Nvidia-Deal mit Bundesregierung: Wer profitiert, was sind die Hintergründe?

Auf dem „Invest in Germany"-Gipfel“ hat die Bundesregierung zusammen mit Nvidia am Abend des 19. Oktober eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz unterschrieben. Zu konkreten Zahlen machte die Bundesregierung jedoch keine Angaben.
Bisherige Zusammenarbeit der Industrie mit Nvidia
Die Zusammenarbeit mit der Bundesregierung folgt dabei auch auf bereits bestehende Projekte von Nvidia mit der deutschen Industrie. Vor allem baut es auf der Industrial AI Cloud der Telekom auf, ein Rechenleistungszentrum für Künstliche Intelligenz, das die Telekom zusammen mit Nvidia und dem Datacenter-Partner Polarise für 1 mrd Euro in München aufgebaut hat. Hier stellt die Telekom KI- und Datenserver für Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie dem öffentlichen Sektor zur Verfügung. (Telekom)
Die öffentliche Zusammenarbeit erfolgt aber auch auf Basis des Projektes SOOFI (Sovereign Open Source Foundation Models) des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. An dem Projekt sind neben dem Bund (20 mio Euro Projektfördergeld) verschiedene Forschungseinrichgtungen wie das Fraunhofer Institut, die Leibniz Universität Hannover, die Berliner Hochschule für Technik und weitere beteiligt. Hier soll ein größeres KI-Sprachmodell, das der Wirtschaft und Gesellschaft als Open-Source zur Verfügung gestellt wird. Im August wurde ein erstes kleines LLM vorgestellt, das SOOFI S mit 30 Milliarden Parameter und rund 27 Billionen Trainig-Tokens. Größere Modelle sollen folgen, womöglich auch ein kommender Förderschwerpunkt. (dfki)
Worum geht es?
In der neuen Absichtserklärung geht es voraussichtlich um zwei neue Schwerpunkte: Erstens um industrielle KI-Modelle und zweitens um „Physical AI“ für Roboter, autonome Fahrzeuge und Fabriken.
Konkret sollen im Projekt SOOFI weitere KI-Modelle entwickelt werden, das bestehende Modellprojekt war offiziell im Sommer 2026 zu Ende finanziert und soll nun weitergehen. Neben verschiedenen Forschungseinrichtungen arbeitete das Berliner KI-Unternehmen Merantix Momentum am SOOFI-KI-Modell mit. Daneben soll mit Hilfe von Nvidia Physical AI in Deutschland entwickelt werden, also KI für Roboter, Simulationen und autonome Systeme.
Was steuert Nvidia bei?
Nvidia steuert vor allem die wichtigen Blackwell-Chips, aber auch Ingenieure für die Zusammenarbeit, Software (Cuda, Werkzeuge), technisches Know-How sowie das Ökosystem und Industrie- und Forschungspartner bei. Die Bundesregierung setzt dabei auch auf die offenen (aber nicht unabhängigen) Nvidia-Modelle wie Nemotron und Cosmos.
Was hat Nvidia davon?
Nvidia hat eigenen Angaben zufolge bereits 4 mrd Euro an Investitionen „in Deutschland“ getätigt. Dazu zählen bislang vor allem private Partnerschaften mit der Telekom und SAP (KI-Rechenzentren), Mercedes (autonomes Fahren), Siemens (autonome Fabriken), Agile Robots (Robotik) und viele weitere. Daneben hält Nvidia Start-Up-Beteiligungen u.a. an n8n (n8n), Neura Robotics (Neura Robotics) und Black Forest Labs (Globenewswire).
Durch den Deal mit der Bundesregierung werden diese Beteiligungen durch Einbeziehung in die neuen Projekte weiter gestärkt und durch Bundesmittel mitfinanziert und ausgebaut. Daneben stärkt Nvidia die Nachfrage an den eigenen Chips, verbreitet die eigene KI-Hard- und -softwareplattform, erwirbt sich Zugang zum industriellen KI-Ökosystem.
Wird Deutschland dadurch nicht weiter abhängig von US-Produkten?
Die deutsche KI-Entwicklung wird auf US-Chips laufen und auch Nvidia-KI-Modelle wie Nemotron und Cosmos kommen zum Einsatz. Dabei geht es nicht nur um die Hardware, sondern mit CUDA und den darauf abgestimmten Werkzeugen auch um die komplette Softwarestruktur.
Nvidia ist KI-Monopolist und hat nun einmal nicht nur die besten Chips, sondern vor allem das größte Know-How im Bereich KI. Und genau das möchte sich der Bund für die heimische Industrie aneignen und daraus im Besten Fall eigene Modelle und Infrastruktur zu schaffen.
Längerfristig heißt das Ziel eigene Open-Source-Modelle, aber mittelfristig bindet man sich an einen US-Hersteller. Ob später ein Anbieterwechsel gelingen kann, dürfte zumindest fraglich sein. Aber die Hoffnung auf Nvidias Know-How soll den immensen Rückstand Europas bei der KI-Entwicklung verringern. Ein Wechsel zu anderen Chipanbietern liegt sowieso in weiter Ferne. Eine Abhängigkeit ist damit, vor allem zu Anfang, aber gegeben und wird gestärkt.
Zusammenfassung
In Zukunft will die Bunderegierung KI-Entwicklung in Deutschland fördern und dafür auch alternative KI-Modelle als Open Source für Industrie und den öffentlichen Sektor entwickeln. Dafür braucht man leistungsfähige KI-Chips, die von Nvidia kommen sollen, samt technischem Know-How. Die Telekom stellt für das Projekt ihre Datenzentren zur Verfügung, daneben sind eine Vielzahl weiterer Firmen beteiligt, darunter Siemens, Audi, Black Forest Labs usw. Geld fließt voraussichtlich für die Chips an Nvidia selbst und für die Rechenkapazitäten an die Telekom. Daneben wird es Geld für diverse Forschungsprogramme geben.
Konkrete Zahlen werden bislang nicht genannt. Offen bleibt daher unter anderem:
- Wie hoch ist die tatsächliche staatliche Verpflichtung?
- Wer erhält welche Zahlungen?
- Wem gehören die Ergebnisse der geförderten Projekte, wie ist das mit den geistigen Eigentumsrechten?
- Wie wird Datenhoheit rechtlich abgesichert?




