Ein kurzer Blick: Mit SD Express statt Sony Tough und Lexar Armor der Speicherkrise trotzen?

Wer eine schnelle und robuste SD-Karte sucht, der kommt seit einer Woche nicht mehr aus dem Staunen heraus. Denn insbesondere im Fotografiesektor schlug die Nachricht, dass Sony seine Tough-Serie einstellt, gehörig ein. Binnen Stunden konnten wir beispielsweise bei Amazon beobachten, wie insbesondere die Lexar Armor Silver sich mit 256 GByte in Richtung 200 Euro bewegte. Mittlerweile ist sie bei Amazon Deutschland sogar ausverkauft und die Lexar Armor Gold fast genauso teuer. Die Sony Tough der G-Serie liegt sogar bei deutlich über 300 Euro.
Viel Geld für die kleinen Speicherkarten, auch wenn sie im oberen Performance-Bereich ansiedeln. Alle drei Karten sind UHS-II-Karten und robust. Die Lexar-Karten bestehen sogar aus Metall. Der Autor dieser Zeilen hat diese Karten auch im Einsatz. Eine Sony Tough mit 128 GByte und eine Lexar Armor Silver mit 256 GByte. Angesichts der Preise stellte sich aber die Frage: Wie kommt man an eine weiterhin zumindest schnell auslesbare Karte?
Die potenzielle Antwort: SD Express. Wir haben die MicroSD-Express-Karten, ideal für die Switch 2, bereits ausführlich getestet. Doch die Karten sind eher auf der günstigen und unpraktischen Seite. Eine 512-GByte-Karte kostet aktuell rund 100 Euro. Die Leistungen sind zwar gut, aber die Vorstellung, damit in einer Kamera rumzuhantieren, sorgt nicht gerade für Begeisterung. Eine MicroSD-Express aus Metall ist übrigens nicht möglich, wie uns Lexar vor einiger Zeit schon sagte.
Wir kaufen eine SD-Express-Karte von Adata
Jetzt bietet es sich also an, mal eine große Karte mit SD-Express-Interface kurz anzutesten. Zum einen, um die hohen Speicherpreise zu vermeiden und zum anderen, um trotzdem eine schnelle Karte zu haben. Es wurde also fix eine Adata Premier Extreme SDXC SD8.0 bei Alternate für rund 185 Euro inklusive Versandkosten bestellt. Alternate ist einer der wenigen Händler, die überhaupt große SD-Express-Karten listen. Selbst Amazon hat keine und bei Media Markt und Saturn braucht man nicht mal versuchen, etwas technisch Ungewöhnliches zu finden.
Die SD-8.0-Karte von Adata ist übrigens billiger als die gleich große SD-7.0-Karte, die etwas besser verfügbar ist. Wir griffen also auf die neuere Karte zurück. Die Karte dürfte für die Zukunft besser sein, ist sie doch eine Karte des Typs Dual Lane PCIe 4.0 und hat daher drei Pin-Reihen auf der Rückseite (PDF-Whtepaper der SD Association).
Das Versprechen sind stolze 1.600 MByte/s lesend und 1.200 MByte/s schreibend. Um das gleich vorwegzunehmen: Das Lesegerät, das wir schon beim MicroSD-Express-Test verwendeten, der Sandisk Pro-Reader SD Express Dual Card, hat nur zwei Pin-Reihen, wie ein Blick mit der Taschenlampe in den Schacht offenbarte. Sandisk dokumentiert dies leider überhaupt nicht auf seiner Webseite.
Die Karte wird daher mindestens auf die Hälfte ausbremst, was durch unsere kurzen Benchmarks auch bestätigt wurde. Für den praktischen Test hat das nur die Relevanz, dass wir irgendwann einmal die Karte vermutlich noch schneller auslesen können.
Sehr schnell beim Arbeiten
Für den kurzen Test haben wir alle drei Karten mit dem Crystal Disk Mark durchgetestet. Einmal im SD-Express-Leser von Sandisk – die UHS-II-Karten werden hier auf UHS-I heruntergebremst – und einmal im Lexar-UHS-II-Kartenleser. Bei letzterem wird die SD-Express-Karte auf UHS-I heruntergebremst.
Die Tests zeigen deutlich: Im Lexar-UHS-II-Leser zeigen die Sony Tough und die Lexar Armor, was sie können. Die Adata ist im UHS-I-Modus hingegen nichts Besonderes:
Erst im Lesegerät von Sandisk zeigt die Adata-Karte, was sie kann, obwohl sie massiv ausgebremst wird. 800 MByte/s in der Spitze sind dennoch beeindruckend in dem Formfaktor:
Zu beachten ist, dass die hier ermittelten Testwerte nicht mit denen des MicroSD-Express-Tests vergleichbar sind. Es ist eine weniger kontrollierte Umgebung gewesen und es wurde mit dem Ziel getestet, was der Wechsel der Technik in der Praxis bedeutet. Zudem haben wir Crystal Disk Mark nicht nach jedem Test neu gestartet, weswegen die Kapazitätswechsel nicht erkannt wurden.
Datentransfers per SD Express sind sehr schnell
Am Ende interessierte uns noch, wie lange ein Datentransfer dauern würde. Die Raw-Dateien von unserer Nikon Z50 sind in der Regel etwas über 25 MByte groß und wir haben 378 Dateien in einem Rutsch übertragen wollen. Dabei nutzten wir jeweils das ideale Lesegerät.
Sony Tough und Lexar Armor landeten also in dem Lexar-Lesegerät. Erwartungsgemäß gewinnt die Sony Tough hier. Nach 1:03 Minuten war der Transfer abgeschlossen. Als Zweites transferierten wir dann dieselben Dateien von der Lexar Armor: Diese Karte brauchte 1:26 Minuten.
Die Adata deklassierte dies im Sandisk-Reader klar. Nach 31 Sekunden war der Transfer unter Windows beendet. Beim Kopieren auf die SD-Karte brauchten wir übrigens 35 Sekunden. Der Wert ist aber nicht sonderlich relevant, da es nach unserem Wissen keine SD-Express-Kameras gibt.
Fazit: Ein Umweg, der sich durchaus lohnen kann
Lohnt sich also die SD-Express-Karte, obwohl dafür noch ein spezielles Lesegerät angeschafft werden muss? Wer nicht allzu hohe Anforderungen beim Fotografieren hat, also etwa möglichst schnell Serienaufnahmen auf die Karte wegspeichern muss, der dürfte durch den Wechsel auf SD Express beim Schießen nicht sonderlich viel merken. In unserem Fall hatte die Sony Tough sogar Probleme beim Wegspeichern. Wir vermuten hier ein Fragmentierungsproblem, denn die Karte war sehr voll.
Den Unterschied beim Übertragen auf den Rechner merkt man hingegen sehr deutlich. Das reine Kopieren über einen Dateimanager des letzten Shootings braucht weniger als die Hälfte der Zeit. Und auch der Import mit Capture One, was ohnehin nicht sonderlich effizient beim Importieren voller SD-Karten ist, lief im SD-Express-Modus spürbar schneller.
Ein Nachteil bleibt aber. Robust wirkt die Adata-Karte nämlich nicht. Sie fühlt sich wie eine reguläre SD-Karte an und entsprechend würden wir empfehlen, mit der Karte von Adata vorsichtig umzugehen. Es ist weder eine Tough- noch eine Armor-Karte, mit denen man nicht so vorsichtig sein muss. Außerdem hat die Adata noch den mechanischen Schreibschutzschieber. Beim vorsichtigen anbiegen fiel uns auch schnell auf, dass die Karte wohl nicht viel Widerstand bieten wird. Uns fehlen aber schlicht die Langzeiterfahrungen mit der Adata-Karte.
Für die Adata-Karte spricht daher – trotz des Technikwechsels – vor allem das preisliche Verhältnis zur Leseleistung. Und die ist enorm, obwohl wir kein PCIe-4.0-Dual-Lane-Reader haben und die Karte in diesem Test mutmaßlich auf die Hälfte gebremst wurde.

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Quelle(n)
Eigene Recherchen
















