Valve sieht sich in Großbritannien mit einem umfangreichen Rechtsstreit konfrontiert: Eine Sammelklage in Höhe von 656 Millionen Pfund gegen die Spieleplattform Steam wegen ihrer Preis- und Provisionsstruktur ist zur weiteren Verhandlung zugelassen worden. Im Kern geht es um die Frage, wie Steam als digitaler Marktplatz agiert – und ob seine Geschäftspraktiken dazu geführt haben, dass Spieler im Vereinigten Königreich überhöhte Preise zahlen mussten.
Eingereicht wurde die Klage im Juni 2024 von Vicki Shotbolt, die im Namen von rund 14 Millionen Steam-Nutzern in Großbritannien handelt. DIese Woche hat das das Londoner Competition Appeal Tribunal entschieden, dass das Verfahren in eine vollständige Hauptverhandlung gehen kann. Valve hatte versucht, die Klage bereits in einem frühen Stadium stoppen zu lassen, scheiterte damit jedoch vor Gericht.
Zentraler Streitpunkt ist die 30-prozentige Provision, die Valve auf Spieleverkäufe, DLCs und Ingame-Käufe erhebt. Laut Klageschrift sei dieser Anteil zu hoch und führe letztlich zu höheren Preisen für Verbraucher. Zudem wird argumentiert, dass Valves die Provisionen durch seine starke Marktposition im PC-Gaming durchsetzen könnte, ohne dass echter Wettbewerb preisdämpfend wirkt.
Ein weiterer Aspekt betrifft den Umgang mit Zusatzinhalten. Wer ein Spiel über Steam kauft, muss dazugehörige DLCs oder Add-ons ebenfalls über Steam erwerben. Die Klage wertet das als faktische Bindung der Nutzer an Valves Plattform, selbst wenn alternative Anbieter günstigere Preise oder bessere Angebote hätten.
Auch die Regeln für Entwickler und Publisher stehen in der Kritik. Shotbolt wirft Valve vor, Druck auszuüben, damit Spiele auf allen Plattformen zum gleichen Preis angeboten werden. Weder günstigere Preise noch frühere Veröffentlichungen auf konkurrierenden Stores seien erlaubt, was den Wettbewerb einschränke und sowohl Entwicklern als auch Spielern weniger Auswahl lasse.
Durch diese Praktiken seien britische Steam-Nutzer über Jahre hinweg übervorteilt worden. Sollte die Klage erfolgreich sein, könnten Spieler im Vereinigten Königreich, die seit 2018 Spiele oder DLCs über Steam gekauft haben, Anspruch auf Entschädigung erhalten. Erste Schätzungen gehen von Auszahlungen zwischen 22 und 44 Pfund pro Person aus – abhängig von den individuellen Ausgaben. Insgesamt könnten sich die Schadensersatzforderungen auf bis zu 656 Millionen Pfund belaufen.
Valve bemängelt unter anderem, dass die Klage nicht ausreichend darlege, wie betroffene Nutzer identifiziert und Ansprüche konkret berechnet werden sollen. Zudem stellt das Unternehmen die Finanzierung des Verfahrens infrage, obwohl Shotbolt nach eigenen Angaben mehr als 18 Millionen Pfund an Prozessfinanzierung gesichert hat. Das Gericht sieht diese Einwände jedoch nicht als ausreichend an, um das Verfahren zu stoppen, und lässt die Klage zur Hauptverhandlung zu.













