Seit dem Aufkommen von ChatGPT im November 2022 wird heftig darüber diskutiert, ob Künstliche Intelligenz ganze Berufsfelder gefährden und Millionen von Menschen ihre Jobs kosten könnte. Eine neue Studie der Yale University, veröffentlicht am 1. Oktober 2025 von Martha Gimbel, Molly Kinder, Joshua Kendall und Maddie Lee, widerspricht den Befürchtungen – zumindest vorerst. Trotz rasanter Verbreitung generativer KI sind bislang keine klaren Anzeichen für Massenarbeitslosigkeit oder dramatische Strukturbrüche am US-Arbeitsmarkt zu erkennen, so die Studienergebnisse.
Die Forscher untersuchten 33 Monate nach der Einführung von ChatGPT, ob sich die berufliche Struktur schneller verändert als bei früheren technologischen Umwälzungen wie PC oder Internet. Zum Vergleich zogen sie drei historische Phasen heran: die PC-Ära (1984–1989), den Internetboom (1996–2002) und eine Kontrollperiode (2016–2019). Grundlage bildeten CPS-Daten, Expositionsdaten von OpenAI sowie Nutzungsdaten von Anthropic.
Vorsichtig gesagt: Alles noch im Rahmen
Das Ergebnis fällt nüchtern aus: Zwar lassen sich leichte Veränderungen im beruflichen Strukturmix feststellen, sollen sich aber im Rahmen historischer Entwicklungen bewegen. Auch in Sektoren mit hohem KI-Aufkommen – etwa in der Informations- und Finanzwirtschaft – sind keine eindeutigen KI-bedingten Jobverluste erkennbar, so die Autoren.
Besonders im Fokus standen junge Berufseinsteiger. Bei Hochschulabsolventen zwischen 20 und 24 Jahren zeigen sich etwas stärkere Verschiebungen im Berufsmuster, doch hier bleiben die Ursachen unklar. Aufgrund der kleinen Strichproben und allgemeiner Marktdynamiken ist es schwer zu sagen, ob diese Veränderungen auf KI zurückzuführen sind. Insgesamt bleiben die Autoren vorsichtig mit ihren Aussagen und betonen die Grenzen ihrer Untersuchung: Expositionsdaten beruhen auf theoretischen Modellen, während echte Nutzungsdaten kaum verfügbar sind. KI-Firmen werden aufgefordert, umfassendere Daten auch auf Unternehmensebene transparent bereitzustellen.
Auswirkungen erst in Jahren
Im historischen Vergleich relativiert die Studie die aktuelle Debatte Jobverluste durch KI: Technologische Umwälzungen wie Computer oder Internet beeinflussten den Arbeitsmarkt meist erst nach Jahren oder gar Jahrzehnten spürbar. Die Forscher halten es daher für unrealistisch, sofortige Auswirkungen durch KI zu erwarten.
Reddit ist ungläubig
In einem viel diskutierten Thread auf Reddit (r/technology) ist man skeptisch. Viele Nutzer werfen der Studie Weltfremdheit vor und berichten von realen Entlassungen, veränderten Erwartungen an Produktivität oder ausbleibenden Neueinstellungen. Die am häufigsten geäußerten Kritikpunkte: die kurze Zeitspanne von 33 Monaten, fehlende repräsentative Nutzungsdaten und ein generelles Vertrauensdefizit gegenüber solchen Studien.











