Roblox lässt Entwickler mit „Roblox Everywhere“ erstmals die Plattform verlassen

Roblox hat eine grundlegende Änderung bei der Art und Weise angekündigt, wie von Entwicklern erstellte Spiele ihre Spieler erreichen können. Auf der diesjährigen Roblox Developers Conference stellte das Unternehmen „Roblox Everywhere“ vor. Die Initiative soll es Entwicklern ermöglichen, ihre Spiele als eigenständige Apps für Mobilgeräte, PCs und Konsolen zu veröffentlichen. Damit könnten die Entwickler von Hits wie Steal an Egg und Welcome to Bloxburg ihre Spiele schon bald unabhängig vom eigentlichen Roblox-Client auf Steam, im App Store oder bei Google Play anbieten.
Umsatzbeteiligung bleibt bestehen
Ein entscheidendes Detail, das Entwickler genau beobachten dürften, ist die Umsatzbeteiligung. Ein Roblox-Sprecher erklärte gegenüber Game Developer, dass die erste Gruppe von Entwicklern, die für das Programm ausgewählt wird, „von denselben Konditionen bei der Umsatzbeteiligung profitieren wird, die auch die Roblox-App bietet“. Dazu gehört eine höhere DevEx-Rate für altersverifizierte Nutzer über 18 Jahren in den USA. Die Spiele können die Plattform also zwar verlassen, die Einnahmen laufen aber weiterhin über Roblox.
Roblox bestätigt bislang nicht, welche Stores zum Start konkret unterstützt werden. Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber PC Gamer, man werde „zunächst mit einer ausgewählten Gruppe von Spieleentwicklern und Stores Tests durchführen und in Kürze weitere Details bekannt geben“. Auf die Frage, ob Steam, Epic oder GOG infrage kommen, erklärte Roblox, dass Entwickler ihre eigenständigen Spiele langfristig möglichst über jeden verfügbaren Store veröffentlichen können sollen.
Der Plan für eigenständige Apps geht mit einer Reihe weiterer Änderungen für Entwickler einher. Bis Ende 2026 sollen Spieler Roblox-Spielen direkt über einen Browser beitreten können, zunächst über Chrome und ohne vorherige Installation. Auch eine Offline-Unterstützung für Einzelspieler-Titel ist in Arbeit. Diese soll zunächst im Early Access starten, bevor die vollständige Veröffentlichung Mitte 2027 erfolgt. Aufseiten der Engine ergänzt Roblox außerdem eine orthografische Kamera, animierte Bildcontainer, den direkten Import von Sprite-Sheets sowie erweiterte KI-Werkzeuge, darunter einen Generator, der anhand von Texteingaben komplette Szenen erstellt.
Auch die Monetarisierung wird überarbeitet
Auch bei der Monetarisierung stehen größere Änderungen an. Mit der neuen „Roblox Wallet“ sollen Entwickler ihre Einnahmen direkt in realer Währung erhalten können. Die Auszahlungen starten im Dezember zunächst für unabhängige Entwickler in den USA und sollen 2027 international ausgeweitet werden. Im Jahr 2027 soll zudem eine physische „Roblox Card“ folgen, mit der Entwickler ihr Guthaben überall dort ausgeben können, wo die Karte akzeptiert wird.
Die jüngsten Quartalszahlen von Roblox zeigten einen Umsatzanstieg von 36 % auf 1,5 Milliarden US-Dollar. Dennoch blieb das Unternehmen hinter den Erwartungen zurück, was auf eine geringere Monetarisierung pro Spielstunde bei jüngeren Nutzern zurückgeführt wurde. Finanzchef Naveen Chopra erklärte den Rückgang mit einer Verschiebung der Nutzungszeit hin zu Spielen, die pro Stunde geringere Einnahmen erzielen, zusätzlich verstärkt durch Änderungen am Empfehlungsalgorithmus. Entwicklern eine breitere Distribution ihrer Spiele zu ermöglichen und damit möglicherweise ältere Zielgruppen über andere Stores zu erreichen, könnte dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.
Für Entwickler, die jahrelang innerhalb des abgeschotteten Roblox-Ökosystems gearbeitet haben, stellt dies eine echte Veränderung dar. Ihre Spiele können künftig außerhalb der Plattform existieren, auf der sie entstanden sind. Die Frage ist, ob die Spieler ihnen dorthin folgen werden – oder einfach darauf warten, dass die Browser-Version geladen ist.













