ChatGPT und Claude: Fake-Apps nutzen echte Installer als Tarnung

Wer eine Desktop-App für ChatGPT oder Claude sucht, landet über Google womöglich auf einer Falle. Die Sicherheitsforscher von Check Point Research beschreiben eine Kampagne, die sie Yoba nennen und seit rund zwei Monaten verfolgen. Die Täter legen auf GitHub Projekte und kleine Landingpages an, die nach offiziellen Apps aussehen, Namen wie GPT-5.6 Sol, GPT-6 Astra oder Claude Opus tragen und laut Check Point weit oben in den Google-Ergebnissen erschienen, vermutlich durch gezielte Suchmaschinen-Manipulation. Gefälschte Sterne brauchten sie nicht.
Warum die Signatur nicht hilft
Geladen wird ein ZIP-Archiv. Darin liegt eine echte Setup.exe von OpenAI beziehungsweise Anthropic, digital signiert und für Windows damit vertrauenswürdig, und direkt daneben eine präparierte Bibliothek namens winmm.dll, die von den Angreifern stammt. Startet die signierte Datei, lädt sie diese DLL aus demselben Ordner nach, Fachleute nennen das DLL-Sideloading. Die Signatur bestätigt also nur die Herkunft der Setup-Datei, für die Datei daneben gilt sie nicht.
Danach verlangt die Schadsoftware Administratorrechte und richtet sich laut der Analyse von Gridinsoft im Ordner ProgramData\WMProcess ein. Eine geplante Aufgabe, die sich als Windows Media Player ausgibt, startet sie nach jedem Neustart mit Systemrechten. Ihre Befehle holt sie über den Umweg eines Telegram-Kanals und verschlüsselter DNS-Abfragen über Google, eigene Kontrollserver braucht sie nicht. Am Ende lief bei Check Point der Kryptominer XMRig, der über Tor schürfte und bei Nutzeraktivität pausierte. Der Loader ist allerdings universell und könnte ebenso Passwortdiebe oder Fernzugriffs-Trojaner ausliefern. Rechner mit russischer oder einer anderen Tastaturbelegung aus den GUS-Staaten lässt die Malware aus, die Ukraine ausgenommen.
Eine Masche mit vielen Varianten
Es ist nicht der erste Versuch dieser Art. Erst am Dienstag berichteten wir über falsche Download-Seiten auf claude.ai, die Passwörter abgreifen, im Oktober über ein gefälschtes ChatGPT Plus 5.6, das einen Trojaner verteilte. Laut Infosecurity Magazine tarnte sich eine frühere Yoba-Variante im Juni als Coding-Agent Cursor. Die Täter folgen also den Namen, nach denen gerade gesucht wird.
So schützt du dich
Lade KI-Apps nur über die Download-Seiten der Anbieter. Die Claude-App gibt es unter claude.com/download, die ChatGPT-App für Windows bei OpenAI und im Microsoft Store. Ein GitHub-Projekt mit einem Modellnamen im Titel ist kein offizieller Kanal, auch wenn es bei Google ganz oben steht. Hast du ein solches Archiv nur heruntergeladen, löschst du es ungeöffnet. Wurde der Installer bereits ausgeführt, trenne den Rechner vom Netz, suche nach dem Ordner WMProcess unter ProgramData und lass einen vollständigen Virenscan laufen. Wie andere Kopier- und Download-Fallen funktionieren, zeigt unser Ratgeber zur ClickFix-Masche.





