Huawei Watch 6 Pro: Virtueller Powermeter liefert Wattwerte beim Radfahren ohne zusätzliche Sensoren

Wer beim Radfahren seine Leistung in Watt erfassen möchte, benötigt normalerweise einen entsprechenden Sensor. Solche Powermeter sitzen beispielsweise an den Pedalen oder der Kurbel und messen die tatsächlich erbrachte mechanische Leistung. Die Huawei Watch 6 Pro Space Edition geht einen anderen Weg: Sie stellt in der Huawei-Health-App eine virtuelle Leistungsmessung bereit, für die keine zusätzliche Hardware am Fahrrad erforderlich ist.
Bei unserer Testfahrt über 9,37 Kilometer zeichnet die Smartwatch eine durchschnittliche virtuelle Leistung von 91 Watt auf. Als Spitzenwert werden sogar 506 Watt ausgewiesen. Die Fahrt dauert 42 Minuten und 57 Sekunden, die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt bei 13,09 km/h. Mit 27 km/h fällt die höchste aufgezeichnete Geschwindigkeit deutlich höher aus.
Die virtuelle Leistung wird über den gesamten Trainingsverlauf als Diagramm dargestellt. So lassen sich Phasen mit höherer und niedrigerer geschätzter Belastung erkennen. Besonders interessant ist das für Freizeitradler, die bislang keine Leistungsdaten zur Verfügung hatten.
Neben der Leistung berechnet Huawei Health eine virtuelle Kadenz. Sie gibt an, wie oft sich die Kurbel pro Minute dreht. Auf unserer Testfahrt weist die App durchschnittlich 66 Umdrehungen pro Minute aus, der Maximalwert liegt bei 98 Umdrehungen. Auch hierfür war kein separater Sensor am Fahrrad montiert. Die Werte sind deshalb als Schätzungen zu verstehen und nicht mit einer direkten Messung gleichzusetzen. Das gilt insbesondere bei wechselnden Fahrsituationen, etwa beim Rollenlassen, Anfahren oder bei häufigen Gangwechseln.
Die entscheidende Frage ist, wie genau die virtuelle Leistungsmessung arbeitet. Anders als ein echter Powermeter kann die Smartwatch die Kraftübertragung auf den Antrieb nicht unmittelbar erfassen. Stattdessen muss sie die Leistung anhand verfügbarer Bewegungs- und Streckendaten abschätzen. Dabei können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, darunter Geschwindigkeit, Steigung und die hinterlegten Angaben zum Fahrer. Auch Wind und Rollwiderstand beeinflussen den tatsächlichen Leistungsbedarf beim Radfahren, lassen sich ohne zusätzliche Sensorik aber nur eingeschränkt berücksichtigen.
Unsere Testfahrt zeigt zudem eine mögliche Schwachstelle: Bei der Auswertung der Höhenmeter weichen die Ergebnisse der Huawei Watch 6 Pro und einer parallel verwendeten Garmin-Uhr deutlich voneinander ab. Während Garmin 36 Höhenmeter ermittelt, kommt Huawei auf 81 Höhenmeter. Wie stark sich diese Differenz auf die virtuelle Leistungsberechnung auswirkt, lässt sich daraus allerdings nicht bestimmen. Auch der angezeigte Spitzenwert von 506 Watt sollte daher nicht überinterpretiert werden. Ein kurzer hoher Ausschlag im Diagramm belegt noch nicht, dass tatsächlich eine entsprechende Leistung auf die Pedale gebracht wurde.
Da uns für diese Fahrt kein echter Powermeter als Referenz zur Verfügung stand, können wir weder die durchschnittlichen 91 Watt noch den Maximalwert auf ihre Genauigkeit überprüfen.
Die virtuelle Leistungsmessung der Huawei Watch 6 Pro Space Edition (hier bei Amazon kaufen) ist ein praktisches Zusatzfeature. Gerade für Gelegenheitsradler kann es interessant sein, neben Geschwindigkeit und Herzfrequenz auch einen geschätzten Wattwert zu sehen. Die virtuelle Trittfrequenz erweitert die Auswertung zusätzlich.
Allerdings bleibt die Aussagekraft begrenzt. Ohne Vergleich mit einem echten Powermeter lässt sich die Genauigkeit nicht abschließend beurteilen. Wer gezielt nach Leistungszonen trainiert oder seine Fortschritte anhand möglichst exakter Wattwerte verfolgen möchte, sollte weiterhin auf einen dedizierten Leistungsmesser setzen.









