Laut aktuellen Medienberichten und Dokumenten der Staatsanwaltschaft Shilin stammen der Haftbefehl sowie die Anklagen gegen zwei taiwanische Führungskräfte bereits aus dem November 2025, wurden aber erst am Dienstag öffentlich. Der Kern des Vorwurfs: Der Smartphone-Hersteller soll über Jahre hinweg nationale Sicherheitsgesetze umgangen haben, die chinesischen Unternehmen Investitionen und Rekrutierungen in Taiwan ohne Genehmigung verbieten.
Persönliche Treffen und Tarnfirma "Sonar"
Die Ermittlungen zeigen eine geplante Vorgehensweise: Pete Lau soll bereits Ende 2014 persönlich nach Taiwan gereist sein, um mit einem lokalen Manager den Aufbau des Teams zu besprechen. 2015 folgte die Gründung einer Niederlassung. Um die Spuren zu OnePlus zu verwischen, wurde die Firma im Mai 2019 in "Sonar" (Hong Kong Sonar Consultant Co., Ltd.) umbenannt.
Über diese Konstruktion flossen zwischen 2015 und 2021 mehr als 2,3 Milliarden Taiwan-Dollar (umgerechnet rund 70 Millionen Euro) nach Taiwan. Um die Zahlungen zu legitimieren, wurden sie über eine Zwischenfirma namens "Hong Kong Dasheng International Trading Company" geleitet und als Einnahmen aus Forschungsaufträgen deklariert. Tatsächlich dienten sie laut Justiz einzig dazu, Gehälter und Ausrüstung zu finanzieren.
Software exklusiv für Oppo und OnePlus
Zeugenaussagen bestätigen, dass die taiwanische "Sonar"-Filiale keine eigenen Kunden hatte. Die rekrutierten Ingenieure entwickelten Software exklusiv für OnePlus und die Marke Oppo. Administrative Berichte über Anwesenheit und Finanzen gingen direkt an die Konzernzentrale im chinesischen Shenzhen.
Die beiden angeklagten taiwanischen Manager versuchten, ihre Verantwortung zu relativieren. Die offizielle Geschäftsführerin gab an, lediglich als Strohfrau für Steuerfragen fungiert zu haben. Der F&E-Direktor betonte, alle strategischen Entscheidungen seien allein von Pete Lau getroffen worden.
Hintergrund: Taiwans Schutzwall
Der Fall markiert einen Höhepunkt in der Offensive Taiwans zum Schutz der heimischen Tech-Industrie. Die Regierung unter Präsident Lai Ching-te geht rigoros gegen chinesische Firmen vor, die versuchen, Talente aus dem Halbleiter- und Technologiesektor über Umwege abzuwerben. OnePlus erklärte in einer ersten Stellungnahme lediglich, dass der Geschäftsbetrieb normal weiterlaufe.
















