Biobasierter Kunststoffersatz aus Agrarabfällen: Das Start-up Traceless Materials verspricht massiven CO2-Reduzierung und Lösung gegen Mikroplastik

Traceless Materials GmbH, deren Innovation jüngst mit der Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis 2025 gewürdigt wurde, entwickelt eine neue Werkstoffklasse, die konventionelle Kunststoffe in zahlreichen Industrieanwendungen ersetzen soll. Das Unternehmen setzt auf eine patent-anhängige Prozesstechnologie, welche die Extraktion von Naturpolymeren aus landwirtschaftlichen Reststoffen ermöglicht.
Dieser Ansatz, der die bereits von der Natur geschaffenen Polymerstrukturen nutzt, verzichtet auf die energieintensive Neusynthese von Polymermolekülen. Laut Traceless wird somit eine zirkuläre, biobasierte Zukunft unterstützt, indem man mit der Natur und nicht gegen sie arbeite. Die Materialien seien dabei zu 100 Prozent biobasiert und fossilfrei, wobei die Verwendung von Zweitgenerations-Biomasse jegliche Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion oder das Risiko der Entwaldung ausschließe.
Ökobilanz und Nachhaltigkeitsnachweise
Die ökologische Performance des Materials ist durch eine konsequenzielle Ökobilanz (c-LCA) quantifiziert worden und soll die Überlegenheit gegenüber gängigen Neukunststoffen wie LDPE, HDPE, PP oder PET belegen. traceless soll die Treibhausgasemissionen über den gesamten Produktlebenszyklus um bis zu 76 Prozent senken.
Besonders signifikant fällt die Einsparung bei der Produktion und Entsorgung aus, wo eine Reduktion der Treibhausgasemissionen von bis zu 95 Prozent möglich sein soll. Die Materialproduktion in der ersten großtechnischen Anlage in Hamburg-Harburg, die auf erneuerbare Energie setzt, trägt maßgeblich zur Senkung des fossilen Energiebedarfs bei, welcher im Durchschnittsszenario um 58,91 Gigajoule pro Tonne im Vergleich zu Neukunststoffen reduziert wird.
Zudem soll die ressourceneffiziente Nutzung von Agrarreststoffen im gesamten Lebenszyklus durchschnittlich 60 Quadratmeter-Jahre pro Tonne landwirtschaftliche Fläche einsparen. Spezifische Anwendungen des Materials verfügen ferner über eine Zulassung für den Lebensmittelkontakt.
Anwendung und Marktintegration
Die Materialien bieten eine kunststoffähnliche Performance und sind für den Einsatz in einem breiten Produktspektrum vorgesehen, darunter Einwegartikel, flexible Folien, Papierbeschichtungen und Klebstoffe. Die besondere Herausforderung dieser Anwendungsbereiche liegt oft in der mangelnden Recyclingfähigkeit oder dem hohen Risiko des Umwelteintrags. Der Werkstoff wird in Standard-Granulatform hergestellt und ist dank seiner thermoplastischen Eigenschaften mit gängigen industriellen Fertigungsverfahren wie Spritzguss und Extrusion kompatibel.
Diese einfache Integration in bestehende Produktionsprozesse ist für die industrielle Skalierbarkeit und die Wettbewerbsfähigkeit des Materials von entscheidender Bedeutung. Das Material ist explizit als kunststofffrei (Flustix-zertifiziert) deklariert, wodurch es zu einer Lösung im Kampf gegen die Plastikverschmutzung werden kann.
Ende des Lebenszyklus und Sicherheitsaspekte
Das Material ist gemäß NF T 51-800 und DIN Geprüft als heimkompostierbar zertifiziert. Aufgrund seiner rein natürlichen Polymerbasis sollen die Materialien unter natürlichen Kompostierungsbedingungen innerhalb von zwei bis neun Wochen vollständig abgebaut werden und in Wasser, Humus sowie Kohlendioxid zerfallen, womit es den biologischen Kreislauf schließe.
Das Material soll dadurch kein Mikroplastik in die Umwelt freisetzen. Darüber hinaus ist es PFAS-frei und soll keine anderen schädlichen Chemikalien enthalten, da das Unternehmen bei der Material- und Technologieentwicklung strenge Nachhaltigkeitsrichtlinien hinsichtlich sicherer und nachhaltiger Inhaltsstoffe befolge. Dies würde die Freisetzung potenziell gesundheitsschädlicher Substanzen in Wasser- und Bodenressourcen vermeiden.










