Streit um KI-Klausel: Netflix eventuell bald ohne deutsche Synchro

Bei Netflix brodelt es gewaltig. Grund sind neue Vertragsklauseln für deutsche Synchronsprecher, die es dem Streamingdienst erlauben sollen, Sprachaufnahmen für das Training von Künstlicher Intelligenz zu nutzen – ohne Extra-Vergütung. Wie das Medienportal DWDL berichtet, sehen viele Sprecher darin ein Risiko für ihren eigenen Job und verweigern deshalb die Unterschrift. Infolgedessen läuft seit Januar ein Boykott: Aufnahmen werden nicht mehr gemacht, bekannte Stimmen gehen öffentlich auf Distanz. Netflix warnt intern bereits davor, dass Produktionen ins Stocken geraten könnten.
Innerhalb der Branche gibt es laut DWDL unterschiedliche Positionen. Der Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) vertritt die Meinung, dass die eigene Stimme nicht ohne explizite Zustimmung genutzt werden dürfe und Synchronsprecher volle Kontrolle über den Einsatz durch Dritte haben sollten – auch bei interner Datennutzung. Zudem wird ein Recht auf Ablehnung ohne berufliche Nachteile gefordert. Der Schauspielverband BFFS verweist auf eine 2025 geschlossene Vereinbarung mit Netflix, die eine Bezahlung vorsieht, wenn KI tatsächlich eine Sprecherleistung ersetzt. Betroffenen reicht das aber offenbar nicht aus. Der Grund ist verständlich: Vergütungen gibt es damit nur beim Einsatz in Filmen und Serien, aber nicht für die Nutzung zu KI-Trainingszwecken.
Netflix bietet laut DWDL zwar Gespräche an, aber keine Verhandlungen – und beharrt weiterhin auf den neuen Klauseln. Das könnte ernsthafte Konsequenzen für die Branche nach sich ziehen – Es wäre sogar denkbar, dass deutsche Synchronisationen für Netflix Originalproduktionen komplett auf Eis gelegt werden, wenn es hier zu keiner Einigung kommt. Inhalte anderer Studios dürften davon aber ausgenommen sein. In der Reddit-Community zeigt man sich solidarisch gegenüber den Synchronsprechern und kritisiert Netflix für den Versuch, an kostenlose Trainingsdaten zu kommen.













