Elektrischer VW California mit 2-kW-Steckdosen und Matratze ist günstiger als Dieselmodell

Volkswagen hat den legendären California-Campervan endlich als Elektrofahrzeug auf die Straße gebracht. Der auf dem Düsseldorfer Caravan Salon vorgestellte elektrische ID. California Cruise basiert auf der Pro-Plattform des ID. Buzz und ist mit kurzem oder langem Radstand erhältlich. Damit ist erstmals die ikonische Hippie-Baureihe komplett ohne Verbrennungsmotor unterwegs und bietet eine Reichweite von mehr als 480 km mit einer Akkuladung.
Optisch verraten lediglich die entsprechende Beschriftung an der Heckklappe und die „California Cruise“-Aufkleber an den Seiten, dass es sich um den ersten elektrischen Campervan von VW und nicht um einen gewöhnlichen Buzz handelt.
Für die Übernachtung können die Besitzer die Belüftungsöffnungen an den vorderen Fenstern oder Verdunkelungsvorhänge anbringen und anschließend die klappbare Matratze auf der hinteren Liegefläche ausbreiten. Sie ist 8,9 cm dick und misst 203 x 120 cm, sodass zwei Personen darauf schlafen können – auch wenn sie nicht zu den geräumigsten Schlafplätzen im Campervan-Segment gehört.
Reichweite und Ausstattung des VW ID. California Cruise
Volkswagen hat dem elektrischen California einige clevere Funktionen spendiert. So kann die Batterie beispielsweise bis zu 48 Stunden lang die Innenbeleuchtung, USB-Anschlüsse und die Klimaanlage mit Strom versorgen. Wie lange dies tatsächlich möglich ist, hängt vom Ladezustand des Akkus und der Umgebungstemperatur ab.
Der elektrische Campervan ist mit den beiden Batterievarianten des ID. Buzz mit 79 kWh beziehungsweise 86 kWh ausgestattet. Damit erreicht er nach dem WLTP-Zyklus eine Reichweite von 402 bis 499 km. Der WLTP-Testzyklus fällt damit etwa 10 bis 15 Prozent großzügiger aus als das in den USA verwendete EPA-Testverfahren.
Ebenfalls an Bord ist die im Campingsegment inzwischen obligatorische Vehicle-to-Load-Funktion (V2L). Sie kann über verschiedene Steckdosen bis zu 2.000 Watt bereitstellen, wodurch sich der VW-Bus in eine mobile Powerstation verwandelt, die beispielsweise eine Kaffeemaschine, eine Kühlbox oder sogar ein Induktionskochfeld betreiben kann.
Sobald der Akku einen Ladestand von 20 Prozent erreicht, wird der Campingmodus deaktiviert. So soll sichergestellt werden, dass die Insassen noch eine Ladestation erreichen können, falls sie den Stromverbrauch nicht im Blick behalten haben. Allein das sorgt für eine angenehme Abwechslung zum vertrauten Lärm eines benzinbetriebenen Generators auf dem Campingplatz.
VW bietet außerdem einen platzsparend verstauten Tisch und Stühle für zusätzlichen Campingkomfort an. Die charakteristischen Sitzbezüge im „Miwo“-Muster runden das spezielle California-Camper-Paket ab.
Preis und Erscheinungstermin des ID. California Cruise
Der vollelektrische California kostet vergleichsweise moderate 60.761 Euro und kann ab Anfang 2027 bestellt werden. Das ist angesichts der Ausstattung ein recht attraktiver Preis, zumal die beliebte Dieselversion 10 Prozent mehr kostet und gleichzeitig weniger Funktionen bietet.
US-Käufer erhalten allerdings nicht genau diese Variante, sondern den ID. Buzz Tourer 4Motion, der ähnliche campingtaugliche Ausstattungsmerkmale bietet. Das ist insofern schade, als der Name California eine lange Geschichte hat, die bis zu den ursprünglichen luftgekühlten Typ-2-Westfalia-Umbauten der 1950er- und 1960er-Jahre zurückreicht.
Die Campingbusse von Volkswagen sind zu kulturellen Ikonen geworden und stehen für Roadtrips, Surfkultur und Vanlife – lange bevor diese Begriffe durch TikTok-Influencer populär wurden. Auch restaurierte California-Camper aus den 1980er-Jahren sind weiterhin gefragt und erzielen hohe Preise. Die Generationen T3, T4, T5 und T6 führten dieses Erbe in den folgenden Jahrzehnten fort. Jede brachte eigene California-Varianten hervor, die von Campern auf der ganzen Welt geschätzt wurden und zahlreiche individuelle Umbauten inspirierten.
Die Elektrifizierung auf Basis des ID. Buzz passt daher durchaus zum California-Konzept – vielleicht hätte Volkswagen diesen Schritt sogar schon früher gehen sollen. Der angeschlagene Autobauer stellt inzwischen weitere elektrische California-Modelle für 2028 in Aussicht. Mit dem Cruise-Campervan könnte Volkswagen also gerade erst damit beginnen, zu dieser Entwicklung aufzuschließen.






