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864 Server unter dem Meer: Microsoft baut Unterwasser-Datencenter

Im Hintergrund sieht man das Datencenter, bevor es im schottischen Meer versenkt wird. (Quelle: Microsoft)
Im Hintergrund sieht man das Datencenter, bevor es im schottischen Meer versenkt wird. (Quelle: Microsoft)
Jules Verne lässt grüßen: Microsoft hat ein ganzes Rechenzentrum vor der schottischen Küste versenkt, um Kühlkosten zu sparen. Wird das Beispiel Schule machen? Sehen wir neben Offshore-Windanlagen bald auch Offshore-Datencenter?

Die großen Technologiefirmen suchen nach immer neuen Wegen, um die Kühlung ihrer Serverfarmen möglichst energie- und somit kosteneffizient zu realisieren. Neben dem Bau solcher Farmen in kühleren Breitengraden wie Nordeuropa und der Nutzung der Abwärme zum Heizen nahestehender Gebäude sind in den letzten Jahren vermehrt die Erneuerbaren Energien in den Fokus gerückt, um den Energiehunger der Dienstrechner zu decken.

Microsoft geht nun einen völlig neuen Weg: Die Redmonder haben auf dem Meeresboden vor der Küste Schottlands ein Datencenter installiert, um das kalte Nordseewasser zur kostenlosen Kühlung zu nutzen. Dies kommt nicht völlig überraschend, da Microsoft schon seit 2015 unter dem Codenamen "Natick" an der Idee einer submarinen Serveranlage arbeitet und die jüngsten Bemühungen lediglich die zweite Phase dieses Projekts darstellen.

Da es sich bei dem Unterfangen um ein Pilotprojekt handelt, fällt das Rechenzentrum mit 864 Servern und einer Gesamtkapazität von um die 28 Petabyte vergleichsweise klein aus. Microsoft muss darauf hoffen, dass in den (bis zu) fünf Jahren, in denen das Center auf dem Meeresgrund seinen Dienst verrichten soll, keine größeren Defekte auftreten: Eine Reparatur unter Wasser wird nämlich nicht möglich sein, da die Rechner komplett von einem riesigen, wasserdichten Stahlzylinder ummantelt sind.

Es bleibt abzuwarten, ob dies eine wirklich kosteneffiziente, auch in einem größeren Maßstab umzusetzende Lösung darstellt, da den eingesparten Stromkosten ein immenser Aufwand bei Bau, Installation und Wartung gegenübersteht. Auch wirft das Projekt ökologische Fragen auf, da durch die Erwärmung des Wassers und die teils ultrafrequente Geräuschentwicklung negative Folgen für das empfindliche Meeresökosystem nicht auszuschließen sind.

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Autor: Tobias Häuser,  7.06.2018 (Update:  7.06.2018)
Tobias Häuser
Tobias Häuser - News Editor
Während meines Philosophiestudiums in Tübingen und New York habe ich mich mit ethischen Fragen des technischen Fortschritts, Künstlicher Intelligenz und der Zukunft einer digitalisierten und automatisierten Gesellschaft befasst. Technik fasziniert mich schon seit meiner Kindheit. Mein Schwerpunkt liegt auf dem Bereich Notebooks, umfasst aber letztlich das ganze Gebiet der Unterhaltungselektronik und darüber hinaus E-Mobilität, autonomes Fahren, KI und Raumfahrt. Wenn ich nicht gerade als freischaffender Journalist, Publizist und Online-Redakteur tätig bin, beschäftige ich mich mit Kunst und Literatur, gehe viel auf Reisen und wandern, aber vor allem schreibe ich in jeder freien Minute an meinen Büchern.