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Frame Generation ist dann eine sinnvolle Funktion, wenn sie gezielt eingesetzt wird – als ergänzendes Feature zur Steigerung der Bildrate, nicht als Allheilmittel, das lediglich die Zahlen schöner aussehen lässt.
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Frame Generation steigert die FPS – aber zu welchem Preis?

Frame Generation kann die FPS um das Drei- bis Vierfache steigern – aber verbessert sie auch wirklich die Reaktionsfähigkeit? Höhere Bildraten können Latenzen und ungleichmäßige Frametimes kaschieren, wodurch sich die tatsächliche Leistung schwerer beurteilen lässt. Auf leistungsschwächerer Hardware kann das hilfreich sein, entscheidend bleibt aber nach wie vor die native Performance.
Anubhav Sharma, 👁 Anubhav Sharma (übersetzt von Marius Müller) Veröffentlicht am 🇺🇸 🇪🇸 ...
Opinion / Kommentar Gaming Geforce AMD
Kommentar von Anubhav Sharma
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Sowohl Nvidia als auch AMD bauen schon seit einiger Zeit mit Nachdruck KI-gestützte Frame Generation in ihre Grafiktechnologien ein. Mit DLSS 5 hat Nvidia zuletzt die nächste Ankündigung geliefert, die im Netz für viel Aufmerksamkeit sorgt. Laut offiziellen Angaben kann DLSS Multi-Frame Generation (MFG) für jedes echte Bild bis zu drei bis fünf synthetische Frames erzeugen, wodurch sich die effektive Bildrate im Vergleich zum klassischen Rendering um „bis zu 8ד vervielfachen soll.

In der Praxis bestätigen unabhängige Tests ebenfalls deutliche Zugewinne bei der Framerate. In unserer früheren Berichterstattung (auf englisch) hieß es etwa, dass 4×-Frame-Generation auf Intels Arc B580 oder A770 die FPS in Spielen wie Battlefield 6 ungefähr verdoppelt oder sogar mehr als verdoppelt hat. Auch AMDs interne Benchmarks zeigen mit FSR 3.1 Frame Generation rund 2,5- bis 3,6-mal höhere FPS in realen Spielen, etwa 3,6× in Ratchet & Clank. Frame Generation ist inzwischen in vielen High-End-PC-Spielen angekommen und funktioniert über DLSS, FSR und Intels kommendes Xe Frame Gen sogar auf älteren GPUs.

Benchmarks zeigen am besten, wie groß diese Leistungszuwächse tatsächlich ausfallen können. Nvidia wirbt bei DLSS MFG mit einem Faktor von 8×, und unsere Daten stützen das: Mit aktiviertem 4× MFG stieg die Bildrate eines RTX-5090-Laptops in Battlefield 6 von rund 83 FPS auf etwa 219 FPS (4K, Ultra-Einstellungen). Intels XeSS 3.0 MFG bescherte der Arc B580 in Titeln wie Battlefield 6 FPS-Zuwächse von mehr als 200 Prozent. AMD meldet ähnliche Sprünge: In Ghost of Tsushima erreichte die RX-7000-Serie mit FSR 3.1 Frame Generation beispielsweise etwa die 3,1-fache Bildrate. Kurz gesagt: Gerade in schnellen Spielen werden mit diesen Technologien problemlos Frameraten im Hunderterbereich erreicht – deutlich mehr, als allein durch rohe GPU-Leistung möglich wäre.

Viele Analysten warnen, dass diese auffälligen FPS-Werte nicht die ganze Wahrheit erzählen. Frame Generation erhöht grundsätzlich die Bildlatenz: Jedes zusätzlich interpolierte Bild bringt eine gewisse Verzögerung mit sich. Die Technik kann die grundlegende Eingabeverzögerung nicht verringern, sondern nur die angezeigte Bildrate erhöhen. Die Reaktionsfähigkeit bleibt daher an die ursprüngliche Aktualisierungsrate gebunden. Anders gesagt: Die Spielschleife läuft weiterhin mit ihrer nativen Geschwindigkeit, auch wenn der Monitor viermal so viele Bilder anzeigt. Tools wie CapFrameX zeigen, dass sich Kennzahlen wie die Konstanz der Frametimes und die 1%-Lows unter Frame Generation verschlechtern können, selbst wenn die durchschnittlichen FPS stark ansteigen. 

Besonders relevant wird das in Spielen, die auf schnelle Eingaben angewiesen sind. In kompetitiven oder reflexbasierten Titeln wie Counter-Strike kann die zusätzliche Latenz durch Frame Generation Spieleraktionen leicht verzögern, was sich negativ auf das Spielgefühl auswirken kann.

Darüber hinaus hat die Entwicklung auch Folgen dafür, wie Spiele heute optimiert werden. Je verbreiteter Frame Generation wird, desto mehr deutet sich an, dass manche Titel bereits mit solchen Technologien im Hinterkopf entwickelt werden. Statt auf eine starke native Leistung zu setzen, können Entwickler auf Upscaling und Frame-Interpolation zurückgreifen, um höhere Bildraten zu erreichen. Dadurch wird es schwieriger, die rohe Leistung unterschiedlicher Hardware objektiv zu bewerten – vor allem dann, wenn GPUs miteinander verglichen werden, die nicht über vergleichbare Funktionen verfügen.

3.840 x 2.160, Overkill Einstellungen DLSS Qualität DLSS Qualität + MFGx2 DLSS Qualität + MFGx4
GeForce RTX 5090 Laptop 83 FPS 132 FPS 219 FPS
GeForce RTX 5080 Laptop 67 FPS 109 FPS 182 FPS
Frametimes: DLSS Qualität @ RTX 5090 Laptop (4K, Overkill)
Frametimes: DLSS Qualität @ RTX 5090 Laptop (4K, Overkill)
Frametimes: DLSS Qualität + MFGx2 @ RTX 5090 Laptop (4K, Overkill)
Frametimes: DLSS Qualität + MFGx2 @ RTX 5090 Laptop (4K, Overkill)
Frametimes: DLSS Qualität + MFGx4 @ RTX 5090 Laptop (4K, Overkill)
Frametimes: DLSS Qualität + MFGx4 @ RTX 5090 Laptop (4K, Overkill)

Das heißt aber nicht, dass Frame Generation keinen Nutzen hätte. Sie kann das wahrgenommene Spielgefühl deutlich verbessern, vor allem in hohen Auflösungen, bei denen das native Rendering wesentlich anspruchsvoller ist. In Singleplayer-Spielen oder eher langsameren Spielerfahrungen ist dieser Kompromiss oft akzeptabel und in manchen Fällen sogar tatsächlich vorteilhaft. Das Problem ist also nicht die Technologie selbst, sondern die Art, wie ihre Ergebnisse interpretiert werden. Auch für leistungsschwächere Hardware ist sie durchaus sinnvoll, etwa für Gaming-Handhelds wie den Asus ROG Xbox Ally, der aktuell bei Amazon rund 590 Euro kostet. In solchen Szenarien kann Frame Generation Spiele flüssiger und besser spielbar wirken lassen, ohne dass dafür deutlich stärkere Hardware nötig ist.

Auch Benchmarks und Tests mahnen zur Vorsicht: Verlassen sollte man sich nicht allein auf die FPS. Um die tatsächliche Leistung einzuschätzen, sollten detaillierte Tools genutzt werden, die Frametimes und die Input-to-Photon-Latenz messen, etwa Nvidia FrameView oder Intel PresentMon. Entscheidend sind nicht nur die Durchschnitts-FPS, sondern auch 1%-Lows und Latenzdiagramme. Für kompetitives Gaming bleiben aktivierte Technologien wie Reflex oder Anti-Lag sowie eine hohe native Bildrate besonders wichtig. Frame Generation sollte daher als Zusatzfunktion betrachtet werden, die Zahlen nach oben treibt – nicht als Allheilmittel.

Quelle(n)

Notebookcheck Tests, Nvidia, AMD, Tom's Hardware, Wccftech, r/nvidia

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Autor: Anubhav Sharma, 18.03.2026 (Update: 18.03.2026)