Notebookcheck Logo
Teaser

Rokid Glasses im Test: Echte AR-Brille für Navigation, KI und Live-Übersetzung überzeugt

Augmented Alltag

Die Rokid Glasses ist eine neue, smarte Brille nicht nur mit einer Kamera, einem Mikrofon und Lautsprechern, sondern auch mit einem speziellem Display. Mit Live-Übersetzungen, Bilderkennung und der Einblendung von Navigationshinweisen bietet die Brille einen echten Mehrwert.
Silvio Werner Veröffentlicht am
Virtual Reality (VR) / Augmented Reality (AR) Gadget

Die Rokid Glasses ist innovativ und gut nutzbar

Die Rokid Glasses ist eine sehr spannende Brille mit einem integrierten Display, die tatsächlich ein AR-Gerät darstellt. Im Alltag bietet das Modell oft einen echten Mehrwert. Die Aufnahme von Fotos und Videos stellt dabei das triviale Ende der Einsatzmöglichkeiten dar - dank der exzessiven Nutzung der KI beziehungsweise LLMs lassen sich Objekte und Plätze erkennen. Weitere Informationen lassen sich dann auf Wunsch auch in einem fortlaufenden Dialog erfahren. Das verbaute Display ist in den allermeisten Umgebungen einwandfrei ablesbar, die Schärfe passt. Dass keine Farbdarstellung möglich ist, ist uns kaum negativ aufgefallen. Potenzielle Käufer sollten sich aber genau darüber im Klaren sein, dass es mit den Rokid Glasses eben nicht wie etwa mit Google Lens möglich ist, eine Übersetzung optisch über einen Text zu legen. Den Nutzwert schmälert das nur in Nuancen. Das größte Problem sehen wir bei der Akkulaufzeit. So kann man bei nur gelegentlicher und einer Zwischenlandung durchaus durch den Tag kommen, bei der Aufzeichnung von Videos ist aber schon nach einer Stunde Schluss. Die Rokid Glass ist im Alltag relativ einfach als smartes Gadget zu erkennen, was wir aber ambivalent werten wollen. Insgesamt erfüllen die Rokid Glasses meine Erwartungen ziemlich gut, beim Marketing hat Rokid nicht überzogen. Personen, die beispielsweise häufig auf Reisen oder Konferenzen sind und Sprachbarrieren zumindest ein wenig einreißen wollen, sind mit dem Modell gut beraten - wenn man denn exzessiv Cloud-KI-Dienste nutzen will.

Pro

+ hoher Nutzwert durch AI-Funktionen
+ gute Ablesbarkeit
+ Einblendung von Navigationshinweisen praktisch

Contra

- Kamera-Qualität durchschnittlich
- kurze Akkulaufzeit

Preis und Verfügbarkeit

Die Rokid Glasses ist völlig problemlos in Deutschland beispielsweise bei Amazon erhältlich. Angegeben wird eine unverbindliche Preisempfehlung von 699 Euro. Mindestens bis zum 30. Juni gibt es noch einen 40-Euro-Rabatt, der zusätzlich zu einem um 20 Euro geringeren Preis offeriert wird.

Amazon Logo
679,00 €
Rokid Glasses (mit Display), AI&AR Smart Glasses, Erste KI-Brille mit ChatGPT & Gemini Support, Ultra-leicht 49g, Echtzeit-Übersetzung & Navigation, Meeting-Notizen

Die Rokid Glass ist eine smarte Brille mit Micro-LED-Engine, die relevante Informationen, Übersetzungen und Navigationshinweise direkt ins Sichtfeld einblenden kann.

Spezifikationen

Produktkategorie AR-Brille
Display Micro-LED-Engine, monochrom (grün)
Auflösung 640 × 480 Pixeln
Gewicht 49 Gramm
Verbindung Bluetooth, Smartphone-App nötig
Kamera-Auflösung 12 MP
Betriebssystem YodaOS-Sprite OS, APK-Kompatibilität
SoC Snapdragon AR1 Gen

Wenig dezent und mit Etui

Die Rokid Glass ist eine rund 50 Gramm schwere und zusammengeklappt rund 15,5 x 4,5 x 3,5 Zentimeter große, smarte Brille. Bereits auf den ersten Blick erkennt man, dass es sich um ein Gadget handelt: So sind die in den Brillengläsern untergebrachten Displays je nach Betrachtungswinkel von vorne zu erkennen, zudem sind die beiden Brillenbügel außergewöhnlich breit. Eine LED zeigt den Betriebszustand an. Im Prinzip würde ich mir natürlich eine wesentlich dezentere Optik der Brille wünschen, gleichwohl will ich das an dieser Stelle aber eben nicht als Kritik formulieren: Meiner Auffassung nach sollte anderen Personen klar sein, dass ich ein Gadget trage. Die Aufnahme von Fotos und Videos wird durch eine LED angezeigt. Auf der rechten Seite gibt es ein Touchpad und am rechten Brillenbügel noch eine Taste.

Im Lieferumfang befindet sich neben einem kurzen Ladekabel – welches übrigens einen männlichen USB Typ C-Stecker benötigt – auch noch ein Brillenputztuch, ein zweites Paar Nasenbügel und ein faltbares, sehr brauchbares Brillenetui.

Die Rokid Glasses ist auffällig
Die Rokid Glasses ist auffällig
Der Brillenbügel sind breit
Die Verarbeitungsqualität ist gut, aber nicht überragend
Man sieht die Display aus der Nähe immer, das Glas sieht dort deutlich anders aus
Die Sichtbarkeit des Displays von vorne ist stark abhängig vom Betrachtungswinkel
Fotografisch kaum einzufangen: Recht scharfe Darstellung
Ein Etui ist im Lieferumfang enthalten

Einfache Einrichtung, sinnvolle App

Die Einrichtung beschränkt sich in erster Linie auf die Kopplung mit einer App. In dieser lassen sich verschiedene Konfigurationen vornehmen, etwa nicht nur zur Sprache, sondern auch zu den einzelnen Bedienelementen. Mit dem Touchpad und der Taste lassen sich verschiedene Funktionen leicht und schnell aufrufen, gleichwohl hätte ich mir durchaus noch ein oder zwei zusätzliche Tasten gewünscht. Im Regelfall wird mit einem kurzen Druck auf die Taste ein Foto und mit einem längeren Druck ein Video aufgenommen. Mit dem Touchpad lässt sich durch das Menü scrollen. Aus diesem können verschiedene Funktionen aufgerufen werden. Die Bedienung funktioniert grundsätzlich gut, mit dem Touchpad lässt sich so auch durch Text scrollen. Unzuverlässig ist hingegen die Trageerkennung, die lässt sich immerhin deaktivieren. An- und ausschalten lässt sich die Brille dann über das Auf- und Einklappen der Bügel. Nutzer sollten sich gut darüber im Klaren sein, dass mit der Rokid Glasses im Regelfall exzessiv Cloud-Dienste genutzt werden. In sensiblen Unternehmensbereichen dürfte die Nutzung der Rokid Glasses damit schlicht verboten sein. Diesbezüglich würde ich auch im Urlaub insbesondere, aber nicht nur, in Ländern außerhalb der Europäischen Union und noch einmal ganz verstärkt in der Nähe militärischer Anlagen zu äußerster Zurückhaltung raten.

Eher situative Nutzung

Die Rokid Glasses ist nicht primär dazu ausgelegt, mit dauerhaft aktiviertem Display getragen zu werden. Aktiviert wird das Display mit einem Druck auf das Touchpad, dann wird ein konfigurierbarer Startbildschirm angezeigt. Auf diesem lässt sich beispielsweise das aktuelle Wetter anzeigen oder kommende Termine. Auswählen lassen sich dann über ein einfaches Menü verschiedene Funktionen aufrufen. Mit der Phrase „Hi Rokid“ lässt sich das System jederzeit aktivieren. Den Nutzwert der Foto- und Videoaufnahme würde ich ambivalent bewerten: So ist die Qualität der Fotos und Videos nicht extrem hoch und die Performance bei wenig Licht unterdurchschnittlich. Getreu dem Motto „The best camera is the one that's with you“ können die Rokid Glasses aber durch die Unmittelbarkeit und auch den POV-Blickwinkel mindestens einmal schöne Erinnerungen, aber eben keine erstklassigen Fotografien erschaffen. Die Stabilisierung von Videoaufnahmen ist eher schlecht. Beim normalen Gehen ist das Wackeln noch erträglich, beim Joggen dann nicht mehr.

Die Anordnung verschiedener Widgets lässt sich einstellen
Die Anordnung verschiedener Widgets lässt sich einstellen
Wie viel des Displays genutzt wird, lässt sich ein einstellen
Wie viel des Displays genutzt wird, lässt sich ein einstellen
Der Low Light Leakage Mode soll die Brille etwas unauffälliger machen
Der Low Light Leakage Mode soll die Brille etwas unauffälliger machen
Die Kopplung funktioniert ohne Probleme
Die Kopplung funktioniert ohne Probleme
Ein spezieller Modus erlaubt die Anzeige von gesprochener Sprache auch ohne Übersetzung
Ein spezieller Modus erlaubt die Anzeige von gesprochener Sprache auch ohne Übersetzung

Überzeugende AR-Funktionen

Auf ganzer Linie können hingegen die echten AR-Funktionen überzeugen, zumindest in Bezug auf die Bilderkennung. So ist die Texterkennung etwa auf Verkehrsschildern möglich, ohne besonders nahe heranzugehen. Sehenswürdigkeiten und Texte lassen sich erkennen, eine Art AR-Fusion wie sie etwa Google Lens bietet, gibt es aber nicht. Auf Wunsch kann man dann auch noch in einen Dialog treten, beispielsweise, um sich über die Geschichte eines Baudenkmals zu informieren. Dafür ist dann aber, wenig überraschend, die ständige Verbindung zu einem Smartphone nötig, eine Internetverbindung und auch die Nutzung von KI-Cloud-Diensten. Ich will an dieser Stelle durchaus noch einmal betonen, wie sinnvoll es sein kann, beispielsweise kleine Post-its oder selbstgeschriebene Zettel in fremden Sprachen und anderen Schriften (wie etwa Griechisch oder Hebräisch) einfach übersetzen zu können, da sie eben auch ein kleines, unmittelbares Fenster in die Kultur oder mindestens einmal in die Lebenswirklichkeit bieten. Das geht zwar auch mit dem Smartphone, mit der Rokid Glasses aber doch ganz wesentlich unmittelbarer. Durch das Display ergeben sich Möglichkeiten zur eher dezenteren Nutzung der Brille. So ist es möglich, sich die Übersetzung eines fremdsprachigen Textes nur auf dem Display anzeigen zu lassen. Damit bleibt die Gesprächsfähigkeit erhalten. Im Test klappte das mit Englisch und Französisch problemlos. Die Anzeige von gesprochenen Inhalten ist dabei auch ohne Übersetzung möglich, was für Personen mit (temporär) eingeschränkter Hörfähigkeit eine starke Funktion darstellen könnte. Dafür gibt es auch einen extra Modus, mit welchem sich die Untertitelung mit einem langen Druck aktivieren lässt. Die Latenz ist mir positiv aufgefallen und liegt deutlich unter einer Sekunde.

Einen wichtigen Hinweis zu den untenstehenden Fotos und dem Video muss ich an dieser Stelle geben: Dabei handelt es sich wenig überraschend nicht um mit einer Kamera durch die Brille  aufgenommene Bilder. Stattdessen wurden die AR-Anzeigen mit einer angebotenen Funktion über die von der Kamera gelegten Inhalte gelegt. Das kommt dem echten Eindruck relativ nahe. Zumindest im unten eingebetteten Video war die Ablesbarkeit der Navigationshinweise in echt allerdings aufgrund der hohen Umgebungshelligkeit etwas schlechter, allerdings noch gut.

Die Navigationsfunktionen sind definitiv ein Highlight
Die Navigationsfunktionen sind definitiv ein Highlight
Die Ablesbarkeit ist gut, hier ist die Widget-Übersicht zu sehen
Die Ablesbarkeit ist gut, hier ist die Widget-Übersicht zu sehen
Die Qualität der Kamera ist brauchbar
Die Qualität der Kamera ist brauchbar
Die Texterkennung funktioniert gut
Die Texterkennung funktioniert gut

Starke Navigation, gute Ablesbarkeit

Sinnvoll ist die Anzeige von Navigationshinweisen. Die Navigationshinweise werden dabei ebenso wie die aktuelle Geschwindigkeit und die voraussichtliche Ankunftszeit eingeblendet, die Karte lässt sich dabei noch vergrößern. Die tatsächlich erreichbare Akkulaufzeit ist bei der Navigation dabei stark von der gewählten Displayhelligkeit und damit indirekt von der Umgebungshelligkeit abhängig. Für die große Tagestour reicht diese aber nicht, realistisch sind eher zwei Stunden. Weiterhin kann die Rokid Glasses als Teleprompter eingesetzt werden. Überraschend gut funktioniert dabei auch der automatische Modus. Dieser erkennt offenbar, was man gerade vorgelesen hat, und lässt dann den Text weiterlaufen. Die Rokid Glasses kann auf akustischer Ebene auch Meetings oder Gespräche aufzeichnen. Die Zusammenfassung und die Transkription in der App funktionieren gut. Weitere Apps lassen sich installieren. Ob sich denn auch ein wirklich vitales Ökosystem auch mit Anwendungen von Drittanbietern und Hobby-Entwicklern etabliert, ist noch nicht ganz abzusehen.

Ablesbar ist das Display bei typischen Einsatzbedingungen problemlos. Im heißen Juni 2026 in Deutschland war die Ablesbarkeit mindestens auf den höheren Helligkeitslevel auch im gleißenden Sonnenlicht möglich, wenn man denn nicht unbedingt auf eine weiße Oberfläche oder den blauen Himmel schaut. Die Displayanzeige lässt sich nicht nur in Bezug auf die Helligkeit, sondern auch die Position im Sichtfeld konfigurieren. Auffällig: Je nach Helligkeit der Umgebung sieht man beispielsweise die Sonne von hinten in den Brillengläsern spiegeln (wie „Rückspiegel“), was ein Zeichen für nicht ganz optimal entspiegelte Gläser ist. Für eine Person in Sprechdistanz ist nicht immer sichtbar, dass die Brille Displays hat. Ein grüner Schein ist je nach Blickwinkel von vorne wahrnehmbar. Dieses winkelabhängige Aufblitzen macht auf das Display gleichwohl stärker aufmerksam, als gäbe es die ganze Zeit nur einen grünen Schein. Das will ich an dieser Stelle ebenso wenig wie die deutliche Erkennbarkeit der Brille aber ebenfalls nicht als negativ werten. Aus meiner Sicht gebietet es schlicht der Anstand, dass das Gegenüber die Nutzung eines technischen Hilfsmittels wenigstens erahnen kann. Eine Wertung zur Passform kann ich auch nur beschränkt abgeben: So ganz passt die Brille nicht zu meiner Nasenform, bei anderen Personen mag das anders sein. Im Zweifelsfall hilft hier ehrlich gesagt nur vorsichtiges Ausprobieren und gegebenenfalls der Widerruf.

Transparenz

Die Auswahl der zu testenden Geräte erfolgt innerhalb der Redaktion. Das vorliegende Testmuster wurde dem Autor vom Hersteller oder einem Shop zu Testzwecken leihweise zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Leihstellers auf den Testbericht gab es nicht, der Hersteller erhielt keine Version des Reviews vor der Veröffentlichung. Es bestand keine Verpflichtung zur Publikation. Als eigenständiges, unabhängiges Unternehmen unterliegt Notebookcheck keiner Diktion von Herstellern, Shops und Verlagen.

Google LogoAls bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Mail Logo

Keine Kommentare zum Artikel

Fragen, Anregungen, zusätzliche Informationen zu diesem Artikel? - Uns interessiert Deine Meinung (auch ohne Anmeldung möglich)!
Keine Kommentare zum Artikel / Antworten

static version load dynamic
Loading Comments
Diesen Artikel kommentieren / Antworten
> Notebook Test, Laptop Test und News > Tests > Sonstige Tests > Rokid Glasses im Test: Echte AR-Brille für Navigation, KI und Live-Übersetzung überzeugt
Autor: Silvio Werner, 27.06.2026 (Update: 27.06.2026)