iOS 27: Neuer Kinderschutz startet nicht von selbst

Mit iOS 27 hat Apple die Kindersicherung auf iPhone, iPad und Mac am 14. September umgebaut. Kinder fragen jetzt um Erlaubnis, bevor sie in Safari eine neue Webseite öffnen, und Eltern legen Nutzungszeiten für ganze App-Kategorien fest. Wer das Update auf dem Kindergerät installiert hat und glaubt, damit sei die Sache erledigt, irrt allerdings. Die neuen Funktionen verlangen einen eigenen Einrichtungsschritt, und nur ein Teil davon ist ab Werk aktiv.
Ohne den Schritt nach dem Update bleibt alles beim Alten
Die erste Hürde steht in Apples eigener Ankündigung. Um das Update für die Bildschirmzeit verwenden zu können, müssen laut Apple alle Geräte einer Familienfreigabe-Gruppe auf iOS 27, iPadOS 27, macOS 27, watchOS 27 oder visionOS 27 aktualisiert sein. Gemeint sind wirklich alle, also auch das Familien-iPad im Wohnzimmer und die Apple Watch eines Elternteils. Welche Geräte noch fehlen, listet das iPhone nach dem eigenen Update im Bereich Familie der Einstellungen auf. Geräte, die kein Update mehr bekommen, führt Apple dort in einer eigenen Liste, und sie behalten laut Apple die Bildschirmzeit-Einstellungen aus iOS 26.
Sind alle Geräte aktuell, passiert trotzdem noch nichts von selbst. Eltern werden laut Apple eingeladen, die Kindersicherung neu einzurichten, und starten dazu im Bereich Familie der Einstellungen eine kurze Einrichtung für jedes Kind. Dort übernehmen sie ihre bisherigen Einstellungen oder legen neue an. Auf der Hilfeseite zur Surfanfrage schreibt Apple ausdrücklich, dass diese Aktualisierung der Kindersicherung Voraussetzung für die neue Funktion ist.
Was Apple ab Werk einschaltet
Für Kinder mit eigenem Kinderaccount setzt Apple einige Schutzmaßnahmen selbst. Auf der deutschen Hilfeseite heißt es: „‚Zum Surfen fragen‘ ist für Kinder unter 13 Jahren standardmäßig aktiviert, und ‚Nicht jugendfreie Inhalte beschränken‘ ist für Kinder unter 18 Jahren standardmäßig aktiviert.“ Ebenfalls unter 18 ab Werk aktiv sind die altersabhängigen Beschränkungen für Inhalte und die Kommunikationssicherheit, die Kinder in Nachrichten, AirDrop und FaceTime vor dem Ansehen und Teilen von Nacktaufnahmen schützen soll. Wer mit einem Kind unter 13 neu schreiben oder telefonieren darf, entscheiden die Eltern, auch diese Kontaktverwaltung ist voreingestellt.
Zu allen Altersangaben setzt Apple denselben Vorbehalt, das Alter variiere je nach Land oder Region. Für Deutschland ist das mehr als eine Fußnote. Laut Apples Übersicht zu den regionalen Regeln gilt hier jedes Konto unter 16 Jahren als Kinderaccount, während die Hilfeseiten ihre Standards an der Grenze von 13 Jahren festmachen. Welche Standards Apple für 13- bis 15-Jährige in Deutschland setzt, schlüsselt der Hersteller nicht auf. Eltern sollten deshalb in der Einrichtung jeden Punkt selbst ansehen.
Ab 13 entscheiden die Eltern
Die Surfanfrage, auf den Hilfeseiten „Zum Surfen fragen“ genannt, ist nur für die Jüngsten automatisch aktiv. Ab 13 bleibt standardmäßig nur der Filter für nicht jugendfreie Seiten. Wer auch bei älteren Kindern jede neue Webseite freigeben will, stellt das selbst ein. Der Weg führt über Einstellungen, Familie, den Namen des Kindes, „Apps & Websites“ und „Beschränkungen“ bis zum Abschnitt „Websites“. Unter „Filter“ steht dann „Nur erlaubte Websites“ zur Wahl, die Voreinstellung für Jugendliche heißt „Nicht jugendfreie Inhalte beschränken“. Laut Apple greift die Surfanfrage in Safari und in unterstützten Browser-Apps. Welche Browser das sind, nennt Apple nicht.
Ähnlich ist es bei den Kontakten. Die Kontaktverwaltung, bei der Eltern jeden neuen Chat- oder Telefonpartner zuerst bestätigen, ist bis 13 voreingestellt und lässt sich für ältere Kinder zuschalten. Gerade in dem Alter, in dem Kinder ihr erstes eigenes Smartphone bekommen und Gruppenchats wichtig werden, bleibt der Schalter also aus, bis jemand ihn umlegt. Wie schnell ein Kindergerät zu viel preisgibt, zeigte schon die GPS-Uhr, die jedem den Standort verrät.
Nutzungszeiten, Zeitplan und der Code
Die frühere Auszeit ist in iOS 27 im Tagesplan des Kindes aufgegangen. Eltern legen für Werktage und Wochenenden getrennt fest, von wann bis wann Apps und Webseiten verfügbar sind, außerhalb dieser Zeiten pausiert das iPhone die meisten Apps und Mitteilungen. Neu ist eine Pause für die Schulzeit, die Unterhaltung, Spiele und soziale Netze in festgelegten Stunden anhält, während alle anderen Apps erreichbar bleiben.
Die bisherigen App-Limits heißen jetzt Nutzungszeiten (englisch Time Allowances) und sind auf die Kategorien Unterhaltung, Spiele und soziale Netze zugeschnitten, weitere lassen sich ergänzen. Eltern setzen eine Gesamtzeit für alle drei und passen einzelne Kategorien an. Beim Verschieben des Reglers zeigt das iPhone altersbezogene Empfehlungen, die Apple mit Fachleuten erarbeitet hat. Den Wert bestimmen trotzdem die Eltern. Ist die Nutzungszeit aufgebraucht, kann das Kind laut Apple um mehr Zeit bitten.
Am Ende der Einrichtung steht ein vierstelliger Code für die Bildschirmzeit. Apple rät, einen Code zu wählen, den das Kind nicht erraten kann. Er wird bei jeder Änderung an der Kindersicherung abgefragt und schützt damit alles, was davor eingestellt wurde. Das Geburtsjahr des Kindes ist deshalb eine schlechte Wahl.
Android 17 hat eigene Stolperstellen
Auf Android-Geräten gibt es seit Android 17 Jugendschutzeinstellungen direkt im System, ohne Family Link. Eltern richten unter Einstellungen, Jugendschutzeinstellungen eine PIN mit mindestens vier Stellen ein und legen danach Tageslimit, Ruhezeit, App-Limits, blockierte Apps und Filter für Webinhalte fest. Laut Google lassen sich diese Einschränkungen nicht aktivieren, solange ein Arbeitsprofil oder ein vertrauliches Profil existiert. Fehlt das Wiederherstellungskonto und geht die PIN verloren, bleibt nur das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen.
Wer die Aufsicht lieber zentral über Family Link führt, hat einen Vorteil bei älteren Kindern. Google zufolge benötigen Kinder unter 18 Jahren die Zustimmung der Eltern, um die Elternaufsicht zu beenden, und beide Seiten werden benachrichtigt, wenn sie endet.
Apple hat mit iOS 27 bessere Werkzeuge gebaut, doch die meisten wirken erst, wenn Eltern sie nach dem Update einrichten und für Kinder ab 13 selbst auswählen. Das ist einmal pro Kind zu erledigen. Dass solche Schutzfunktionen oft ab Werk ausgeschaltet bleiben, zeigte zuletzt schon der neue Schutz vor Bankbetrug in iOS 27.
Quelle(n)
Apple Newsroom: Apples neue Funktionen für die Kindersicherheit ab sofort verfügbar
Apple Support: Mit „Zum Surfen fragen“ die Websites genehmigen, auf die dein Kind zugreifen kann
Apple Support: Kindersicherung auf dem Gerät deines Kindes einrichten
Apple Support: Familiengeräte auf iOS 27 und die übrigen Versionen 27 aktualisieren
Apple Support: Regionale Regeln für Apple Accounts von Kindern
Apple Support: Informationen zur Kommunikationssicherheit auf dem Gerät deines Kindes
Android-Hilfe: Jugendschutzeinstellungen auf einem Android-Gerät einrichten
Google für Familien-Hilfe: Elternaufsicht nach Erreichen des Mindestalters








