ChatGPT-Nutzung in Mordprozess: Oberstes Gericht verhängt Geldstrafe gegen Anwalt

Der Oberste Gerichtshof des US-Bundesstaates New Mexico hat den Anwalt Stephen Aarons aus Santa Fe kürzlich wegen Missachtung des Gerichts belangt, nachdem er einen Berufungsschriftsatz mit von ChatGPT erfundenen Zeugenaussagen und Zeugen eingereicht hatte. Aarons verteidigte im vergangenen Jahr einen wegen Mordes verurteilten Mandanten und nutzte den Chatbot, um die Prozessakten zusammenzufassen. Das daraus entstandene Dokument reichte er jedoch ein, ohne es zuvor Korrektur zu lesen. Der Schriftsatz enthielt Aussagen von Zeugen, die gar nicht existierten, sowie erfundene Äußerungen, die fälschlicherweise einem realen Zeugen zugeschrieben wurden.
Die Reaktion des Gerichts fällt deutlich aus. Richterin C. Shannon Bacon fragte Aarons unverblümt, ob er überhaupt die Nachrichten verfolge – schließlich hätten KI-„Halluzinationen“ in juristischen Schriftsätzen bereits häufig für Schlagzeilen gesorgt. Sie legte ihm nahe, dass er das Phänomen entweder ignoriert oder leichtfertig den Ausgang des Verfahrens seines Mandanten aufs Spiel gesetzt habe. Aarons, der seit mehr als vier Jahrzehnten als Anwalt tätig ist, räumte seine eigene „Dummheit“ ein und erklärte zudem, er habe fälschlicherweise angenommen, die Software werde eine verlässliche Zusammenfassung erstellen.
Das Gericht beließ es jedoch nicht bei der Rüge: Aarons muss eine Geldstrafe von 5.000 US-Dollar an einen Mandantenschutzfonds zahlen. Zudem wurde der Fall an die Anwaltsdisziplinarkammer des Bundesstaates verwiesen. Der Vorfall reiht sich in mehrere ähnliche Fälle ein, in denen Anwälte mit Sanktionen oder berufsrechtlichen Untersuchungen konfrontiert wurden, nachdem sie ungeprüft KI-generierte Inhalte bei Gericht eingereicht hatten (1, 2, 3).








