Ein kurzer Blick auf 10.000-mAh-Powerbanks von Anker und Nitecore – oder: Warum mAh nicht alles sind

Wer eine Powerbank sucht, der findet eine riesige Auswahl an Modellen. Vor allem im Bereich der 10.000-mAh-Akkus gibt es eine schier unendliche Auswahl. Die Powerbanks sind nämlich noch klein und daher auch günstig. Bei uns sind aber in letzter Zeit zwei interessante Modelle angekommen, die zwar nominal beide 10.000 mAh bieten, deren tatsächliche und nutzbare Kapazität sich jedoch deutlich unterscheidet – und beide geben das in ihren Datenblättern auch an. Wir schauen sie uns kurz an. Dies ist allerdings explizit kein Test, auch wenn wir beide in der Praxis genutzt haben.
Gemeint sind die Anker Nano Powerbank (45W, A1259), die es aktuell für rund 43 Euro gibt, und die Nitecore Carbo 10000 Gen2 für stolze 125 Euro. Da fragt man sich natürlich gleich: Warum der große Preisunterschied? Beide bieten 10.000 mAh und Ankers Modell kommt noch mit zusätzlichen Funktionen, wie einem Kabel und einem Display daher. Außerdem hat Anker noch Platz für einen USB-A-Port. Dafür kann Nitecore aber mit deutlich mehr Kapazität aufwarten, ist dank kohlefaserverstärktem Kunststoff (daher der Name Carbo von Carbon) sehr leicht und robust. Beide unterstützen Passthrough-Charging.
Warum Milliamperestunden nur bedingt ein Hinweis auf Kapazität sind
Die Kapazität wird werbewirksam oft in Milliamperestunden oder mAh angegeben. Technisch ist das zwar falsch, die Industrie stört das aber nicht. Zur Verdeutlichung: Die Ecovacs-Akkus für die Deebot-Staubsaugerroboter (600/601) haben nur um die 2.600 mAh, haben aber vergleichbare Kapazität zu den hier vorgestellten Powerbanks. Die beiden Powerbanks zeigen aber, dass sowohl die nutzbare als auch die tatsächliche Kapazität sich sehr unterscheiden.
Fangen wir bei der tatsächlichen Kapazität an. Die liegt in Wattstunden bei 36 Wattstunden. Der technische Aufbau ist: 5.000 mAh bei 7,2 Volt. Daraus ergeben sich die besagten 36 Wattstunden durch eine einfache Multiplikation. Weil der Handel kaum kommunizieren kann, dass zwei 5.000-mAh-Akkus hier in Reihe geschaltet werden, gibt man der Einfachheit halber einfach 10.000 mAh an und nimmt die halbe Spannung: 3,6 Volt.
Das ist auf der Powerbank seitens Anker alles sauber und vorbildlich dokumentiert, auch wenn eine Lupe samt Licht hilfreich ist. Online haben wir aber nicht alle Werte gefunden. Die für die Luftfahrt essentielle Angabe der Wattstunden ist da und es gibt sogar ein Flugzeugsymbol, was die Tauglichkeit bescheinigen soll. Das CCC-Logo fehlt aber, was in China ein Problem ist.
Ähnlich vorbildlich, aber ebenfalls ohne CCC-Logo, ist die Dokumentation bei Nitecore. Doch der Akku arbeitet mit einer höheren Spannung: 3,88 Volt. Dementsprechend liegt die Kapazität bei 38,8 Wattstunden. Der Akku von Nitecore ist also intern acht Prozent größer als der von Anker. Das ist freilich nicht viel.
Warum Rated Power wichtig ist: Das kommt aus dem Akku raus
Beide Hersteller bieten aber vorbildlicherweise auch eine Rated-Power-Angabe an, allerdings auf einen Referenzwert von 5 Volt und einer Entnahme mit 3 Ampere. Demnach bietet der Nitecore-Akku 35 nutzbare Wattstunden (7.000 mAh*5V). Ankers Nano Powerbank kommt nur auf 5.800*5V (ebenfalls bei 3A) und damit auf 29 Wattstunden.
29 Wattstunden vs. 35 Wattstunden sind dann schon ein großer Abstand. Nitecores Carbo 10000 Gen2 hat damit 30 20 Prozent mehr Kapazität, obwohl beide Akkus 10.000 mAh bieten. Da wir Nitecores Modell schon eine Weile haben, konnten wir das in der Praxis auch verifizieren, wenn auch ohne Messwerte. Andere 10.000er-Powerbanks sind schneller leer.
Andere Spannungen, anderes Verhalten
Das Ganze ist aber trotzdem komplexer. Angaben dazu, was bei einer Entnahme bei 20 Volt (Maximum der Anker-Powerbank, 45 Watt) oder 15 Volt (Maximum der Nitecore-Powerbank, 30 Watt) passiert, gibt es nicht. Wenn wir mit beiden Akkus ein Notebook laden, dann wird das Notebook jeweils die maximale Spannung auswählen. Schon das ist vergleichstechnisch ein Problem, zumal auch die Stromstärke variiert. Anker gibt in seiner Anleitung sogar an, dass die Powerbank im schlechtesten Fall nur 5.500 mAh (bezogen auf 3,6 Volt) liefern kann. Das sieht aber nach einem vorsichtigen Allgemeinsatz aus. Unsere Erfahrungen beim Aufladen von Notebooks lassen das bisher nicht erkennen.
Nitecore ist mittlerweile bei neueren Akkus dazu übergegangen, zwei Werte für die Rated Power anzugeben. Etwa bei der NB10000 Gen4. Dessen zwei Werte zeigen zumindest: Je stärker die Powerbank belastet wird, desto ineffizienter wird sie. Daher kann die NB10000 Gen4 auf Wunsch gedrosselt werden, um möglichst viele Wattstunden herauszubekommen. Wir gehen aber davon aus, dass diese Angaben nur dann gemacht werden, wenn es einen Ecomodus gibt. Keine der beiden Powerbanks in diesem ersten Blick bietet diesen.
Fazit: Ein genauer Blick lohnt sich – auch auf die Ausstattung
Was man von diesem kurzen Blick auf die beiden Powerbanks mitnehmen kann: Ein genauer Blick ins Datenblatt lohnt sich schon. Und der zeigt, dass zwischen Powerbanks mit scheinbar gleichen Kapazitäten (vermarktet mit dem Wert Milliamperestunden), sich völlig unterschiedlich verhalten können. In diesem Fall liegt die Nitecore-Powerbank mit 20 Prozent vorne.
Aber das kommt zu einem hohen Preis, schließlich kostet die Nitecore-Powerbank gut das Dreifache der Anker-Powerbank, die uns bisher einfach von der Handhabung besser gefällt. Die hat ein Display mit klaren Informationen zu den ausgehandelten Wattwerten und eine Zyklus- sowie grobe Temperaturanzeige als Balken. Und selbst störrische Notebooks, wie unser Fujitsu Lifebook U729, lassen sich mit etwas Geduld mit der Nano-Powerbank aufladen.
Dafür ist die Nitecore-Powerbank leichter: 171 Gramm statt 228 auf unserer Waage. Freilich mit aufrollbarem USB-Kabel und Trageschlaufe bei der Anker-Powerbank. 15 bis 20 Gramm muss man also noch gutschreiben, außer man hat ohnehin immer Kabel dabei. Das Nitecore-Modell bleibt zudem kühler. Die Hitze wird vor allem über die orangenen Kühlelemente abgegeben, die nach innen gebogen sind. Man merkt, dass sie wärmer sind, kommt aber nur schlecht an die kühlenden Elemente heran.
Nitecores Powerbank ist näher an dem technisch Machbaren. Entsprechend ist die Nitecore-Powerbank auch bepreist. Gut, das Dreifache des Anker-Modells sind schon nicht ohne. Zumal auch Anker beim Faktor 3 liegt, nämlich zu Noname-Powerbanks, mit denen wir uns sicher nicht wohl fühlen würden. Denn da würde es einen öffentlichkeitswirksamen Rückruf für den Fall von Problemen eher nicht geben. Anker hat hingegen bewiesen, dass Powerbanks bei bekannten Problemen sehr fix zurückgerufen werden.
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Quelle(n)
Eigene Recherchen





