Wozu entwickelt man einen Roboter, der vollständig essbar ist? Schweizer Wissenschaftler der Technischen Hochschule Lausanne haben einen weichen Roboter im Rahmen des EU-finanzierten RoboFood-Projekts ursprünglich entworfen, um Wildschweinen Medikamente, wie etwa Impfstoffe gegen Schweinegrippe, zu verabreichen – denn seine Herstellung ist billig und er ist vollständig biologisch abbaubar.
Der softe Roboter aus weichem Material kann mitsamt Akuatoren und Batterie gekaut und heruntergeschluckt werden, ist dabei aber nicht verdaulich. In der Regel bewegen sich weiche Roboter, indem Luft in ihren Körper hinein- und herausgepumpt wird, wodurch sie sich verformen und Bewegungen erzeugen. So erklärt Hauptautor Bokeon Kwak:
Ein möglicher Anwendungsfall für unser System ist die Fütterung oder Verabreichung von Medikamenten an scheue Tiere wie Wildschweine. Wildschweine werden von lebender, sich bewegender Beute angelockt. In unserem Fall ist es der essbare Aktor, der dies imitiert.
Durch die Anpassung von Faktoren wie Größe, Geruch und Art der Beweglichkeit könnten auch andere Tiere angesprochen werden. Normalerweise sind weiche, verschluckbare Aktuatoren, die mit Gasdruck arbeiten und daher Pumpen benötigen, nicht ohne Kunststoff und Metall herstellbar. Im Falle des vermutlich weltweit ersten zu 100 % essbaren Roboters sind aber selbst die Batterien essbar – diese wurden aus Materialien wie Gelatine und Wachs hergestellt.
Zur Speicherung chemischer Energie werden separate Kammern mit Natron und flüssiger Zitronensäure genutzt. Als Treibmittel wird Kohlendioxid, das in Form von Backpulver gespeichert ist, in die Kammern gepumpt. Eine ebenfalls aus Natron gefertigte Membran sorgt für die Trennung zwischen den Behältern. Die pneumatische Batterie wird aktiviert, indem Druck auf die Membran der Säurekammer ausgeübt wird.
Ist der Druck hoch genug, durchbricht die Säure die Membran und mischt sich mit dem Natron, wodurch eine einfache Säure-Base-Reaktion ausgelöst wird. Bei dieser Reaktion werden CO₂ und Natriumcitrat freigesetzt. Letzteres wird in der Lebensmittelindustrie häufig verwendet und gilt als unschädlich.
Was den Einsatz am Menschen betrifft, so haben Forscher bereits andere Versionen des Aktuators mit Grenadine-Aroma hergestellt und diese an Menschen ausgegeben. Die Kundenerfahrungen werden derzeit analysiert. Weitere technische Details sowie Informationen zu den Anwendungsbereichen sind im Video weiter unten aufgeführt.













