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EMUI: Huaweis Versprechen auf dem Prüfstand

Get fast, stay fast. So lautete das Credo bei der Vorstellung der EMUI 5.0, welche erstmals im Huawei Mate 9 zum Einsatz kam. Huawei versprach im Zuge der Präsentation, auch nach einer 18-monatigen Nutzungsdauer seien keine spürbaren Geschwindigkeitsverluste wahrnehmbar. Grund genug dieses Versprechen zu überprüfen.

Das Huawei Mate 9 war im November 2016 das erste Smartphone der Chinesen, welches mit der neuen Generation der hauseigenen Benutzeroberfläche EMUI 5.0 ausgestattet wurde. Spätere Modelle erhielten die neuere Version 5.1 und mit Google Android 8.0 Oreo hat die Versionsbezeichnung einen Sprung auf EMUI 8.0 gemacht, was für eine einheitliche Nomenklatur sorgen soll und weniger mit einem erweiterten Funktionsumfang erklärt wird. Allen Versionen gemein ist die Stay-Fast-Funktionalität, welche stetig die Geschwindigkeit optimieren und den langfristigen Geschwindigkeitsverlust nahezu ausmerzen soll. Die Entwicklung fand seitens Huawei unter Laborbedingungen mit künstlich gealterten Smartphone-Systemen statt, weshalb wir überprüfen wollten, ob dieses Versprechen auch im Alltag besteht. Wir haben dies anhand des Mate 9 beobachtet und das Smartphone seit seiner Vorstellung als täglichen Begleiter genutzt. Unsere Erfahrungen und Eindrücke wollen wir Ihnen in diesem Artikel schildern.

Huawei nutzt, um diesem Geschwindigkeitsverlust vorzubeugen, das Dateisystem F2FS, welches eine verbesserte Defragmentierung bieten soll, sowie spezielle Algorithmen, die durch Machine-Learning-Prozesse nicht nur die Geschwindigkeit optimieren, sondern auch die Leistung an den Stellen im System erhöhen, an denen sie öfter benötigt wird. Darüber hinaus ist unser Testgerät seiner Zeit das Spitzenmodell von Huawei gewesen und bietet ein schnelles Kirin 960 SoC mit 4 GB LPDDR4-Arbeitsspeicher sowie rasantem UFS-2.1-Speicher. Damit besitzt das Mate 9 bereits beste Voraussetzungen.

Systemupdates zählen oft ebenfalls zu den Leistungskillern. Während unserer Nutzungsdauer von 13 Monaten hat das Smartphone sieben Firmware-Updates unter Android 7.0 Nougat erhalten, welche neben reinem Bugfixing auch Sicherheitsupdates und Feature-Verbesserungen beinhalteten. Rein subjektiv können wir dabei keine Verschlechterung der Systemleistung feststellen. Ein guter Indikator dafür ist das Starten und Aktualisieren von Apps, aber auch in diesem Bereich gibt es keine Beanstandungen unserseits. Vor allem im direkten Vergleich zum Galaxy Note 8, welches in puncto Hardware ebenfalls Spitzenspezifikationen bietet und bei uns ebenfalls seit gut drei Monaten genutzt wird, ist im Alltag ein starker Unterschied festzustellen. Die Installation und Updates von Apps beanspruchen beim Mate 9 spürbar weniger Zeit und Apps stürzen seltener ab.

Huawei Mate 9: AnTuTu nach 13 Monate Nutzungsdauer
AnTuTu
Huawei Mate 9: PCMark for Android Work nach 13 Monate Nutzungsdauer
Work
Huawei Mate 9: PCMark for Android Work 2.0 nach 13 Monate Nutzungsdauer
Work 2.0

Mit Systembenchmarks wollen wir dem Ganzen näher auf den Grund gehen. In dieser Disziplin kann sich das Mate 9 sogar verbessern. Im AnTuTu-Benchmark erreicht es nun 142.765 Punkte, während es zum Zeitpunkt des Tests nur 124.087 Punkte waren. Immerhin ein Plus von rund 15 Prozent. Ähnliches gilt für den PCMark for Android. Der Work-Score steigt von 7.403 auf 7.604 Zähler an (+ 2,7 %). Auch die Akkulaufzeiten haben wir abermals überprüft. Als Referenz haben wir dabei unseren Test „Surfen über WLAN“ herangezogen, welcher über ein Browserskript, bei einer angepassten Displayhelligkeit von 150 cd/m², kontinuierlich neue Webseiten aufruft. Bei diesem sind die Laufzeiten stark gefallen. Von den im Test ermittelten 12 Stunden und 38 Minuten bleiben nach 13 Monaten noch 9 Stunden und 28 Minuten übrig (- 25 %). Dazu sei aber auch angemerkt, dass im Test nicht zahlreiche Messenger permanent im Hintergrund am Akku saugen und die Daten daher nur bedingt vergleichbar sind.

Huawei Mate 9: Google Play Store Fehlercode -501
Huawei Mate 9: Google Play Store Fehlercode -501
Huawei Mate 9: 3DMark unter Android 8.0 Oreo

Unter EMUI 8.0 wollten wir ebenfalls die Systembenchmarks durchführen, doch wird deren Installation seitens Huawei seit der neuen Version blockiert und bei dem Upgrade werden sie sogar vom Smartphone gelöscht, sodass wir keine Werte für AnTuTu und PCMark mit dem aktuellen Betriebssystem liefern können. Wird versucht, eine dieser Apps zu installieren, wird der Vorgang nach dem Download mit einer Fehlermeldung des Google Play Store (Fehlercode: -501) abgebrochen. Das Problem wird auch im Forum von XDA-Developers diskutiert und von anderen Usern bestätigt.

Der 3DMark funktioniert jedoch weiterhin. Der Sling Shot Extreme (OpenGL ES 3.1) liefert nun 2.127 Punkte im Gesamtscore (Grafik: 2.020 Punkte, Physics: 2.610) und damit ein etwas besseres Ergebnis als noch im Test. Exakte Rückschlüsse auf die Systemperformance lassen sich daraus aber nicht ableiten. Auch die Akkulaufzeiten haben wir unter Android 8 nochmals analysiert. Das Mate 9 erreicht im WLAN-Test nun wieder ein besseres Ergebnis und kommt nun auf 11 Stunden und 17 Minuten, was ein Plus von über 18 Prozent gegenüber der Nougat-Version darstellt.

Huaweis Geschwindigkeitsversprechen geht also nahezu auf. Während der Nutzung mit Android 7.0 und EMUI 5.0 lief das System wie geschmiert, erst mit EMUI 8.0 lassen sich erste Verzögerungen feststellen, sie sind im Vergleich zu den Konkurrenzgeräten jedoch relativ gering. Spannend wären sicherlich noch Erfahrungswerte von Mittelklasse- und Einsteiger-Smartphones, welche ebenfalls mit der gleichen Software laufen. Schreiben Sie hierzu gerne Ihre Eindrücke in die Kommentare. 

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Autor: Daniel Schmidt, 23.01.2018 (Update: 29.06.2018)
Daniel Schmidt
Daniel Schmidt - Managing Editor Mobile - @Tellheim
Bereits als kleiner Zwerg fesselte mich mein Commodore 16 und entfachte meinen Enthusiasmus für Computer. Mit meinem ersten Modem surfte ich im Btx und später auch im World Wide Web. Die neuesten Techniktrends haben mich von jeher gefesselt und das gilt vor allem auch für mobile Geräte, wie Smartphones und Tablets. Für Notebookcheck bin ich seit 2013 am Ball und freue mich auf die Neuerungen, die noch kommen und wir für Sie auf Herz und Nieren testen werden.