Notebook versus Desktop PC

DTR-Notebook oder klassischer Desktop-PC? Immer wieder stehen Käufer vor genau dieser Entscheidung. Undurchsichtige Prozessor- und Grafikkarten-Bezeichnungen machen es nicht nur für Laien schwer, einzelne Komponenten direkt miteinander zu vergleichen.

Der grundsätzliche Trend, dass sich die Leistungsfähigkeit von Notebooks und Desktop-PCs immer weiter annähert, hält dabei auch im Jahr 2012 ungebrochen an. Selbst HD-Videoschnitt oder vergleichbar anspruchsvolle Anwendungen werden von performanten High-End-DTRs mit Leichtigkeit bewältigt. Nichtsdestotrotz: Noch immer gibt es Bereiche, in denen ein Laptop einen stationären Computer nicht vollständig ersetzen kann.

Prozessoren

Die meisten aktuellen Mobilprozessoren sind mit einer TDP von 35 oder 45 Watt spezifiziert, nur wenige High-End-Modelle wie der Core i7-3920XM (55 Watt) besitzen eine noch höhere Leistungsaufnahme. Verglichen mit Desktop-CPUs, die in der Regel im Bereich zwischen 65 und 130 Watt liegen, führt das vor allem bei den Quad-Cores zu einem deutlich niedrigeren Basistakt.

Dank Turbo-Boost-Technologie hat dies in der Praxis allerdings kaum negative Auswirkungen. Vorausgesetzt, dass Temperatur und Leistungsaufnahme des Chips es erlauben, können viele moderne AMD- (Llano, Trinity) und Intel-Prozessoren (Core i5, Core i7) ihre Taktrate innerhalb vordefinierter Grenzen automatisch anheben. Ein Core i7-3610QM, der nominell nur mit gemächlichen 2,3 GHz taktet, läuft dadurch unter Last fast immer mit 3,1 bis 3,3 GHz. Der Rückstand auf den i7-3770K (Desktop) beträgt somit gerade einmal etwa 20 Prozent. Gegenüber einem i7-3720QM oder 3820QM ist die Differenz noch geringer, was jedoch mit einem überproportional ansteigenden Kaufpreis einhergeht.

Während sich mobile Quad-Core-Prozessoren fast auf dem Leistungsniveau ihrer Desktop-Pendants befinden, gibt es im sündhaft teuren Enthusiast-Segment etwas größere Unterschiede. Anstelle von "nur" 4 Rechenkernen beim i7-3920XM offeriert der i7-3960X (Desktop) gleich deren 6. Obwohl letzterer noch auf der älteren Sandy-Bridge-Architektur basiert, resultiert dies in einer bis zu 50 Prozent höheren Multithread-Performance. Mit einer TDP von 130 Watt ist diese CPU selbst für schwere DTR-Notebooks kaum geeignet (Ausnahme: Schenker XMG U701).

Ein typischer mobiler Quad-Core-Prozessor hat eine TDP von 45 Watt.
Ein typischer mobiler Quad-Core-Prozessor hat eine TDP von 45 Watt.

Grafikkarten

Durch die oftmals enorme Leistungsaufnahme flotter Desktop-Grafikkarten - die schnellsten Modelle übertreffen regelmäßig die 200-Watt-Marke - sind die entsprechenden Notebook-Derivate meist spürbar gedrosselt. Teilweise deaktiviert der Hersteller nur einige Shader-Einheiten und senkt die Taktraten (GeForce GTX 680 vs. 680M), in vielen Fällen kommt darüber hinaus sogar ein schwächerer Grafikchip zum Einsatz (Radeon HD 7970 vs. 7970M).

Insgesamt entsprechen aktuelle mobile High-End-Beschleuniger damit nur Performance-Modellen aus dem Desktop-Bereich, beispielsweise der AMD Radeon HD 7850/7870. Einige Gaming-Notebooks wie das Alienware M18x erlauben es, auch zwei Grafikkarten im Crossfire- oder SLI-Verbund einzusetzen, was allerdings nicht nur die Leistung, sondern ebenso den Verbrauch auf etwa 200 Watt nur für die GPUs verdoppelt. Im Gegensatz zu einem ausgewachsenen PC ist es bei einem kompakten Notebook zudem kaum möglich, diese Abwärme ohne ein lautstarkes Kühlsystem mit schnelldrehenden Lüftern abzuführen.

Auch wenn ein PC bei gleichem Kaufpreis stets die stärkere Grafiklösung besitzen wird, kann bereits eine gute mobile Mittelklasse-GPU wie die GeForce GT 650M viele Spiele in hohen bis sehr hohen Einstellungen flüssig darstellen. Noch stärkere Hardware zahlt sich nur bei sehr anspruchsvollen Titeln wie Alan Wake, Auflösungen über FullHD oder aktivierten Qualitätsfeatures (AA, AF) aus.

Auch Notebooks sind mit SLI- oder Crossfire-Verbund erhältlich - hier ein Alienware M18x mit 2x Radeon HD 7970M.
Auch Notebooks sind mit SLI- oder Crossfire-Verbund erhältlich - hier ein Alienware M18x mit 2x Radeon HD 7970M.

Sonstige Komponenten

Thema Speicher: Die meisten Multimedia-Geräte beschränken sich auf 2 Speicherslots, was in Verbindung mit 8-GByte-Modulen einen Maximalausbau von 16 GByte RAM erlaubt. Wem das nicht genügt, der sollte sich nach größeren 17-Zöllern oder DTR-Boliden umsehen. Hier können oftmals sogar 4 Module verbaut werden - bei bis zu 32 GByte Hauptspeicher sollte so der Bedarf nahezu jedes Anwenders spielend gedeckt werden. Der Speichercontroller moderner Prozessoren unterstützen überwiegend DDR3-1600, was im Dual-Channel-Betrieb eine theoretische Bandbreite von 25,6 GB/s ergibt - auch das ist Desktop-Niveau.

Größere Einschränkungen müssen bei der Auswahl der Festplatte in Kauf genommen werden. Ein ausreichend großes PC-Gehäuse kann eine nahezu beliebige Anzahl an 3,5-Zoll-Laufwerken mit bis zu 4 TByte Speicherplatz pro Stück aufnehmen - 2,5-Zoll-Datenträger für Notebooks sind derzeit mit maximal 1 TByte (Bauhöhe 9,5 Millimeter) erhältlich. Je nach Notebook gibt es in der Regel nur 1 bis 2 Einbauschächte, zudem fallen auch die Kosten pro GByte erheblich höher aus. Wer umfangreiche Datensammlungen speichern möchte, sollte sich besser nach einer großen externen Festplatte mit USB-3.0-Anschluss umsehen.

Wenn statt Speicherplatz eher die Geschwindigkeit zählt, können Notebookkäufer aufatmen: SSDs werden ohnehin bevorzugt im 2,5-Zoll- oder mSATA-Format angeboten. Per SATA-III-Standard sind so sequentielle Übertragungsraten von über 500 MByte/s möglich (z.B. OCZ Vertex 4) - noch schneller arbeitet, wie auch im Desktop, nur ein Zusammenschluss von zwei Laufwerken im Raid-0-Verbund.

Auch wenn viele Notebookhersteller noch immer auf minderwertige TN-Panels mit schwachen Blickwinkeln und niedrigen Kontrasten setzen, ist zumindest bei preisintensiven Gaming-Notebooks ein Umdenken zu erkennen: Immer öfter finden wir bei unseren Tests hochwertige Displays, die oftmals sogar über eine matte Beschichtung verfügen. Dennoch werden viele Besitzer ihren heimischen Monitor anschließen wollen, was neben dem analogen VGA-Ausgang auch digital per HDMI oder DisplayPort möglich ist. Achtung: Auch wenn der HDMI-Standard 1.3 Auflösungen von mehr als 1920 x 1200 Pixeln ermöglicht, akzeptieren viele Monitore dies nur per DisplayPort! Hierbei handelt es sich im Allgemeinen um ein Softwareproblem, welches unter Umständen mit einer Treiber-Modifikation umgangen werden kann.

Schnelle SSDs im 2,5-Zoll-Format passen in praktisch jedes Notebook.
Schnelle SSDs im 2,5-Zoll-Format passen in praktisch jedes Notebook.

Fazit

Notebookkäufer dürfen sich freuen: So dicht wie im Jahr 2012 waren Mobilrechner den Desktops schon lange nicht mehr auf den Fersen. Dies gilt insbesondere für die eingesetzten Prozessoren, bei Grafikkarten und Speicherlösungen hingegen nur mit leichten Abstrichen. Für unter 1000 Euro bekommt man bereits Modelle mit Quad-Core-CPU und Mittelklasse-GPU, die aktuelle Spiele und aufwändige Anwendungsprogramme locker bewältigen. Ein vergleichbarer Desktop-Rechner lässt sich zwar auch für einige hundert Euro weniger erwerben, hat darüber hinaus aber diverse Nachteile: Er benötigt nicht nur mehr Platz und lässt sich schlechter transportieren, sondern verbraucht auch bedeutend mehr Strom. Dank Optimus begnügen sich sparsame Notebooks mit unter 10 Watt im Leerlauf, selbst starken DTRs genügen etwa 30 Watt. Ein vergleichbarer PC liegt bei mindestens 40 bis 60 Watt und langt auch unter Last deutlich stärker zu.

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Autor: Klaus Hinum, 12.02.2007 (Update: 16.12.2013)