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Wenn ChatGPT „Ja, ich will“ vergisst: Ehe wegen KI-Gelübde annulliert

ChatGPT eignet sich offenbar nur bedingt zum Verfassen von rechtlich verbindlichen Erklärungen wie Ehegelübden. (Bildquelle: Rocsana Nicoleta Albu / Pexels)
ChatGPT eignet sich offenbar nur bedingt zum Verfassen von rechtlich verbindlichen Erklärungen wie Ehegelübden. (Bildquelle: Rocsana Nicoleta Albu / Pexels)
Ein niederländisches Gericht hat eine Ehe für nichtig erklärt, weil die während der Trauung verwendeten, von ChatGPT formulierten Gelübde keine gültige Willenserklärung enthielten – ein gutes Beispiel dafür, dass KI-generierte Texte in rechtlich relevanten Situationen immer noch ihre Grenzen haben.

Menschen lassen nicht nur Bewerbungsschreiben oder Hausarbeiten, sondern auch Reden oder persönliche Briefe von ChatGPT schreiben – und offenbar auch emotional bedeutsame Texte wie Hochzeitsgelübde. Das zeigt ein Fall, der sich Anfang Januar in den Niederlanden ereignet hat. Hier wurde zwar vermeintlich normal geheiratet, es kam aber nie zu einer rechtskräftigen Eheschließung. Die Gelübde waren nämlich KI-generiert und zwar poetisch, aber rechtlich fehlerhaft.

Das Bezirksgericht Zwolle (Rechtbank Overijssel) ist der Auffassung, dass während der Zeremonie keine eindeutige Erklärung beider Partner erfolgt sei, die gesetzlichen Pflichten einer Ehe übernehmen zu wollen. Damit sei eine zentrale Voraussetzung des niederländischen Eherechts nicht erfüllt worden. In der Folge wurde die Ehe aus dem Personenstandsregister gestrichen. Das Urteil stützt sich auf Artikel 1:67 des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuchs, der eine explizite Zustimmung beider Partner verlangt. Emotionale oder sinngemäße Bekundungen reichen demnach nicht aus.

Nach niederländischem Recht hätte die Trauung eine klare, unmissverständliche Willenserklärung enthalten müssen. Auf eine Frage wie „Erklären Sie, dass Sie die Ehe miteinander eingehen wollen und dass Sie die sich daraus ergebenden gesetzlichen Pflichten übernehmen?“ muss eine eindeutige Antwort folgen, etwa mit „Ja, ich will.“. Das ChatGPT-Gelübde enthielt jedoch lediglich poetische, unverbindliche Versprechen wie „Versprichst du, heute, morgen und für immer an der Seite von [Name] zu stehen?“. Die Zeremonie endete mit den Worten, das Paar sei „nicht nur Ehemann und Ehefrau, sondern vor allem ein Team, ein verrücktes Paar, füreinander Liebe und füreinander ein Zuhause“.

Aus Sicht des Gerichts kann diese symbolische, emotionale Sprache jedoch die gesetzlich vorgeschriebene Zustimmung zur Eheschließung nicht ersetzen. Wer künftig erwägt, sich bei Ehegelübden oder anderen rechtlich relevanten Erklärungen von ChatGPT helfen zu lassen, sollte daher sicherstellen, dass formale und gesetzliche Anforderungen erfüllt werden – oder den Text zumindest vorab rechtlich prüfen lassen.

Quelle(n)

Techxplore

Bildquelle: Rocsana Nicoleta Albu / Pexels

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-01 > Wenn ChatGPT „Ja, ich will“ vergisst: Ehe wegen KI-Gelübde annulliert
Autor: Marius Müller, 10.01.2026 (Update: 10.01.2026)