Die ausgewerteten Unterlagen, die aus den Jahren 2021 bis 2025 stammen sollen, legen nahe, dass Meta es über mindestens drei Jahre hinweg versäumt habe, die Flut betrügerischer Anzeigen wirksam zu stoppen. Laut dem Bericht von Reuters spiele das Social-Media-Unternehmen den Nutzern demnach täglich etwa 15 Milliarden Anzeigen aus, die deutliche Anzeichen für Betrug aufweisen sollen. Allein diese risikoreichen Anzeigen sollen Meta jährlich rund 7 Milliarden US-Dollar Umsatz einbringen.
Kalkuliertes Risiko: Strafen sind billiger als Verzicht
Die Dokumente sollen andeuten, dass Meta die Betrugsbekämpfung gezielt zögerlich handhabt. Wenn die automatisierten Systeme Betrug nur mit weniger als 95 Prozent Wahrscheinlichkeit feststellen, bestrafe Meta die mutmaßlichen Scammer nicht mit einer Sperre, sondern mit höheren Werbepreisen (Penalty Bid).
Besonders brisanter Vorwurf: Laut den Recherchen von Reuters soll Meta intern scharf kalkuliert haben. Eventuell zu erwartende regulatorische Geldstrafen wurden mit bis zu einer Milliarde US-Dollar angesetzt, deutlich unter den "Einnahmen" aus den risikoreicheren Scam-Anzeigen. Meta soll damit halbjährlich etwa 3,5 Milliarden US-Dollar generieren. Dem Reuters-Bericht zufolge liege der Verdacht nahe, Meta richte sein Vorgehen kalkuliert darauf aus, dass Strafen billiger seien, als der Verzicht auf Betrugseinnahmen.
Priorität: Künstliche Intelligenz (KI), zu Lasten der Sicherheit
Reuters berichtet in seiner Exklusiv-Story weiter, dass die hohen Einnahmen aus betrügerischer Werbung (Scam) auch in die Finanzierung von teuren KI-Projekten des Meta-CEOs Mark Zuckerbergs fließen würden. Geplant sei ein Kapitaleinsatz von bis zu 72 Milliarden US-Dollar, heißt es in dem US-Bericht. Gleichzeitig soll Meta die Umsatzeinbußen für seine Sicherheitsteams streng gedeckelt haben: Im ersten Halbjahr 2025 durfte das Meta-Team zur Betrugsbekämpfung keine Maßnahmen ergreifen, die Meta mehr als 0,15 Prozent des Gesamtumsatzes (etwa 135 Mio. US-Dollar) kosten würden.
Die Nutzer sind die Dummen: Die Konsequenzen dieser Priorisierung würden sich laut Reuters in den Nutzerdaten widerspiegeln. 2023 habe Meta etwa 96 Prozent der wöchentlich rund 100.000 gültigen Betrugsberichte von Nutzern ignoriert oder fälschlicherweise abgelehnt. Auch das krasse Beispiel einer gehackten Air-Force-Recruiterin, über deren Konto ein Kollege offenbar 28.000 US-Dollar durch Krypto-Betrug verlor, verdeutliche die nachlässigen Standards bei Meta zum Schaden der Opfer, so Reuters.
Meta wehrt sich gegen die Vorwürfe
Ein Sprecher von Meta, Andy Stone, bestritt die Darstellungen. Die Dokumente würden eine "selektive Sichtweise" präsentieren und die Vorgehensweise des Unternehmens verzerren. Die interne Schätzung von 10,1 Prozent Umsatz aus verbotener Werbung sei "grob" und zu hoch angesetzt gewesen, da sie auch "viele" legitime Anzeigen enthalten habe. Stone betonte, Meta bekämpfe Betrug aggressiv und habe die Nutzermeldungen zu betrügerischen Anzeigen weltweit um 58 Prozent reduziert.










