China plant großflächigen Einsatz von Feststoffbatterien in E-Autos

Als NIO CATL um Unterstützung bei der Entwicklung eines Akkus mit einer zu 95 Prozent festen Elektrode gebeten hat, hat der weltweit größte Akkuhersteller abgewinkt. Der Aufwand und die Kosten seien zu hoch, Feststoffbatterien würden bis 2030 ein Nischenprodukt bleiben.
NIO hat den Akku daraufhin mit einem Start-up entwickelt. CATLs Einschätzung scheint sich dennoch zu bestätigen: China nennt in seinem neuesten Fünfjahresplan nun 2030 als Ziel für die Massenproduktion von Feststoffbatterien. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hat seinen Entwicklungsplan für die Batterieindustrie im 15. Fünfjahresplan von 2026 bis 2030 veröffentlicht. Bis zum Ende dieses Zeitraums soll China beim ersten großflächigen Einsatz von Feststoffbatterien weltweit führend sein.
Das auf den 14. September datierte Dokument ist gemeinsam von sieben Regierungsstellen herausgegeben worden, darunter neben dem MIIT auch die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission und das Verkehrsministerium. Damit erhält eine Technologie breite politische Unterstützung, die bislang vor allem in Prototypen, auf Messen, in Entwicklungsplänen und in kleinen Versuchsfertigungen zu sehen war. Erste Produkte sind allerdings bereits im Handel, etwa Feststoff-Powerbanks für Smartphones.
Der Plan benennt konkrete technische Hürden. Die Behörden fordern schnellere Fortschritte bei der Ionenleitfähigkeit und der Stabilität über viele Ladezyklen hinweg und formulieren zugleich Kostenziele für die Fertigung. Weitere Schwerpunkte sind ein besserer Kontakt zwischen den Materialien, eine längere Lebensdauer, die Entwicklung geeigneter Drucksysteme und die Massenproduktion leistungsfähiger Festelektrolyte. Hersteller sollen zudem Kathoden mit hoher Spannung und Kapazität mit Lithium-Metall-Anoden oder Konstruktionen ohne Anode kombinieren. Auch Fertigungsanlagen werden erwähnt, darunter isostatische Pressen für die hohen Drücke und Temperaturen bei der Herstellung von Feststoffzellen.
Peking strebt für Lithium-Akkus außerdem eine Lebensdauer von 15.000 Entladezyklen an. Führende Hersteller sollen ihre Fehlerquote auf den Milliardstelbereich senken. Auch Natrium-Akkus sollen stärker gefördert werden, während Redox-Flow-Batterien das bisherige Lithium-Akku-Konzept ergänzen sollen.
Der Plan hat auch eine industriepolitische Seite: Er unterstützt Fusionen und Umstrukturierungen, was auf das Ziel einer kleineren Zahl leistungsfähiger Akkuhersteller hindeutet. Zudem soll die Erschließung heimischer Lithium- und Kobaltvorkommen beschleunigt werden. Beim Recycling müssen Unternehmen die Sammlung gebrauchter Akkus entsprechend ihrem Absatz organisieren. Darüber hinaus sollen sie in wichtigen Exportmärkten Recyclingkapazitäten aufbauen. Vorgeschlagen wird auch eine digitale Identität für Elektroauto-Akkus. Hinzu kommen Arbeiten an Batteriepässen und an der gegenseitigen Anerkennung von CO₂‑Fußabdruckdaten. Zusammen mit lokaler Produktion und lokalem Recycling könnte das den Zugang zum europäischen Markt erleichtern.
Bereits Anfang September hat China einen gesonderten Plan für intelligente, vernetzte "New Energy Vehicles" veröffentlicht. Ihr Anteil an den Verkäufen neuer Pkw soll bis 2030 auf 70 Prozent steigen. Eine Frist für den "ersten großflächigen Einsatz" bedeutet allerdings noch keine Massenproduktion zu Stückzahlen und Preisen, wie Verbraucher sie erwarten. Der Plan zeigt dennoch, wie stark sich der Markt für Elektroauto-Akkus in diesem Jahrzehnt verändern könnte.
CATL warnt seit Längerem vor Kosten und weiteren Hürden beim breiten Einsatz von Feststoffbatterien, plant aber selbst erste Anwendungen für 2027. Das gilt auch für viele andere Auto- und Akkuhersteller, von Toyota bis Samsung. Die ersten Chargen dürften jedoch in teuren Elektroautos sowie in Drohnen und Robotern zum Einsatz kommen. Chinas Ziel, bei Feststoffbatterien führend zu werden und ihre Verbreitung bis 2030 voranzutreiben, könnte schließlich auch den Einsatz in günstigeren Elektroautos beschleunigen.











