtkommen, auch wenn die Sprachauswahl bisher nur auf Englisch und Chinesisch beschränkt ist. So ist es nicht verwunderlich, dass die Software auch auf die Cura-Slice-Engine zurückgreift. Der Open-Source-Baustein für einen eigenen Slicer kann von allen Programmieren entsprechend der Lizenz verwendet werden. Wenig zuträglich für die Druckgeschwindigkeit ist dabei, dass hier noch nicht die neuere Arachne-Engine, welche ebenfalls von Ultimaker entwickelt wurde, verwendet wird. Der neuere Programmbaustein kann wesentlich zu höheren Druckgeschwindigkeiten und einer besseren Druckqualität beitragen. 

An dem Programm, welches sich noch im Betastadium befindet, können wir einige Schönheitsfehler finden, aber die grundlegenden Funktionen sind tadellos. So ist die Kamerasteuerung mitunter etwas irritierend und auch Drag-and-drop von Dateien funktioniert noch nicht. Kopieren und Platzieren von 3D-Objekten funktioniert im AnkerMake Slicer nur manuell. Das Erstellen von 3D-Druck-Dateien ist dafür sehr unkompliziert. Nachdem man eine stl- oder obj-Datei geöffnet hat, müssen an sich nur fünf Einstellungen getroffen werden. 3D-Druck-Experten können aber auch auf die volle Palette an Optionen gelangen, die Ultimaker-Cura bietet. Für Anfänger empfiehlt es sich, sich zunächst mit der Auswahl des Materials, der Schichthöhe und der Füllstärke zu begnügen. Wir haben die ersten Drucke auf dem AnkerMake M5 mit umgeänderten Einstellungen gestartet und festgestellt, dass hier für die meisten Aufträge wohl kein Änderungsbedarf besteht.

Ist der AnkerMake M5 bereits mit dem WLAN verbunden, lassen sich die Druckdateien drahtlos an den internen Speicher des Druckers übertragen. Über das Programm besteht auch die Möglichkeit, einen Druck zu starten und einige andere Funktionen des Druckers aufzurufen.

AnkerMake Slicer Vorbereitung
AnkerMake Slicer Vorbereitung
AnkerMake Slicer Druckerüberwachung
AnkerMake Slicer Druckerüberwachung

Touchscreen

Hinter dem Touchscreen des 3D-Druckers steckt auch ein kleiner Computer. Dieser überwacht und steuert den 3D-Drucker. Die Touchscreen-Oberfläche bietet grundlegende Steuerungsoptionen und ist in mehreren Sprachen verfügbar. Die Menüs sind verständlich strukturiert und übersetzt.  Es lassen sich so Einstellungen der Status-LED und der Hinweistöne setzen. Das Mesh-Bed-Leveling kann aufgerufen und das Vorheizen gestartet werden. Auch eine grundlegende Bewegungssteuerung bietet der Touchscreen. Während eines Druckes wird die Druckgeschwindigkeit angezeigt. Die einzigen Parameter, welche sich während eines Druckes ändern lassen, sind die Temperaturen von Druckbett und Hotend. Optionen zu Geschwindigkeit, Extrusionsmultiplikator und zum Lüfter sucht man hier vergebens. 

Leistung - Keine Qualitätsabstriche trotz Geschwindigkeit

Der AnkerMake M5 beeindruckt im Test mit seiner Geschwindigkeit. Normalerweise leiden 3D-Drucker aller Typen unter einem Qualitätsverlust bei höheren Druckgeschwindigkeiten. Der AnkerMake M5 zeigt deutlich, dass es auch anders geht. Mit einer hohen Qualität und hoher Druckgeschwindigkeit kann der 3D-Durcker überzeugen.

Druckbett

Wärmebild Druckbett
Wärmebild Druckbett
Druckbetthaftung erste Schicht Geschwindigkeitstest
Druckbetthaftung erste Schicht Geschwindigkeitstest

Die magnetisch haftende Federstahlplatte am AnkerMake M5 ist beidseitig PEI-beschichtet. Ihre schwarze Oberfläche ist ausgesprochen rau und eher vergleichbar mit einer 120er-Körnung von Schleifpapier. Mit bis zu 330 Watt wird das Druckbett beheizt. So wird es innerhalb von circa zweieinhalb Minuten auf eine Betriebstemperatur von 60 °C erhitzt. Eine Isolierung hat das Druckbett nicht. Im Wärmebild wird deutlich, dass die Temperatur zu den Rändern hin sinkt. Von der Druckbettmitte zum Rand beträgt die Temperaturdifferenz rund drei Kelvin bei einer eingestellten Temperatur von 60 °C. 

Die Druckbetthaftung auf der rauen Platte war mit allen getesteten Materialien problemfrei. PLA, PETG, TPU und ASA haften ausgezeichnet, solange das Druckbett warm ist und lassen sich nach dem Erkalten leicht ablösen. Betrachtet man die Voreinstellungen zu den Druckgeschwindigkeiten im Slicer wird deutlich, dass auch AnkerMake eine hohe Meinung von der Druckbetthaftung hat. Mit einer Druckgeschwindigkeit von 125 mm/s in der ersten Schicht eine gute Druckbetthaftung zu erzeugen, ist den meisten 3D-Druckern nicht möglich. Hier spielt zusätzlich das hervorragend funktionierende Mesh-Bed-Leveling eine wichtige Rolle. Auch wenn dies mit rund 10 Minuten etwas länger dauert, ist es doch der Mühe wert.

Hotend und Extruder

Das Hotend vom AnkerMake M5 benutzt kaum Standardteile. Die Länge des Gewindes an der Düse liegt mit einem Zentimeter zwischen einer MK8- und einer Volcano-Düse. Auch der Heizblock hat keine typischen Abmaße. Zumindest Heizpatrone und Thermistor sind dem Standard bei 3D-Druckern entsprechend. Mit 60 W Heizleistung ist die Heizpatrone ausreichend dimensioniert für die hohen Druckgeschwindigkeiten, welche der AnkerMake M5 erreichen soll. Der Kühlungslüfter drückt die Luft zur Rückseite des Druckkopfes hinaus. Somit entsteht beim Drucken von ASA oder ABS kein vom Drucker verursachter Luftzug über der Druckplatte.

Druckkopf ohne Abdeckung
Druckkopf ohne Abdeckung
Druckkopf ohne Lüfter
Druckkopf ohne Lüfter
Hotend
Hotend
Volcano-Düse; AnkerMake-Düse, MK8-Düse (von oben nach unten)
Volcano-Düse; AnkerMake-Düse, MK8-Düse (von oben nach unten)

Der Extrudermotor ist direkt im Druckkopf integriert. Ein mehrstufiges Getriebe sorgt für einen kraftvollen Vorschub. Der Antrieb des Filaments erfolgt aber nur einseitig. Um den Anpressdruck des Beförderungsrades einzustellen, wird Werkzeug benötigt. Wie auch bei den Riemenspannern wird dieser über eine Innensechskantschraube eingestellt.

Im Praxistest kann der 3D-Drucker beweisen, dass er die versprochenen hohen Druckgeschwindigkeiten problemfrei halten kann. Hier druckt der 3D-Drucker schleifen und erhöht im 5 mm Abstand die Druckgeschwindigkeit. Allerdings ist unser Test hier über 270 mm/s nicht mehr aussagekräftig. In der Konfigurationsdatei sind der maximale Filamentvorschub und die maximale Bewegungsgeschwindigkeit so beschränkt, dass der Drucker höhere geforderte Werte nicht mehr einhält. Diese Werte lassen sich anscheinend nicht überschreiben. 

Geschwindigkeitstest AnkerMake M5
Geschwindigkeitstest AnkerMake M5

Druckqualität

Oberflächlich betrachtet sieht alles, was der AnkerMake M5 fabriziert, hervorragend aus. Daran wollen wir nicht rütteln. Erst bei genauerem Hinsehen fallen immer wieder kleinere Problemstellen durch die hohen Geschwindigkeiten auf. Bei vielen Drucken kann man so eine leichte Unterextrusion feststellen. Da man bei diesem Gerät während des Druckens keine Änderungen mehr am Extrusionsmultiplikator vornehmen kann, muss man hier vor dem Drucken im Slicer entsprechende Werte eingeben. 

Unsere Testdatei stellt für den AnkerMake M5 kein Problem dar. Alle Bereiche des Druckes wurden maßhaltig erstellt. Je nach Richtung stellen auch Überhänge bis zu 60° kein Problem für den 3D-Drucker dar. Einzig bei den Print-in-Place-Teilen, welche beweglich sein sollten, ist das Lösen der Teile recht schwierig. Beim Versuch, das Tor zu lösen, brach ein kleiner Teil ab.

KI-Drucküberwachung

Beim KI-Druckassistenten sind wir unschlüssig, was die Ergebnisse des 3D-Druckers angeht. Dieser überwacht mithilfe einer Infrarotkamera auch in abgedunkelten Räumen, ob der Drucker Objekte entsprechend den Vorgaben herstellt. Vor allem schwarzes Filament macht der KI im AnkerMake M5 zu schaffen. Hier war die KI sehr unzuverlässig. Im besten Fall erkannte die KI einen provozierten Layer-Shift sofort, und startete automatisch ein Homing des 3D-Druckers, wodurch der Fehler behoben wurde. Im negativen Fall hat die KI einen verkraftbaren Versatz nach der zweiten Schicht erst 28 Minuten später erkannt. Auch hier lief der Druck nach einem automatischen Homing weiter und war damit unbrauchbar. Dass sich ein Druck von der Druckbettoberfläche gelöst hatte, wurde von der KI auch nach 12 Minuten nicht erkannt. Um keine Beschädigung am Gerät zu riskieren, wurde der Druck manuell abgebrochen. Die schlechte Druckbetthaftung wurde von uns testweise durch eine falsche Einstellung des Z-Versatzes erzwungen. 

Schwarzes Filament ist so noch ein Problem für die KI im AnkerMake M5, auch sollte man den Aufstellort des 3D-Druckers mit Bedacht wählen. Sobald der Hintergrund, den die Kamera sieht, möglichst gleichförmig ist, verbessert sich die Erkennung. Farbiges oder weißes Filament vereinfacht der KI die Arbeit. Noch ist die KI anscheinend ein nettes Gimmick. Aber ein Problem beim Testen der KI ist auch die geringe Fehlermenge des AnkerMake M5. Alle Fehler, welche die KI erkannt, oder nicht erkannt hat, wurden von uns absichtlich hervorgerufen. Im normalen Betrieb kam es zu keinem einzigen Fehler beim Drucken und die KI meldete nur einmal einen Fehlalarm.

Fehler erkannt
Fehler erkannt
Fehler erkannt
Fehler erkannt
Layershift zu spät erkannt
Layershift zu spät erkannt
Druckbettablösung nicht erkannt
Druckbettablösung nicht erkannt
Kamerabild Druckbettablösung
Kamerabild Druckbettablösung
Kamera am AnkerMake M5
Kamera am AnkerMake M5
 
 

Sicherhheit - Maximaltemperatur von PTFE wird nicht beachtet

Wir haben uns die Konfigurationsdatei, welche AnkerMake auf Github zur Verfügung stellt, genau angeschaut. Mit der "Configuration.h"-Datei werden alle möglichen Einstellungen in Marlin-basierten Firmwares von 3D-Druckern getroffen. Beim AnkerMake M5 sind hier alle Temperaturschutzabschaltungen aktiviert. Wir haben am Gerät verschiedenste Fehler simuliert und in keinem Fall gab es etwas zu beanstanden am Verhalten des 3D-Druckers.

Als etwas ungünstig sehen wir jedoch die Wahl der Maximaltemperatur vom Hotend. Da dieses mit einem PTFE-Röhrchen zur Filamentzufuhr versehen ist, und es bis in die Heizzone reicht, erachten wir 260 °C als maximal einstellbare Temperatur für das Hotend als zu hoch. Die Firmware lässt hier kurzzeitig sogar bis zu 275 °C zu, bevor ein Temperaturfehler den 3D-Drucker in die Schutzabschaltung zwingt. PTFE, besser bekannt unter dem Markennamen Teflon, beginnt über 260 °C mit dem Ausgasen von giftigen Dämpfen. Da die Temperatur im Hotend immer um ein paar Grad schwanken kann, wird dieser Punkt wohl beim Drucken mit der eingestellten Maximaltemperatur überschritten.

Emissionen - Schnell ist laut trifft hier zu

Der AnkerMake M5 ist im Betrieb alles andere als leise. Bis zu 65 dB(A) messen wir mit dem Voltcraft SL-10 Schallpegelmessgerät in einem Meter Abstand zum Gerät. Die beiden starken Objektlüfter am Hotend haben den größten Anteil an der störenden Lautstärke. Besonders, weil die Gebläse, zudem recht hochfrequent sind, ist der 3D-Drucker kein Gerät für einen Raum, in dem man sich dauerhaft aufhält. Sind die Lüfter deaktiviert, liegt die gemessene Lautstärke im Betrieb bei knapp 50 dB(A).

Wie bei allen 3D-Druckern mit offener Bauweise verteilt auch der AnkerMake M5 die eventuell schädlichen Ausgasungen vom verwendeten Material. Je nach Filament sollte man somit für eine gute Lüftung sorgen. Ein weiterer Punkt ist hierbei auch das PTFE im Hotend selbst, welches bei den hohen möglichen Temperaturen ausgasen könnte. 

Energieaufnahme - Weniger Verbrauch dank mehr Geschwindigkeit

Zum Messen der Energieaufnahme eines 3D-Druckers lassen wir ihn ein 3DBenchy in den Standardeinstellungen drucken, sobald diese vom Hersteller bereitgestellt werden. Der Arbeitsvorgang lässt sich grob in drei Bereiche einteilen. Zunächst sehen wir hier die Aufheizphase mit 340 Watt Spitzenleistung. Innerhalb der ersten zweieinhalb Minuten werden Hotend und Extruder auf Betriebstemperatur gebracht. Beim Drucken der ersten Schicht werden die Objektgebläse nicht eingeschaltet. So sinkt die Leistungsaufnahme kurzzeitig auf rund 110 Watt. Ab der zweiten Schicht werden die Lüfter aktiviert und blasen so eine Menge Wärme vom Druckbett in den Raum. Der 3D-Drucker benötigt dann durchschnittlich 145 Watt. 

Damit liegt die Leistungsaufnahme vom AnkerMake M5 rund 30 Watt höher als bei anderen getesteten Druckern der gleichen Größe. Dadurch, dass der 3D-Drucker von Anker aber wesentlich schneller ist als etwa der Anycubic Kobra, hält sich die gesamte Energieaufnahme beider Drucker die Waage. Für ein 3DBenchy benötigen beide Drucker ungefähr 130 Wattstunden. Bei größeren Objekten dürfte der AnkerMake M5 einen Vorteil haben. 

Energieaufnahme 3DBenchy-Druck
Energieaufnahme 3DBenchy-Druck

Fazit - Es hapert an der Software

AnkerMake M5 - zur Verfügung gestellt von Anker
AnkerMake M5 - zur Verfügung gestellt von Anker

Uns liegt hier der erste 3D-Drucker von AnkerMake vor. Bei aller Kritik am Gerät sollte man das nicht vergessen. Anker versucht hier eher ein ganzes Ökosystem zu erschaffen, als einen einzelnen Drucker. Uns stellt das vor gewisse Herausforderungen. Denn die Hardware des AnkerMake M5 ist von exzellenter Qualität. Einzig die hohe Lautstärke des 3D-Druckers bleibt als Kritikpunkt. Sonst ist der AnkerMake M5 stabil, gut verarbeitet, ansehnlich und innovativ. Jegliche dazugehörige Software bleibt leider hinter ihren Möglichkeiten. Noch ist der AnkerMake Slicer umständlich in seiner Bedienung und arbeitet mit einer in die Jahre gekommenen Engine. Noch bietet die App kaum einen Mehrwert. Noch lassen sich am Touchscreen zu wenige Einstellungen vornehmen. Aber Anker liefert, seitdem der AnkerMake M5 bei uns eintraf, in schneller Abfolge Verbesserungen bei der Software und der Firmware. Sollte AnkerMake also auf die Interessen der Kunden achten, dürfte sich das Gesamtpaket des 3D-Druckers bis zu seinem Erscheinen am Markt noch wesentlich verbessern. Bisher wurden nur die Geräte aus den Bestellungen der Kickstarter-Kampagne verschickt.

Unter der Vorraussetzung, das AnkerMake bei der Software deutliche Verbesserungen vornimmt könnte sich der AnkerMake M5 zu einem großartigen 3D-Drucker entwickeln. 

Im Moment fühlt man sich bei der Bewertung des 3D-Druckers so, als würde man entweder ein halb fertiges Produkt testen, oder eines bei dem Marktanalysten an den Bedürfnissen vieler Hobbyisten vorbeigeschossen sind. Wir hoffen hier auf ersteres. Wenn Anker bei der Entwicklung der Marke AnkerMake erfahrene Maker an Board geholt hätte, dürften gerade die Softwarefeatures tiefergreifende Steuerungsmöglichkeiten beinhalten. Eventuell hätte man den Entwicklern bei Anker auch erklärt, was man unter einem All-Metal-Hotend versteht. Geschwindigkeit und die KI-Drucküberwachung können für einen erfahrenen Anwender von 3D-Druckern nicht die einzigen Kaufkriterien für den AnkerMake M5 sein.

Anders sieht es bei ambitionierten Einsteigern in das Thema 3D-Druck aus. Wer die additive Fertigung als Teil eines anderen Hobbys nutzen möchte, findet im AnkerMake M5 wohl einen starken Begleiter. Denn der 3D-Drucker bietet ganz ohne Experimente eine hervorragende Druckgeschwindigkeit und Qualität. Wir sind positiv überrascht, wie viel Leistung sich aus dem typischen Prusa-Mendel-Bewegungssystem ziehen lässt. Denn bisher waren die hohen Geschwindigkeiten, welche der AnkerMake M5 erreichen kann, etwas, das man eher bei CoreXY- oder LinearDelta-3D-Druckern erwarten würde.

Preise und Verfügbarkeit

Der AnkerMake M5 lässt sich bereits über die AnkerMake Webseite vorbestellen. 849,00 Euro verlangt der Hersteller für den 3D-Drucker. 

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Autor: Marc Herter, 14.11.2022 (Update: 20.11.2022)