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Booklore: „Plex für E-Books“ entfacht Lizenzdebatte – Community in Aufruhr

Trotz des vielversprechenden Starts ist Booklore mittlerweile in Kontroversen verwickelt, wodurch sich viele Nutzer nach Alternativen umsehen.
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Trotz des vielversprechenden Starts ist Booklore mittlerweile in Kontroversen verwickelt, wodurch sich viele Nutzer nach Alternativen umsehen.
Angesichts der Vorwürfe rund um Vibe Coding, fragwürdige Lizenz- und Open-Source-Praktiken, unerwünschte Telemetrie und unfair gesetzte Paywalls wenden sich viele Nutzer von Booklore ab.

Als ich zum ersten Mal über Booklore geschrieben habe, war es eine frisch veröffentlichte, moderne Alternative zu Calibre-Web – eine selbst gehostete Plattform zur Verwaltung und Pflege einer E-Book-Bibliothek mit moderner Benutzeroberfläche.

Nach einem kürzlichen Update wurde jedoch ein großer Teil meiner digitalen Bibliothek plötzlich als „physisch“ eingestuft und war damit nicht mehr zugänglich. Bei der anschließenden Fehlersuche kamen einige Bedenken auf, die mögliche Schwachstellen und Warnsignale rund um die Software aufzeigten.

In einem hitzigen Reddit-Post wurden Zweifel an der Codequalität laut. Dabei stand auch der Vorwurf im Raum, dass größere Teile von Booklore per „Vibe Coding“ entstanden seien. Angesichts der hohen Zahl täglicher Commits wirkt das zumindest nicht völlig abwegig. Grundsätzlich ist gegen Vibe Coding nichts einzuwenden – doch um einen effizienten, selbst gehosteten Docker-Container zu entwickeln, dürfte dieser Ansatz eher ungeeignet sein. Da Vibe Coding häufig mit fehleranfälligem Code in Verbindung gebracht wird und im schlimmsten Fall sogar produktive Datenbanken schnell beschädigen oder löschen kann, dürfte es nicht jedermanns Sache sein, eine umfangreiche E-Book-Sammlung einer solchen Anwendung anzuvertrauen.

Zudem sorgten Gerüchte über einen möglichen Wechsel von der AGPL (Affero General Public License) zur BSL (Business Source License) für Kritik. Letztere räumt dem Projektsponsor das Recht ein, Beiträge auch unter nicht quelloffenen Lizenzen zu veröffentlichen – selbst dann, wenn das Projekt ursprünglich unter einer Open-Source-Lizenz stand. Brisant ist dabei: Offenbar soll dies ohne Zustimmung der Mitwirkenden im Rahmen eines Contributor License Agreement (CLA) erfolgt sein. Zwar ist es grundsätzlich nicht verwerflich, ein eigenes Projekt zu monetarisieren, doch der Umgang des Entwicklers mit der Situation auf Discord wurde kritisch aufgenommen – insbesondere, weil Beiträge aus der Community nicht ausreichend gewürdigt worden seien.

Ein Auszug aus einer Discord-Konversation mit dem Booklore-Entwickler, in der es um die Änderungen der Lizenzvereinbarung und die Anforderung geht, Beiträge der Community unter einem CLA abzudecken.

Zudem wurden Bedenken laut, dass Telemetriedaten an Server des Entwicklers gesendet wurden – selbst dann, wenn die entsprechende Funktion in den Einstellungen deaktiviert war (auch wenn dieses Problem in späteren Versionen offenbar behoben wurde).

Für zusätzlichen Frust sorgte eine Funktion, die das Herunterladen von mehr als einem Buch aus der eigenen, selbst gehosteten Instanz praktisch hinter eine Paywall stellte.

Der Entwickler veröffentlichte zwar „seine Sicht der Dinge“ in einem inzwischen gelöschten Reddit-Post, doch auch dieser trug eher zur wachsenden Unzufriedenheit innerhalb der Community bei.

Beim Deinstallieren von Booklore stellte ich außerdem fest, dass die Berechtigungen meiner gesamten E-Book-Bibliothek auf meinem Unraid-Server auf „d--x--x--x“ gesetzt waren. Dadurch war es auf Dateisystem-Ebene nicht mehr möglich, die Bücher zu verschieben, zu kopieren oder zu löschen. Zwar ließ sich das schnell beheben, doch zusammen mit der öffentlichen Kontroverse auf Reddit bestätigte mich das darin, Booklore aus meinem Setup zu entfernen.

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-05 > Booklore: „Plex für E-Books“ entfacht Lizenzdebatte – Community in Aufruhr
Autor: David Devey,  2.05.2026 (Update:  2.05.2026)