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Kommentar | Das Xiaomi 12S Ultra verpasst die besten Leica-Features, so könnte das Xiaomi 13 Ultra nachbessern

Das Xiaomi 12S Ultra trägt den Leica-Schriftzug, verpasst aber den Anschluss an moderne Leica-Kameras. (Bild: Xiaomi / Leica)
Das Xiaomi 12S Ultra trägt den Leica-Schriftzug, verpasst aber den Anschluss an moderne Leica-Kameras. (Bild: Xiaomi / Leica)
Das Xiaomi 12S Ultra ist ein eindrucksvolles Kamera-Flaggschiff, mit riesigem 1 Zoll Sensor, OIS und Leica Summicron-Objektiv. Trotz des Hypes hat Xiaomi aber die Chance verpasst, das meiste aus der Partnerschaft mit Leica zu holen.
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Das Xiaomi 12S Ultra wurde erst am Montag offiziell vorgestellt. Das Smartphone zeichnet sich vor allem durch den ungewöhnlichen Look aus, der vom gigantischen Kameramodul und der Leder-Rückseite dominiert wird. Letztere ist eine nicht besonders subtile Anspielung auf den Look von Leica-Kameras, während das Kameramodul mit einem von Leica optimierten Objektiv und einem gigantischen Sensor im 1 Zoll Format aufwarten kann.

Xiaomi hat bei der Präsentation des Flaggschiffs viel Zeit aufgewendet, um die beiden Filter "Leica Authentic" und "Leica Vibrant" zu präsentieren – so sollen Fotografen mühelos die berüchtigten "Leica-Farben" erhalten. Auch ein Wasserzeichen mit großem Leica-Logo kann automatisch hinzugefügt werden, damit Nutzer ihre Fotos mit dem Markenzeichen des legendären Kameraherstellers aus Deutschland schmücken können. Bei all diesem Marketing-Rauschen hat Xiaomi aber vergessen, die besten Features einer Leica zu übernehmen.


Denn eine Leica M11 oder auch eine Leica Q2 zeichnen sich nicht nur durch ihre Bildqualität aus, sondern vor allem auch durch das Benutzererlebnis. Die Leica M11 bietet beispielsweise dedizierte Einstellringe für alle drei Belichtungsparameter sowie drei Buttons, die vom Nutzer völlig frei belegt werden können, ein an die Wünsche des Nutzers anpassbares Menü und einen Auslöser, der in zwei Stufen gedrückt werden kann.

Die Kamera-App des Xiaomi 12S Ultra, die im unten eingebetteten Video zu sehen ist, wurde aber recht offensichtlich nicht von den UX-Designern von Leica gestaltet. Stattdessen gleicht die App eher der Kamera-Software anderer Smartphones, mit einer Modus-Auswahl und einem Auslöser am unteren Bildschirmrand, und weiteren Optionen am oberen Bildschirmrand. Die essenziellen Belichtungsparameter weichen Filtern und zahlreichen Automatiken.

Eine derartige App ist für den Massenmarkt zwar notwendig, nachdem Leicas Slogan "Das Wesentliche" bei der Präsentation des Xiaomi 12S Ultra aber mehr als einmal gefallen ist, wäre eine zusätzliche Kamera-App mit einem Fokus auf die wesentlichen Aspekte der Fotografie aber Ehrensache. Von der Philosophie, dem Nutzer nur die Optionen zu zeigen, die er benötigt, und die wenigen Buttons auch noch frei konfigurieren zu lassen, fehlt beim Xiaomi 12S Ultra jede Spur.


Auch ein dedizierter Auslöser fehlt – obwohl das Smartphone im unten eingebetteten Promo-Bild so gehalten wird, als ob einer vorhanden wäre. Die Lautstärke-Buttons sind kein brauchbarer Ersatz – diese sind nicht nur zu schmal und nicht optimal positioniert, sie erkennen auch nicht, wenn sie halb gedrückt werden, wie die Auslöser der meisten Kameras der letzten beiden Dekaden.

Das macht es bei einer "echten" Leica-Kamera möglich, wahlweise den Autofokus, die Belichtung oder beides zu sperren, wenn der Auslöser halb gedrückt wird, was deutlich schneller und intuitiver ist, als die entsprechenden Optionen im Menü der Kamera-App auszuwählen. Die Lösung für dieses Problem wäre denkbar einfach – das Xiaomi 13 Ultra müsste nur einen zusätzlichen Button erhalten, der im besten Fall frei programmierbar ist.


Ein weiterer Aspekt, den Xiaomi nicht bedacht hat, ist das Zubehör. Fotografen, die eine Leica M benutzen, erfreuen sich seit jeher der Möglichkeit, einen Handgriff zu montieren, um die Ergonomie bei langen Shootings zu verbessern. Xiaomi könnte hier beispielsweise einen modernen, magnetisch befestigten Handgriff mit Auslöser anbieten, und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Ein elektronischer Aufstecksucher (EVF) wäre bei einem Smartphone zwar reinster Luxus, aber dennoch eine Innovation, die Bonuspunkte geben würde. Essenzieller und einfacher umzusetzen sind allerdings Ösen, über die eine Handschlaufe oder ein Kameragurt montiert werden können – ein nach innen gelagertes Befestigungssystem, wie man es von Kompaktkameras wie der Ricoh GR III (ca. 890 Euro auf Amazon) kennt, würde kaum Platz benötigen.


Während Xiaomi zweifelsohne viel Zeit und Geld in die Entwicklung des Kamerasystems des Xiaomi 12S Ultra gesteckt hat, wurde offenbar kaum ein Gedanke an das Benutzererlebnis "verschwendet" – Nutzer werden mit Features überladen, das Wesentliche rückt in den Hintergrund.

Das ist keine Überraschung, denn dieser Trend hat sich im Smartphone-Markt seit Jahren etabliert. Die Partnerschaft mit einem Unternehmen wie Leica würde Xiaomi aber eine Chance bieten, nicht nur der Bildqualität der ikonischen Kameras von Leica nachzueifern, sondern auch dem Benutzererlebnis, das für Nutzer einer Leica M11, einer Leica Q2 oder auch einer Leica CL ein nicht unerheblicher Grund ist, nicht doch zu einem günstigeren Konkurrenten zu greifen.

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Kommentar von Hannes Brecher
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Autor: Hannes Brecher,  5.07.2022 (Update:  5.07.2022)